Gesundheitspolitik

PPR 2.0 soll kommen

PPR 2.0 soll kommen

Neue Bundesregierung will bedarfsgerechte Personalbemessung in der Krankenhauspflege kurzfristig verbindlich einführen. Das ist unser Erfolg. Und klar: Wir bleiben dran!
SANA Kreiskrankenhaus Freiberg ver.di SANA Kreiskrankenhaus Freiberg


Unser Einsatz lohnt sich


Eine gute Nachricht: SPD, Grüne und FDP haben sich in ihrem Koalitionsvertrag darauf geeinigt, kurzfristig »zur verbindlichen Personalbemessung im Krankenhaus die Pflegepersonalregelung 2.0 (PPR 2.0) als Übergangsinstrument« einzuführen. Anders als der noch geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) scheinen die neuen Koalitionspartner verstanden zu haben, dass die Hütte brennt und es zügig verbindliche bedarfsorientierte Personalvorgaben braucht.

Das ist der Erfolg der zahlreichen betrieblichen Aktionen und Kämpfe in den Krankenhäusern. Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft ver.di haben nicht lockergelassen und immer wieder Entlastung eingefordert – gegenüber den politischen Entscheidungsträger*innen, mit den Mitteln der Tarifpolitik und auf betrieblicher Ebene. Mit unserer Ausdauer und Stärke sind wir einen großen Schritt weiter gekommen.

Meilenstein für bessere Arbeitsbedingungen

Anders als die von Spahn eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen richtet sich die von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Deutschen Pflegerat und ver.di gemeinsam entwickelte PPR 2.0 nach dem tatsächlichen Versorgungsbedarf. Es wird auch nicht zwischen »pflegesensitiven« und anderen Bereichen unterschieden, die das angeblich nicht sind. Die Einführung der PPR 2.0 ist ein Meilenstein hin zu besseren Arbeitsbedingungen und einer guten Versorgungsqualität im Krankenhaus.

Wichtig ist: Das entsprechende Gesetz muss nun rasch beschlossen werden. Wir nehmen die neue Koalition hier beim Wort. Die Pflegepersonen brauchen jetzt das Signal, dass die Probleme endlich angepackt werden. Das kann dazu beitragen, dass nicht noch mehr Pflegekräfte ihren Beruf verlassen und andere wiederkommen. Klar ist auch: Die Personalvorgaben müssen verbindlich sein. Auch wenn die PPR 2.0 stufenweise eingeführt werden sollte, müssen Verstöße für die Einrichtungen Konsequenzen haben.

Statement

Sebastian Tensing Thomas Lohnes Sebastian Tensing

»Wir haben bereits an 18 Großkrankenhäusern Tarifverträge für mehr Personal und Entlastung durchgesetzt. Das bringt für die Beschäftigten ganz konkrete Verbesserungen – zum Beispiel zusätzliche Freizeit bei Arbeit in unterbesetzten Schichten. Die zum Teil sehr langwierigen Tarifkämpfe, wie zuletzt bei Vivantes und Charité in Berlin, haben zudem dazu beigetragen, den Druck auf die Regierenden zu erhöhen. Das schlägt sich nun auch im Koalitionsvertrag nieder. An der Universitätsmedizin Mainz werden die tariflichen Sollbesetzungen und die PPR 2.0 parallel angewendet. Auf Grundlage dieser Erfahrungen wollen wir die beste Lösung für die Beschäftigten und die Versorgungsqualität suchen.«

Sebastian Tensing ist Anästhesie-Pfleger und Personalratsmitglied an der Universitätsmedizin Mainz.

Statement

Nicole Hartmann privat Nicole Hartmann

»Die Kolleg*innen wünschen sich schnelle Entlastung. Doch auch die PPR 2.0 wird nicht dafür sorgen, dass sofort alle Stellen besetzt werden können. Als Teil eines Gesamtpakets kann sie aber der Startschuss dafür sein, dass ehemalige Pflegekräfte in den Beruf zurückkehren. Wir haben Kontakt zu einigen, die das gerne tun würden – wenn die Bedingungen stimmen. Neben angemessener Bezahlung, Dienstplansicherheit und familienfreundlichen Arbeitszeiten brauchen sie eine gute Einarbeitung. Da muss jetzt richtig was passieren.«

Nicole Hartmann, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung im Agaplesion Elisabethenstift in Darmstadt


Genug Personal – fachlich qualifiziert

ver.di wird den anstehenden Gesetzgebungsprozess konstruktiv und kritisch begleiten. Bis die Entlastung tatsächlich auf den Stationen angekommen ist, geben wir keine Ruhe. Und wir streiten weiter für verbindliche Personalvorgaben in allen Bereichen und für alle Beschäftigtengruppen im Krankenhaus.

Für eine gute Versorgung braucht es nicht nur genug Personal, dieses muss auch gut qualifiziert sein. Internationale Studien zeigen, dass hohe Fachlichkeit entscheidend ist. Um die benötigten Fachkräfte zu gewinnen, müssen die Ausbildungsbedingungen verbessert und mehr Möglichkeiten der Weiterqualifizierung für Hilfskräfte geschaffen werden. Zudem gilt es, aus dem Beruf ausgestiegene Pflegepersonen zurückzugewinnen und die Bedingungen so zu gestalten, dass Teilzeitkräfte ihre Arbeitszeiten aufstocken. Schließlich ist eine individuelle Arbeitszeitverkürzung immer auch mit weniger Entgelt verbunden. 

Wir bleiben dran

Die PPR 2.0 ist ein kurzfristig einsetzbares Übergangsinstrument bis zur Entwicklung einer wissenschaftlich fundierten Personalbemessung. Auch an deren Erarbeitung wird sich ver.di aktiv beteiligen. Wichtig ist, dass die zu entwickelnde Personalbemessung an die PPR-Systematik anschlussfähig ist. So können schrittweise Bedingungen geschaffen werden, die es Pflegepersonen erlauben, die eigenen Ansprüche an ihre Arbeit zu erfüllen und dabei nicht ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen.

Bis das der Fall ist, bleiben wir dran. Auf politischer, tarifpolitischer und betrieblicher Ebene machen wir weiter Druck. Wir haben schon viel bewegt. Doch noch sind wir nicht am Ziel.

Unser Einsatz ist weiter gefragt – mach mit!

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Kontakt

  • Grit Genster

    Be­reichs­lei­te­rin Ge­sund­heits­po­li­ti­k. The­menschwer­punk­te: Ge­sund­heits­-, Kran­ken­haus- und Pfle­ge­po­li­tik

    030/6956-1810