Leiharbeit in der Pflege

Für mich steht fest: nie wieder!

Leiharbeit in der Pflege

Für mich steht fest: nie wieder!

Debattenbeitrag Leiharbeit: Eine Krankenschwester erklärt, warum sie nicht mehr in der Leiharbeit arbeiten will. Erfahrungen in der Corona-Pandemie gaben den letzten Anstoß.

Sieben Jahre habe ich als Krankenschwester bei einer Leiharbeitsfirma in Berlin gearbeitet. Jetzt reicht es mir. Die Bedingungen waren unerträglich. Wie in der Corona-Pandemie mit mir umgegangen wurde, hat das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht. Es fing an beim Geld: Der Arbeitgeber behauptete steif und fest, er könne nicht mehr als 20 Euro die Stunde zahlen, ich bekäme schon das Maximum. Dann lernte ich einen Altenpfleger kennen, der im März angefangen hatte und drei Euro mehr bekam als ich. Sie haben mich also schlicht angelogen.

Weil es in der Corona-Pandemie erstmal weniger zu tun gab, sollte ich von meinen vertraglich vereinbarten 140 Stunden im Monat runter. Das geht aber nicht, ich bin in meiner Familie die Hauptverdienerin. Als ich mit ver.di drohte, haben sie das ganz schnell aufgegeben. Ich musste aber meinen ganzen Urlaub nehmen.

Dann wurde ich in einem Pflegeheim eingesetzt. Nach zwei Tagen erfuhr ich zehn Minuten vor Feierabend, dass einige Patienten mit dem Coronavirus infiziert waren. Die Firma wusste das von Anfang an, denn wir waren als Ersatz für Pflegekräfte angefordert worden, die deswegen in Quarantäne gehen mussten. Trotzdem hat man mir nichts gesagt. Ich habe die ganze Zeit ohne Schutzkleidung nah an den pflegebedürftigen Menschen gearbeitet. Das war ein Schock. Denn ich gehöre aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe. Und ich hatte Angst, meinen Sohn oder meinen Mann anzustecken, der ebenfalls in der Pflege arbeitet.

Doch was war die Reaktion der Firma? Ich müsse selbst entscheiden, ob ich mich testen lasse und in Quarantäne gehe. Aber bitte auf eigene Kosten: Bezahlt werden sollte ich in dieser Zeit nicht. Das war am Freitag, am Montag hätte ich auf der Intensivstation eines Krankenhauses anfangen sollen. Dass das die Patienten und Beschäftigten dort gefährdet hätte, war der Leiharbeitsfirma offenbar egal. Ich habe dann beim Gesundheitsamt angerufen und die haben mir klar gesagt, ich solle unbedingt in Quarantäne und mich testen lassen. Das habe ich gemacht und bin zum Arzt gegangen, der mir eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellte. Mein Arbeitgeber schimpfte, ich könne mich doch nicht an einem Samstag krankmelden. Als ob das meine Schuld gewesen wäre! In dem Moment stand für mich fest: Ich gehe.

Zum Glück war der Test negativ. Jetzt arbeite ich fest in einem kommunalen Krankenhaus. Ich bekomme deutlich mehr Geld, ein Tarifentgelt mit 13. Monatsgehalt und mehr Urlaub. Ich kann montags bis freitags durchgehend in der Frühschicht arbeiten und ein Wochenende mit Spät- und Nachtschicht, so dass ich mich gut um meinen Sohn kümmern kann. Die Kliniken haben offenbar dazu gelernt, dass sie den Leuten Arbeitszeiten bieten müssen, die zu ihrem Leben passen. Das ist echt gut. Auch sonst sind die Bedingungen besser. Ich habe direkt eine interne Fortbildung gemacht, das gab es in den sieben Jahren bei der Leiharbeitsfirma kein einziges Mal. Wir mussten immer bloß irgendwelche Formulare unterschreiben, aber Schulungen haben wir nie bekommen.

Die Arbeit in der Leiharbeit war immer interessant und abwechslungsreich, weil man ganz unterschiedliche Bereiche kennengelernt hat. Das ist aber auch sehr anstrengend. Und mir hat der Teamzusammenhalt gefehlt. Jetzt habe ich wieder Kollegen, auf die ich mich verlassen kann, das ist ein schönes Gefühl. Ich bin froh, dass ich endlich aufgewacht bin. Mit Unterstützung meines Mannes und meiner Freundin, die jetzt meine stellvertretende Stationsleiterin ist, habe ich den Absprung aus der Leiharbeit geschafft. Für mich steht fest: nie wieder!

Erika S., Berlin

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