Pflegepolitik

Nächste Bundesregierung ist gefordert

Pflege

Nächste Bundesregierung ist gefordert

Zwischenbericht zur Konzertierten Aktion Pflege: ver.di fordert entschiedenere Maßnahmen für bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen


Pressemitteilung, Berlin, 20.08.2021. Anlässlich der heutigen Veröffentlichung des zweiten Zwischenberichts zur Umsetzung der Konzertierten Aktion Pflege fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ein entschiedeneres Vorgehen zur Verbesserung der Bedingungen in der Pflege. "In der Corona-Pandemie ist offensichtlich geworden, wie wichtig eine gute Gesundheitsversorgung für die Gesellschaft ist", betonte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. "Das entscheidende Problem ist die enorme Arbeitsbelastung. Eine gute Versorgung kann es nur mit einer bedarfsgerechten Personalausstattung geben. Das muss die kommende Bundesregierung konsequent angehen und verbindliche und wirksame Maßnahmen auf den Weg bringen, um die Beschäftigten zu entlasten und dauerhaft mehr Personal in die Einrichtungen zu bekommen."

In der Krankenhauspflege müsse die von ver.di gemeinsam mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Deutschen Pflegerat vorgelegte Personalbemessung, die PPR 2.0, schnellstens in Kraft gesetzt werden, so Bühler weiter. "Die PPR 2.0 würde eine bedarfsgerechte Pflege ermöglichen. Die von der ausgehenden Bundesregierung beschlossenen Pflegepersonaluntergrenzen sind völlig unzureichend. Die Beschäftigten sind nicht bereit, sich länger vertrösten zu lassen."

Auch in der Altenpflege seien bedarfsgerechte und bundesweit verbindliche Personalvorgaben nötig. Wissenschaftlich erwiesen brauche es für eine bedarfsgerechte Pflege rund 30 Prozent mehr Personal. In Bezug auf die vielerorts unzureichende Bezahlung in der stationären und ambulanten Pflege sagte Bühler: "Das unter Federführung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beschlossene Gesetz für eine tarifliche Bezahlung in der Altenpflege ist stark missbrauchsanfällig. Falls kommerzielle Betreiber weiterhin keine fairen Löhne zahlen, muss hier schleunigst nachgebessert werden." Erst in vier Jahren die Auswirkungen politisch zu bewerten, sei unverantwortlich.

Bühler begrüßte, dass sich die Ausbildungszahlen in der Pflege laut Zwischenbericht weiter erhöht haben. "Das zeigt, dass sich viele junge Menschen für die Pflegeberufe interessieren. Sie wollen etwas für andere Menschen tun, aber sie brauchen dabei auch gute Bedingungen. Nur so können sie im Beruf gehalten werden." Dass die Pflegeausbildung nach den von ver.di ausgehandelten Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes deutlich besser vergütet wird als andere Ausbildungsberufe, leiste einen wichtigen Beitrag zur Gewinnung neuer Fachkräfte. "Die weitere Steigerung der Ausbildungszahlen ist wichtig. Zudem braucht es gute Ausbildungsbedingungen, also genug Zeit und Personal für geplante Praxisanleitung und eine gute Verzahnung von Theorie und Praxis. Hier ist noch viel zu tun."

"Bessere Arbeitsbedingungen durch bedarfsgerechte Personalvorgaben sind ein wichtiges Mittel, die Flucht aus den Berufen zu stoppen", sagte Bühler. Das werde durch Erfahrungen in Kalifornien und Australien belegt, wo die Zahl der Pflegekräfte nach der Einführung gesetzlicher Personalvorgaben messbar gestiegen sei. "Genug Personal, flächendeckend angemessene Bezahlung und eine auskömmliche Finanzierung - das sind die zentralen Aufgaben der Gesundheitspolitik. Wir messen die Parteien und ihre Kandidatinnen und Kandidaten daran, wie sie zu diesen Forderungen stehen. Nach der Bundestagswahl müssen die Probleme zügig und entschlossen von der neuen Bundesregierung angegangen werden."

  • 1 / 3

Weiterlesen

Kontakt

  • Grit Genster

    Be­reichs­lei­te­rin Ge­sund­heits­po­li­ti­k. The­menschwer­punk­te: Ge­sund­heits­-, Kran­ken­haus- und Pfle­ge­po­li­tik

    030/6956-1810