Leiharbeit in der Pflege

Die Pflege sollte ein WIR werden

Leiharbeit in der Pflege

Die Pflege sollte ein WIR werden

Debattenbeitrag Leiharbeit: Die Pflege sollte sich nicht mehr untereinander bekämpfen, sondern gemeinsam für bessere Zustände in der ambulanten und stationären Pflege kämpfen.

Guten Tag,

mit Bedauern muss ich beobachten, dass die Leiharbeit öffentlich angeprangert wird. Ist es nicht im Interesse von ver.di, alle Pflegekräfte zu unterstützen anstatt die unterschiedlichen Beschäftigten gegeneinander auszuspielen? Wie Sie bereits erahnen, bin ich eine dieser Pflegekräfte, die ins Leasing gewechselt sind und ich fühle mich als ver.di-Mitglied mit Füßen getreten. Anstatt unsere Beweggründe zu erörtern, wird die Leiharbeit verteufelt. In Anbetracht des zunehmenden Fachkräftemangels im Pflegesektor finde ich es gewagt, einen Teil der Beschäftigten so auszugrenzen.

Natürlich ist die Bezahlung in der Leiharbeit im Vergleich deutlich höher, jedoch empfinde ich diese Bezahlung als fair und würde mir dieselbe Entlohnung für meine KollegInnen in den Kliniken wünschen. Viele Krankenschwestern und -pfleger wechseln in die Leiharbeit nicht wegen der Vergütung, sondern aufgrund der deutlich besseren Arbeitsbedingungen und der Wertschätzung. Denn so traurig es ist: Hätte ich nicht die Möglichkeit, als Leasing-Krankenschwester zu arbeiten, würde ich dem Pflegeberuf den Rücken kehren, da die Situation auf den Stationen nicht mehr zu ertragen ist.

Als Leasing-Krankenschwester zu arbeiten, ist auf anderen Ebenen zusätzlicher Stress. Wir müssen meist täglich auf unterschiedlichen Stationen arbeiten. Das bedeutet jeden Tag eine andere Fachrichtung, jeden Tag ein anderes Team, andere Örtlichkeiten, andere Patienten, Anfahrtswege von über einer Stunde für nur eine Strecke. Ich bekomme regelmäßig zu spüren, dass ich nicht zum Team gehöre, darf mehr Patienten betreuen mit der Aussage »du verdienst ja mehr, dann kannst du auch mehr arbeiten«, betreue Patienten, die das Stammpersonal nicht mehr betreuen möchte, oder erfahre weniger Hilfe zum Beispiel bei Lagerungen oder in Stresssituationen.

Natürlich verstehe ich den Unmut des Stammpersonals – ich selbst kenne beide Perspektiven. Und ich glaube, wir sind uns alle einig: Es muss etwas passieren in der Pflege. Die Situation auf den Stationen, im speziellen auf den Intensivstationen, ist teilweise katastrophal. Das Stammpersonal ist teilweise stark ausgebrannt, überarbeitet, frustriert. Dauerhaft sind viele Stationen personell unterbesetzt. Ich kann verstehen, dass dann das Thema Leasing zusätzlich frustriert. Ich finde es jedoch schade, dass in den Medien meist nur eine Seite gehört wird. Es macht mich unfassbar traurig, dass die Pflege nicht zusammenhält. Ich würde mir wünschen, dass die Pflege sich nicht mehr untereinander bekämpft, sondern dass wir alle gemeinsam für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen, für bessere Bezahlung, für bessere Zustände in der ambulanten und stationären Pflege. Die Pflege sollte in allen Bereichen endlich ein WIR werden, unabhängig von der Qualifikation und der Einrichtung. Denn uns vereint die Liebe zum Beruf.

Mit solidarischen Grüßen

Maria Krüger

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