Klinikpersonal entlasten

Klinikstreiks in NRW erneut angelaufen

Klinikpersonal entlasten

Klinikstreiks in NRW erneut angelaufen

Trotz Sommerhitze ist das Streikzelt an der Uniklinik Düsseldorf gut gefüllt ver.di Trotz Sommerhitze ist das Streikzelt an der Uniklinik Düsseldorf gut gefüllt

Auch nach zweiwöchiger Unterbrechung ist die Streikbereitschaft an den Unikliniken Düsseldorf und Essen sehr groß. Am Montag (30. Juni 2018) legten in Düsseldorf mehr als 400 Beschäftigte die Arbeit nieder. Der Streik für mehr Personal und Entlastung soll dort unbefristet fortgesetzt werden, bis der Arbeitgeber ein substanziell verbessertes Angebot vorlegt. In Essen beteiligten sich rund 300 Beschäftigte am Warnstreik, der die ganze Woche andauern soll. Zugleich werden die ver.di-Mitglieder auch hier über einen Erzwingungsstreik abstimmen.

»Wir stellen uns auf einen längeren Konflikt ein, deshalb beginnen wir am Dienstag mit der Urabstimmung«, erläuterte Alexandra Willer von der ver.di-Streikleitung in Essen. »Ich gehe von einer hohen Beteiligung und Zustimmung zum Erzwingungsstreik aus«, so die Krankenpflegerin. Das Ergebnis der Abstimmung soll am Freitag vorliegen. In der vergangenen Woche hatten sich die Aktivist/innen einstimmig für die Wiederaufnahme des Warnstreiks ausgesprochen, der wegen der Verhandlungen zwei Wochen unterbrochen worden war. Doch auch in vier Verhandlungsrunden hatten die Arbeitgeber kein Angebot gemacht, das die dramatische Überlastung kurzfristig und wirksam begrenzen würde.

»Das war eine Farce«, kritisierte Willer. »Das Wenige, was die Arbeitgeber gesagt haben, war Lichtjahre von dem entfernt, was die Beschäftigten erwarten.« ver.di fordert für beide Unikliniken als Sofortmaßnahme jeweils 200 zusätzliche Pflegekräfte sowie Verbesserungen in anderen Bereichen. »Bei uns wären das gut zwei Stellen mehr pro Station. Aus Sicht der Kolleginnen und Kollegen wäre das ein Einstieg in die Entlastung – nicht mehr«, erläuterte die Gewerkschafterin. Mit vagen Versprechungen für die Zukunft werde man sich nicht abspeisen lassen. »Wir wollen eine sofortige Entlastung, nicht vielleicht irgendwann in ein paar Jahren.«

Beschäftigte der Uniklinik Essen zeigen ihren Protest gegen die harte Haltung des Arbeitgebers ver.di Beschäftigte der Uniklinik Essen zeigen ihren Protest gegen die harte Haltung des Arbeitgebers

Auch in Düsseldorf seien die Kolleginnen und Kollegen empört darüber, dass die Arbeitgeber weiterhin auf Zeit spielten und keine wirksame Entlastung zugestehen wollten, berichtete Jan von Hagen, der bei ver.di-NRW für Krankenhäuser zuständig ist. »Die Beschäftigten erwarten Regelungen, die spürbar, verbindlich und direkt Entlastung bringen. Davon kann bei den Vorschlägen der Arbeitgeber keine Rede sein.«

In der Öffentlich argumentieren die Klinikmanager damit, dass der in Baden-Württemberg geschlossene Entlastungs-Tarifvertrag – der eine sehr kurze Mindestlaufzeit hat – einen geringeren Stellenaufwuchs vorsehe als von ver.di in NRW gefordert. Von Hagen hält dagegen, dass die Ausgangssituation in Nordrhein-Westfalen noch deutlich schlechter ist als in Baden-Württemberg. »Wenn die Personalausstattung so weit reduziert ist wie hier aktuell, braucht es natürlich eine andere Anpassung der Personalsituation. Jeder, der den Alltag in den hiesigen Unikliniken kennt, weiß: Die Forderung nach 200 zusätzlichen Pflegekräften ist alles andere als überzogen.«

Neben kurzfristigen Maßnahmen will ver.di dauerhaft verbindliche Mindestbesetzungen durchsetzen, bei deren Unterschreitung automatische Konsequenzen gezogen werden. ver.di schlägt dafür Quoten vor, wie sie auch von den Fachgesellschaften empfohlen werden. So soll eine Pflegefachkraft auf Intensivstationen für maximal zwei Patient/innen zuständig sein. Auf Normalstationen soll die Quote tagsüber höchstens 1 zu 6, in der Nacht 1 zu 16 betragen. Zudem soll keine Pflegekraft mehr nachts allein eine ganze Station betreuen müssen. Werden die Personalvorgaben nicht eingehalten, müssen die Kliniken kurzfristig zusätzliches Personal beschaffen oder beispielsweise durch Bettensperrungen die Belastung reduzieren. Die Arbeitgeber wollen über eventuelle Entlastungsmaßnahmen hingegen einseitig entscheiden. Zudem soll es diese erst geben, wenn die aktuellen Schichtbesetzungen unterschritten werden. »Damit würden die jetzigen miserablen Zustände zementiert. Das macht die Beschäftigten zu Recht wütend«, so von Hagen.

Wenn die Arbeitgeber ein neues Angebot vorlegen, was real zu Entlastung führt, sei ver.di jederzeit zu weiteren Verhandlungen bereit, betonte der Gewerkschafter. Andernfalls werde der Streik unbefristet fortgesetzt. »Die Beschäftigten beider Unikliniken haben einen langen Atem, aber sie haben keine Geduld mehr. Sie brauchen kurzfristige und wirksame Entlastung. Deshalb streiken sie weiter – für sich und für ihre Patienten.«

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Kontakt

  • Wolfgang Cremer

    Lan­des­fach­be­reichs­lei­ter Nord­rhein-West­fa­len

    0211 / 618 24-290

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