Klinikpersonal entlasten

Uniklinik Essen: fast alle für Streik

Klinikpersonal entlasten

Uniklinik Essen: fast alle für Streik

Die Beschäftigten der Essener Uniklinik diskutieren und entscheiden gemeinsam über das weitere Vorgehen Dave Kittel Die Beschäftigten der Essener Uniklinik diskutieren und entscheiden gemeinsam über das weitere Vorgehen.

 
Heiße Zeiten in Düsseldorf und Essen: An beiden Unikliniken wird der Streik für mehr Personal und Entlastung trotz der Urlaubszeit unvermindert fortgesetzt. Insgesamt zehn Stationen wurden wegen des Ausstands geschlossen, rund 450 Betten konnten nicht belegt werden. Im Anschluss an ihren Warnstreik in dieser Woche werden auch die Beschäftigten in Essen ab Montag (6. August 2018) in einen unbefristeten Streik treten. Das haben die ver.di-Mitglieder in einer Urabstimmung beschlossen: Fast alle von ihnen – 96,9 Prozent – haben sich bei einer hohen Beteiligung für einen Erzwingungsstreik ausgesprochen.

»Das ist ein weiteres klares Signal an die Arbeitgeber: Sie sollten zur Vernunft kommen und endlich für Entlastung sorgen«, erklärte Jan von Hagen, der bei ver.di NRW für Krankenhäuser zuständig ist. »Die Kolleginnen und Kollegen haben einen langen Atem, aber keine Geduld mehr. Sie werden den Streik so lange aufrechterhalten, bis bessere Arbeitsbedingungen vereinbart werden.«

Das betonte auch Martin Körbel-Landwehr von der Streikleitung im Düsseldorfer Uniklinikum. »Trotz der Ferienzeit nimmt die Streikbeteiligung nicht ab«, sagte der Personalrat und gelernte Krankenpfleger. Es kommen immer wieder neue Abteilungen hinzu, während sich andere Kolleg/innen in den Urlaub verabschieden. Zuletzt haben sich auch viele Pflegekräfte aus der Dialyse dem Ausstand angeschlossen. Außerdem sind OPs, Anästhesie, Krankentransport, Küche, Ambulanzen und Normalstationen vom Ausstand betroffen. In Düsseldorf fallen fast zwei Drittel der geplanten Operationen wegen des Streiks aus, rund 250 Betten können nicht belegt werden. Drei Stationen sind komplett geschlossen, eine vierte kommt am Montag voraussichtlich hinzu. An der Uniklinik Essen sind die Auswirkungen nicht weniger gravierend. Hier sind derzeit sieben Stationen geschlossen, über 200 Betten werden auf Grundlage der Notdienstvereinbarung zwischen Vorstand und ver.di nicht belegt.

Alexandra Willer von der ver.di-Streikleitung bezieht Position Dave Kittel Alexandra Willer von der ver.di-Streikleitung bezieht Position.

»Die Beschäftigten erwarten, dass sich der Vorstand jetzt bewegt«, so Körbel-Landwehr. »Es muss mehr Personal her – nicht nur in der Pflege, sondern in allen Bereichen. Und die Kolleginnen und Kollegen der Servicegesellschaften brauchen endlich einen Tarifvertrag.« Die Unterstützung und Solidarität für die Streikenden seien ungebrochen. Insgesamt 8.500 Menschen haben sich in Düsseldorf und Essen per Unterschrift solidarisch erklärt und die Klinikvorstände und politisch Verantwortlichen zum Handeln aufgefordert. Nach Düsseldorf hat sich nun auch in Essen ein »Bündnis für mehr Personal im Krankenhaus« gegründet, das den Arbeitskampf unterstützt.

»Wir führen viele Gespräche mit Patienten und Angehörigen, wenn wir jeden Morgen das aktuelle Streikinfo verteilen«, berichtete Körbel-Landwehr. »Und auch von ihnen bekommen wir größtenteils positive Reaktionen.« Viele Solidaritätsbotschaften kämen weiterhin von Beschäftigten aus Kliniken und von Gewerkschaftsgruppen im ganzen Land. »Das ist ganz wichtig und stärkt den Streikenden den Rücken«, betonte er. »Sie machen klar: Ganz viele Menschen teilen unser Anliegen, genug Personal für gute Arbeitsbedingungen und eine gute Patientenversorgung in die Krankenhäuser zu bringen.«

Jan von Hagen erklärte: »Die Arbeitgeber haben es jederzeit in der Hand, den Arbeitskampf zu beenden, indem sie mit einem substanziellen Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehren.« Der ver.di-Sekretär verwies auf den Beschluss der Bundesregierung, jede zusätzliche Pflegestelle voll zu refinanzieren. »Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, warum sich die Klinikvorstände weiter so vehement gegen Verbesserungen sperren. Diese sind dringend nötig, um eine gute Versorgung zu sichern und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen.«

Solidaritätsbotschaften an: jan.vonhagen@verdi.de

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Kontakt

  • Wolfgang Cremer

    Lan­des­fach­be­reichs­lei­ter Nord­rhein-West­fa­len

    0211 / 618 24-290

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