Fachkommission PP/KJP

Reform überfällig

Psychotherapeut*innen in Ausbildung

Reform überfällig

Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit zur Reform der Psychotherapeutenausbildung liegt seit Januar 2019 vor. ver.di begrüßt, dass die Reform des Psychotherapeutengesetzes endlich in Angriff genommen wird. Seit Langem besteht Handlungsbedarf: Es ist nicht akzeptabel, dass Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA) während der praktischen Tätigkeit zumeist keine oder nur eine geringe Vergütung bekommen. Auch die Zugangsvoraussetzungen zur jetzigen Psychotherapeutenausbildung müssen infolge des sogenannten Bologna-Prozesses angepasst werden.

Die Reformvorschläge des Ministeriums sehen ein fünfjähriges Hochschulstudium der Psychotherapie vor, an das sich künftig eine Weiterbildung anschließen soll. Damit ist im Rahmen der Reform eine notwendige strukturelle Verbesserung im Vergleich zur jetzigen Situation angelegt. Entscheidend ist aus Sicht von ver.di, dass die Weiterbildung künftig ausschließlich im Angestelltenverhältnis und damit in einem gesicherten arbeitsrechtlichen und sozialversicherungsrechtlichen Status stattfindet. Dafür muss der Gesetzgeber die finanziellen Rahmenbedingungen so regeln, dass die Weiterbildung in hinreichender Qualität und Quantität gewährleistet ist. Hierzu gehört eine entsprechende Regelung zur Finanzierung der ambulanten Weiterbildungszeit.

Die geplante inhaltliche Ausrichtung des Studiums bewertet ver.di positiv. Bereits im Studium sollen unterschiedliche ambulante sowie stationäre Versorgungsbereiche inkl. der sektorübergreifenden Versorgung berücksichtigt werden. Die derzeitige Ausbildung zielt indirekt auf eine spätere Niederlassung im vertragsärztlichen/ psychotherapeutischen Bereich. Das ist verengt und führt dazu, dass viele weitere Tätigkeitsfelder von Psychotherapeut*innen vernachlässigt werden. Eine breitere Ausrichtung ist aus Versorgungsgesichtspunkten geboten. Deutlicher Nachbesserungsbedarf besteht aus Sicht von ver.di dagegen bei der Ausgestaltung der Praxisphasen im Studium. Die praktischen Ausbildungsphasen im Studium müssen Qualitätsstandards unterliegen, unter anderem zur Anleitung und Supervision. Damit die Studierenden während ihrer praktischen Ausbildungsphasen ausreichend geschützt sind, ist die Vorgabe einer vertraglichen Bindung zwischen den Einrichtungen und den Studierenden nötig. Auf diese Weise können die Ausbildungsbedingungen in der Praxis und ggf. eine angemessene Aufwandsentschädigung für die Studierenden geregelt werden.

Nachbesserungsbedarf besteht auch hinsichtlich der geplanten Übergangsphase. Viele psychotherapeutische Ausbildungsteilnehmer*innen sind aufgrund der prekären Situation in der Ausbildung auf Nebenjobs angewiesen. Für den Abschluss ihrer derzeitigen Ausbildung benötigen sie daher mehr Zeit als veranschlagt. Dazu kommen häufig Erziehungs- und Betreuungszeiten, die die Ausbildungszeit erfahrungsgemäß weiter ausdehnen. Aufgrund dieser Praxiserfahrungen spricht ver.di sich für eine Übergangsregelung von fünfzehn Jahren und für eine zusätzliche Härtefallregelung aus, um besonderen Fallgestaltungen gerecht zu werden.

Parallel zur vorgesehenen Neuregelung der Psychotherapeutenausbildung braucht es dringend Verbesserungen für die jetzigen PiA. Da zahlreiche Aspekte der Qualifizierung im derzeitigen Psychotherapeutengesetz ungeregelt sind, gibt es für die PiA aktuell ein Wirrwarr an Regelungen: vom ungeregelten „Gaststatus“ ohne Vertrag über „Praktikantenverträge“ bis hin zu Angestelltenverhältnissen im Einzelfall. Dies hat der Ausbeutung der PiA Tür und Tor geöffnet. Dabei haben sie bereits ein Studium der Psychologie oder der Pädagogik bzw. Sozialpädagogik erfolgreich abgeschlossen. Hinzu kommt die private Finanzierung der derzeitigen Ausbildung durch die Teilnehmenden. ver.di setzt sich dafür ein, dass die Kostenfreiheit der Ausbildung durch Gesetz vorgegeben wird und die Berufsqualifikation in einem gesicherten arbeitsrechtlichen und sozialen Status erfolgt. Dafür ist es überfällig, den Status der PiA während der praktischen Tätigkeit zu klären und den Anspruch auf eine angemessene Vergütung vorzuschreiben.

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