Arbeitskreis MTA

»Keine bloße Assistenztätigkeit«

Interview

»Keine bloße Assistenztätigkeit«

Oliver Geffert privat Oliver Geffert  – Oliver Geffert ist Medizinisch-Technischer Radiologie-Assistent am Klinikum Worms und Sprecher des ver.di-Bundesarbeitskreises MTA.

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Neuregelung der Berufe in der Medizinisch-Technischen Assistenz (MTA) vorgelegt. Die letzte gesetzliche Regelung stammt aus dem Jahr 1993 – lange her.

Das ist wahr. Der Gesetzgeber hat lange gebraucht, um wach zu werden und zu sehen, dass die Inhalte des Gesetzes und der dazugehörigen Ausbildungs- und Prüfungsverordnung angesichts der technischen und medizinischen Entwicklungen längst nicht mehr zeitgemäß sind.

Künftig soll die Berufsbezeichnung Medizinischer Technologe bzw. Medizinische Technologin in der jeweiligen Fachrichtung sein. Was bedeutet das für dich?

Damit wird endlich der Tatsache Rechnung getragen, dass es sich nicht um eine bloße Assistenztätigkeit für Ärztinnen und Ärzte handelt, sondern um eine selbstständig ausgeführte und hochqualifzierte Arbeit. Wir sind froh, dass die neue Berufsbezeichnung dies zum Ausdruck bringt und damit eine unserer langjährigen Forderungen aufgegriffen wird.

Im Referentenentwurf war zwar die Abschaffung des Schulgeldes festgeschrieben, nicht aber der Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung. ver.di hatte das heftig kritisiert, jetzt ist die Vergütung drin. Wie bewertest du das?

Das ist ein riesiger Schritt nach vorne und macht den Ausbildungsberuf attraktiver. Nur so kann genug Nachwuchs gewonnen werden, der ohne eine Ausbildungsvergütung in andere Berufe abwandern könnte. Wir erbringen wichtige diagnostische Leistungen, ohne die eine adäquate Behandlung nicht möglich ist. Dafür braucht es genug und gut qualifiziertes Personal. Deshalb ist die Einführung der Ausbildungsvergütung richtig und dringend notwendig, auch als Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Betrieblich-schulische Auszubildende an Unikliniken und kommunalen Krankenhäusern haben durchgesetzt, dass in den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes Ausbildungsvergütungen festgeschrieben wurden. Welche Rolle hat das in Bezug auf den nun vorliegenden Gesetzentwurfs gespielt?

Dieser Erfolg hat dazu geführt, dass aktuell im öffentlichen Dienst eine Ausbildungsvergütung gezahlt wird, bei vielen privaten Schulen und anderen Trägern aber nicht. Das dürfte eine Rolle dabei spielen, dass der Gesetzgeber nun aktiv wird und dafür sorgt, dass in demselben Ausbildungsberuf wieder gleiche Bedingungen gelten. Unserer jungen Kolleg*innen an den kommunalen und Universitätskliniken haben gezeigt, wie wichtig eine Vergütung für die Attraktivität der Berufe und die Sicherung des Nachwuchses ist. Damit haben sie den Weg für alle geebnet und Impulse auch für eine gesetzliche Reform gesetzt. Sie können sehr stolz auf sich sein.

ver.di hat sich in der Debatte über das neue Gesetz besonders für die Stärkung der Ausbildungsqualität engagiert. Wie ist der Entwurf in dieser Hinsicht zu bewerten?

Auch hier sehe ich große Fortschritte. Obwohl es schon in der bisherigen Ausbildung relativ hohe Praxisanteile gab, war die Anleitung bislang überhaupt nicht geregelt. Die Ausbildungsqualität hing daher stark von den Bedingungen in den jeweiligen Betrieben und Schulen sowie vom Engagement der ausgebildeten Kolleg*innen ab. Von dem neuen Gesetz erhoffe ich mir mehr Einheitlichkeit und Qualität in der praktischen Ausbildung. Damit die Medizinischen Technolog*innen dann noch besser auf den Arbeitsalltag vorbereitet sind. Als ver.di-Bundesarbeitskreis MTA werden wir beobachten und begleiten, wie sich die Neuregelung in der Praxis auswirkt und gegebenenfalls auf weitere Verbesserungen drängen. Aber ich bin jetzt erstmal sehr froh, dass dieser erste Schritt gelungen ist. Dafür haben wir uns gemeinsam mit anderen erfolgreich eingesetzt.

Wie sind die Praxisbegleitung durch Lehrkräfte und deren Qualifikation geregelt?

Lehrkräfte sollen neben der dreijährige Ausbildung im medizinisch-technischen Bereich über ein pädagogisches Hochschulstudium verfügen. Das finde ich richtig. Denn es braucht zusätzliche pädagogische Qualifikationen, um eine gute theoretische Ausbildung und Praxisbegleitung zu gewährleisten. Wir machen eine sehr wichtige und verantwortungsvolle Arbeit. Mit Abschluss der Ausbildung müssen die Leute in der Lage sein, diese selbstständig auszuüben. Und dafür muss die Ausbildungsqualität stimmen – sowohl im praktischen als auch im theoretischen Teil. Damit die Qualität der theoretischen Ausbildung sichergestellt ist, fordern wir ein verbindliches Verhältnis von hauptberuflichen Lehrkräften zu Auszubildenden von eins zu 15.

Der Gesetzentwurf stellt klar, dass Auszubildende einen schriftlichen Vertrag mit dem Träger der praktischen Ausbildung schließen und dort Arbeitnehmerrechte haben. Warum ist das so wichtig?

Das war ein großer Diskussionspunkt. ver.di hat immer darauf gedrungen, dass die betriebliche Mitbestimmung auch für diese Auszubildenden gilt. Denn wie in anderen Berufen kann es auch hier zu Interessenkonflikten kommen, bei denen die Auszubildenden verbindliche Rechte und eine Interessenvertretung brauchen. Nun ist klargestellt, dass Betriebs- und Personalräte sowie Mitarbeitervertretungen auch für sie zuständig sind und dass sie sich in der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) engagieren können. Das ist gut.

Es gibt auch Regelungen zu den sogenannten vorbehaltenen Tätigkeiten. Kannst du erklären, was diese bedeuten?

Das Gesetz legt Tätigkeiten fest, die nur von ausgebildeten Medizinischen Technolog*innen ausgeführt werden dürfen. Allerdings enthält es Ausnahmen, die wir kritisch sehen. So dürfen zum Beispiel Medizinische Fachanagestellte (MFA) diese Tätigkeiten unter Aufsicht eines Arztes oder einer Ärztin durchführen. Wir haben die Streichung dieser Öffnungsklausel gefordert, mit einer Besitzstandswahrung für die derzeit Beschäftigten. Denn wenn eine MFA mit einem 90stündigen Kurs das gleiche machen darf wie ein Medizinischer Technologe oder eine Medizinische Technologin nach einer dreijährigen Ausbildung, ist das schon problematisch. Hier hätten wir uns eine andere Regelung gewünscht. Insgesamt ist das Gesetz aber ein wichtiger Fortschritt und ein großer Erfolg. Wir werden das Gesetzgebungsverfahren begleiten und uns für weitere Verbesserungen einsetzen.

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