Pflegepolitik

»Es gibt enorm viel zu tun«

»Es gibt enorm viel zu tun«

Will sich für Gute Arbeit in der Pflege stark machen: Seit 1. März ist Barbara Susec neue Gewerkschaftssekretärin für Pflegepolitik. Digitalisierung soll Entlastung bringen.

Barbara Susec shift/studio für ver.di Barbara Susec

Die Pflegepolitik bei ver.di bekommt ein neues Gesicht: Seit dem 1. März 2019 ist Barbara Susec als Gewerkschaftssekretärin für Pflegepolitik, Pflegeversicherung und Digitalisierung im Gesundheitswesen zuständig. »Eigentlich bin ich Quereinsteigerin, komme ursprünglich aus einer ganz anderen Ecke«, berichtet die gebürtige Schwäbin. Allerdings weiß sie noch gut aus eigener Erfahrung, wie der Pflegealltag aussieht: Nach dem Abitur hat Barbara ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Uniklinik Tübingen absolviert und die Pflegekräfte bei der Arbeit unterstützt. Danach zog sie zum Studieren nach Berlin, jobbte aber weiterhin nebenbei in Krankenhäusern. »Ich war immer auf Station, habe auch Nachtdienste geleistet«, sagt Barbara. Betten reinigen, Patient*innen ankleiden, waschen und Essen anreichen: So hat sie ihr Studium der Politikwissenschaften mitfinanziert.

Allerdings liegt das alles schon eine Weile zurück. Um sich auf ihre neue Tätigkeit im Bereich Gesundheitspolitik vorzubereiten, will sie deshalb noch einmal bei einem Pflegedienst hospitieren. »Ich möchte gerne mitbekommen, wie der Alltag in der Pflege organisiert wird«, betont Barbara. »Schließlich hat sich die Arbeit in den letzten Jahren massiv verdichtet und die Anforderungen sind gestiegen.«

Nach dem Studium hat die Wahlberlinerin kurz im Wissenschaftszentrum gearbeitet, danach war sie sieben Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin für SPD-Abgeordnete im Bundestag tätig, zuletzt für den Sozialpolitiker Ottmar Schreiner. Dabei entdeckte sie die Gewerkschaftsarbeit für sich und wechselte zum DGB-Bundesvorstand, zunächst als Krankheitsvertretung in der Grundsatzabteilung, dann als Büroleiterin des damaligen Vorsitzenden Michael Sommer und zuletzt als Abteilungsleiterin Internationales.

Nach jahrelanger Verbandsarbeit wollte sie sich beruflich verändern, näher mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten, mehr Kontakt zu Personal- und Betriebsräten sowie Mitarbeitervertretungen haben. Fest stand für sie: »Es sollte ein Zukunftsthema sein. Und ich wollte definitiv bei der Gewerkschaft bleiben.« Im Sommer 2016 fing Barbara bei ver.di an, zunächst im Bereich Innovation und Gute Arbeit, wo sie zu Digitalisierung und auch Künstlicher Intelligenz arbeitete. Seit 1. März ist sie für Pflegepolitik zuständig. »Es ist ein komplexes Politikfeld, mit großer Bedeutung für die Gesellschaft. Ich freue mich auf das für mich noch neue Arbeitsgebiet«, sagt die 50-Jährige.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen entwickelt sich immer dynamischer. Barbara Susec bringt viel Erfahrung mit und kann sie im neuen Bereich gut einfließen lassen: Das Thema Digitalisierung liege ihr sehr am Herzen. »Für mich ist die Frage entscheidend: Wie kann Digitalisierung so gestaltet werden, dass sie zu verbesserten Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und damit zu Guter Arbeit führt? Dass der Einsatz digitaler Technologien die Beschäftigten tatsächlich entlastet, die Pflege qualitativ verbessert, statt lediglich dem Ziel der Profitmaximierung auf dem Rücken der Pflegekräfte zu dienen. Das ist unser Handlungs- und Gestaltungsauftrag.« Doch das sei nur eines der Themen, fügt Barbara hinzu. »In der Pflege gibt es enorm viel zu tun.« Wie wir als Gesellschaft mit alten und pflegebedürftigen Menschen umgehen, ist ihrer Meinung nach ein Gradmesser dafür, wie human unsere Gesellschaft ist. Da gelte es, sich die Frage zu stellen: »Wie wollen wir leben?«

Kontakt

  • Barbara Susec

    Ge­sund­heits­po­li­ti­k. The­menschwer­punk­te: Pfle­ge­po­li­ti­k, Di­gi­ta­li­sie­rung im Ge­sund­heits­we­sen

    030/6956-1811