prekäre Arbeit

Krankes System?

Krankes System?

Perspektiven für eine gerechte Gesundheitspolitik

Unter diesem Titel hat die „Deutschen Plattform für Globale Gesundheit (DPGG)“ am 10. Oktober 2016 eine viel beachtete Fachveranstaltung im Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin durchgeführt. Mehr als 100 Vertreterinnen aus ganz unterschiedlichen Organisationen und interessierte Öffentlichkeit diskutierten Fragen der Gesundheitsversorgung, Beschäftigung und der Finanzierung für ein Gesundheitswesen als Daseinsvorsorge. Alle Beteiligten betonten: Gesundheit ist ein globales öffentliches Gut, der Zugang zur Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht, zu dessen Verwirklichung sich Europa und die Staatengemeinschaft verpflichtet hat.

Ebenso zeigten alle Referent/innen auf: Wir leben in Zeiten, in denen das Gesundheitswesen mehr und mehr zum Objekt ökonomischer Begierden wird. Die marktförmige Ausgestaltung des Gesundheitswesens gilt als krisensicher, ist relativ konjunkturunabhängig und darüber hinaus ein profitabler Wachstumsmarkt. Die Dominanz privatwirtschaftlicher Akteure und Prinzipien ist nur einer der schädigenden Einflüsse auf die Gesundheit. Und dies gilt nicht nur für die Industrienationen, sondern auch für die arm gehaltenen Länder des Südens.

Wenn es also diesen öffentlichen Auftrag und die sozialen Dimensionen einer guten Gesundheitsversorgung für alle zu verteidigen gilt, sind die Auswirkungen einer zunehmenden Privatisierung in den Blick zu nehmen, die Möglichkeiten demokratischer Mitbestimmung auszuloten, die Arbeitsbedingungen des Gesundheitspersonals neu zu gestalten und nicht zuletzt den Zugang zu Gesundheit für alle zu sichern. Zu diesen Anforderungen gab es Bewertungen, Einschätzungen und Positionen bis hin zur Forderung, eine gezielte Re-Politisierung und Re-Demokratisierung der der Gesundheitssysteme auf den Weg zu bringen. Diskutiert haben: Professor Desmond McNeill, Lancet – University of Oslo Commission on Global Governance for Health, Manfred Fiedler, attac AG Soziale Sicherung, Dr. Tine Hanrieder, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Knut Lambertin, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Carsten Becker, ver.di-Betriebsgruppe an der Charité und Heino Güllemann von der Stiftung Umverteilen.

Die Konferenz basierte auf den Positionen, die die dpgg in ihrem Programmpapier „Brain-Drain durch grenzüberschreitende Abwerbung von Gesundheitsfachkräften" herausgegeben hat. Dokumentation und Programmpapier stehen zum Download bereit.

Die „Deutsche Plattform für Globale Gesundheit (DPGG)“ sind Gewerkschaften, Sozial- bzw. Wohlfahrtsverbände, entwicklungs- wie migrationspolitische Organisationen, Wissenschaft sowie soziale Projekte und Bewegungen. Die Plattform versteht sich als übergreifende Initiative mit dem Ziel, die sozialen und politischen Bedingungen für Gesundheit stärker in den Mittelpunkt der Gesundheitsdebatten zu rücken. Dazu will die DPGG den Zusammenhang zwischen globalen und lokalen Einflussfaktoren von Gesundheit stärker ins öffentliche Bewusstsein bringen, die Zusammenarbeit nationaler und internationaler Initiativen stärken und dazu beitragen, die Trennung zwischen innenpolitischer und globaler Gesundheitspolitik zu überwinden.

Kontakt

  • Dr. Margret Steffen

    Ge­sund­heits­po­li­ti­k. The­menschwer­punk­te: EU-­Po­li­ti­k, Be­rufs­ge­nos­sen­schaft Ge­sund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge

    030/6956-1811