Gefährlicher Stress

Fast 12.000 Beschäftigte aus Krankenhäusern, Psychiatrien, Altenpflegeeinrichtungen und Servicebereichen haben sich am ver.di-Versorgungsbarometer beteiligt. Die Befragung belegt die gravierenden Probleme in der Branche. Es fehlt an Zeit und Personal, die Versorgungsqualität leidet, die Gesundheit der Beschäftigten steht auf dem Spiel. Nur 18 Prozent von ihnen glauben, unter diesen Bedingungen bis zum gesetzlichen Rentenalter durchhalten zu können – ein Alarmsignal!

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Ausbildung: Mehr und bessere Ausbildung

Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Gerade angesichts des steigenden Arbeitskräftebedarfs braucht es mehr Ausbildung und bessere Bedingungen. Doch 20 Prozent der Azubis erhalten überhaupt keine strukturierte Praxisanleitung. Auch deshalb bleibt in der Pflege etwa jede*r vierte Auszubildende ohne Abschluss. Das muss sich ändern!

Psychiatrie: Personalbedarf voll finanzieren

Ein gutes Stationsmilieu zu schaffen, ist in psychiatrischen Einrichtungen entscheidend für den Genesungserfolg und die Vermeidung von Gewalt. Doch nur 22 Prozent der Beschäftigten können sich die dafür nötige Zeit nehmen. Damit alle notwendigen Einzeltherapien stattfinden können, fehlt es bei 60 Prozent an Zeit. Für eine sichere und menschliche Psychiatrie braucht es genug Personal. Die Richtlinie »Personalausstattung Psychiatrie und Psychosomatik« (PPP-RL) muss daher als erster Schritt zu 100 Prozent verpflichtend eingehalten, zu einer echten Personalbemessung ausgebaut und entsprechend finanziert werden.

Krankenhaus: PPR 2.0 sofort umsetzen

57 Prozent der Krankenhausbeschäftigten berichten, dass notwendige Dekubitus-Prophylaxen nur eingeschränkt oder gar nicht stattfinden können. 30 Prozent können ihre gesetzlich vorgeschriebenen Pausen nicht ungestört nehmen. Die Personalnot gefährdet also sowohl Patient*innen als auch Beschäftigte. Das Mittel dagegen hat ver.di gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Deutschen Pflegerat vorgelegt: die PPR 2.0. Das Instrument für eine bedarfsorientierte Personalbemessung muss sofort eingesetzt werden!

Silhouetten Versorgungsbarometer
© werkzwei

Servicekräfte: Ein Betrieb – eine Belegschaft

Große Verantwortung, hoher Arbeitsdruck – das gilt auch für Servicebeschäftigte. 25 Prozent geben an, Hygienestandards nicht immer einhalten zu können – darunter viele Reinigungskräfte. Etliche sind zu schlechteren Bedingungen in Tochtergesellschaften oder Fremdfirmen angestellt. Fast die Hälfte fühlt sich (zumindest teilweise) nicht als Teil der Belegschaft. 48 Prozent kommen mit ihrem Gehalt nicht gut aus, 23 Prozent brauchen Zweit- oder Drittjobs, um über die Runden zu kommen. Dabei sind sie für eine funktionierende Versorgung unentbehrlich.
Es muss wieder überall gelten: Ein Betrieb, eine Belegschaft, ein Tarifvertrag!

Altenpflege: Bedarfsgerechte Personalvorgaben

Zu wenig Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen bedeutet eine geringere Lebensqualität für Bewohnerinnen und Bewohner. Drei von vier Altenpfleger*innen fehlt die Zeit, Gespräche zu führen und zuzuhören. Bei 38 Prozent ist selbst die Grundpflege nicht immer bedarfsgerecht möglich. Ebenso viele berichten davon, dass es eingesetzten Arbeitskräften an der notwendigen Qualifikation mangelt. Um pflegebedürftigen Menschen ein würdevolles Leben zu ermöglichen und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, braucht es verbindliche und bundesweit einheitliche Personalvorgaben, die dem wirklichen Bedarf entsprechen. Und eine flächendeckend gute Bezahlung, die sich in allen Einrichtungen nach den in der Branche relevanten Flächentarifverträgen richtet, wie dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst. Mit den bisherigen Beschlüssen wird das nicht erreicht. Die nächste Regierung ist gefordert!

Die Ergebnisse der Befragung bekräftigen unsere Forderung nach grundlegenden Veränderungen. Es braucht in allen Bereichen mehr Personal, eine flächendeckend gute, tarifvertraglich abgesicherte Bezahlung sowie eine bedarfsgerechte Finanzierung. Dafür setzen wir uns gemeinsam ein. Mach mit! 

Silhouetten Versorgungsbarometer
© werkzwei

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