Klinikpersonal entlasten

Weitere Streiks und Aktionen in Kliniken

Klinikpersonal entlasten

Weitere Streiks und Aktionen in Kliniken

Diese Woche streiken erneut Krankenhausbeschäftigte für einen Tarifvertrag Entlastung: am Dienstag und Mittwoch an der Uniklinik Düsseldorf, am Mittwoch im katholischen Marienhaus Ottweiler und am Mittwoch und Donnerstag im privaten HELIOS Amper-Klinikum Dachau. "Anders als an vielen anderen Kliniken, sind die Arbeitgeber hier nicht gesprächsbereit. Sie missachten ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern", sagte das für das Gesundheitswesen zuständige Bundesvorstandsmitglied der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Sylvia Bühler. Der Arbeitsschutz gelte auch im Gesundheitswesen. Die Klinikleitungen seien verpflichtet, dafür zu sorgen, dass niemand bei der Arbeit gesundheitlichen Schaden nehme. Wenn der Marienhaus-Chef; Dr. Heinz-Jürgen Scheid; Missstände in seinem Krankenhaus damit verteidige, dass die Arbeitsbedingungen bei ihm nicht schlechter seien als bei kommunalen oder auch privaten Trägern, unterstreiche das nur den Handlungsdruck bei allen Trägern, so Bühler. "Auch Pflegekräfte in kirchlichen Einrichtungen müssen sich gegen belastende Arbeitsbedingungen zur Wehr setzen können", so Bühler.

Besorgt zeigte sich Bühler über die Entwicklungen an der Uniklinik in Düsseldorf. Dort verweigere die Klinikleitung sogar den Abschluss einer Notdienstvereinbarung. "Statt auf Verständigung und Lösungen für die Personalnot setzt der Vorstand auf Eskalation," kritisierte Bühler. "Das kann keiner nachvollziehen."
 
Getrennt von den Tarifkonflikten setzen Klinikbeschäftigte in dieser Woche bundesweit auch ihre Aktionen "Grenzen setzen" fort. Sie nehmen nicht mehr hin, dass sie regelmäßig aus ihrem Dienstplanfrei gerufen werden, keine Pausen nehmen können und einen Berg von Überstunden vor sich herschieben. Politik und Arbeitgeber wüssten ganz genau, dass der Krankenhausbetrieb nur noch einigermaßen laufe, weil die Beschäftigten alles aus sich herausholten. Mit einem "Soll-ist-voll-Rechner" machen Teams öffentlich, dass die Arbeitszeit des vorhandenen Personals bei bedarfsgerechter Schichtbesetzung nicht bis zum Ende des Monats reicht.

"Vor der Wahl haben alle Parteien versprochen, etwas für die Pflege zu tun", erinnerte Bühler. "Die Beschäftigten erwarten, dass in den Koalitionsvertrag gesetzliche Regelungen zur Personalausstattung aufgenommen werden. Diese müssen gute Versorgung in allen Bereichen gewährleisten und können sich nicht nur auf sogenannte pflegesensitive Bereiche beschränken. Pflege sei immer sensitiv. "Um die größte Not zu lindern, braucht es ein Sofortprogramm. Keine Pflegekraft soll mehr in einer Schicht alleine arbeiten müssen. Auch für die Auszubildenden braucht es mehr Zeit zur Anleitung. Das macht einen Stellenzuwachs von mindestens 20.000 Pflegefachkräften aus," so Bühler. Sie forderte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf, ihre Abwehrhaltung gegen gesetzlich vorgeschriebene Personalausstattung aufzugeben. "Ich habe nicht den Eindruck, dass die DKG bei diesem entscheidenden Thema die Interessen aller Krankenhäuser vertritt," so Bühler.

Bundesweit fehlen nach einer ver.di-Erhebung 162.000 Stellen in Krankenhäusern, allein 70.000 Stellen für Pflegefachkräfte.

Für Rückfragen: Gisela Neunhöffer, gisela.neunhoeffer@verdi.de, Tel. 030/6956-1842

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