Klinikpersonal entlasten

Das Soll ist voll

Klinikpersonal entlasten

Das Soll ist voll

Personal in Krankenhäusern reicht nicht für eine gute Versorgung
Menschen auf Podium der Landespressekonferenz und Journalisten im Publikum ver.di Pressekonferenz am 18.6.2018: Vorstellung der Ergebnisse des Belastungschecks

„Das Personal reicht in diesem Monat bis zum 23., das ist schon beängstigend.“

Unfallchirurgie, Pflege

Krankenhäuser müssten in Deutschland bereits am 25. Juni schließen, wenn sie die Patientenversorgung durch eine angemessene Schichtbesetzung gewährleisten wollten. Dies geht aus einer Erhebung hervor, die die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) bundesweit unter Teams in Krankenhäusern durchgeführt hat. Nach Berechnungen der Expertinnen und Experten – der Pflegekräfte selbst – müssten mindestens 22 Prozent mehr Stellen für eine gute Versorgung geschaffen werden.

„wird seit langem nur mit Mindestbesetzung von 4+1 (ITS + Ambulanz) gefahren, bei Krankheit bricht das Konstrukt regelmäßig zusammen.“

Innere Medizin allgemein, Pflege

An dem ver.di-Belastungscheck hatten sich bis Ende Mai bundesweit rund 600 Stationen beteiligt, die insgesamt rund 13.000 Pflegefachkräfte repräsentieren. Die Teams haben eine Schichtbesetzung geschrieben mit der Besetzung, die sie für notwendig erachten, um Patienten gut versorgen zu können, und diese mit dem vorhandenen Personal abgeglichen. Je nach Länge des Monats und der Anzahl der Wochenend- und Feiertage variiert der „Soll-ist-voll“-Tag – also der Tag, ab dem das Personal „aufgebraucht“ ist. Im vergangenen Monat war das deutschlandweit im Mittel (Median) der 24. Mai.

„Der Belastungscheck belegt einmal mehr, dass die Personaldecke erschreckend kurz ist. Die Beschäftigten sind schon alle, wenn der Monat noch gar nicht rum ist“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler. „Das System funktioniert nur, weil die Beschäftigten über ihre Belastungsgrenze gehen und mit hohem persönlichem Einsatz versuchen, den Personalmangel auszugleichen. Sie werden regelrecht verschlissen.“

 
Stimmen von Teams zum Belastungscheck

„Uns fehlt eine volle Stelle. Unser Gefühl stimmt also. Außerdem haben wir zwei Langzeitkranke, die nicht ersetzt wurden seit Dezember bzw. Januar. KATASTROPHE für uns da wir fast immer alleine im Dienst arbeiten trotz vieler Zugänge in ungewohnter Höhe.“ Psychosomatik Jugendliche u. junge Erwachsene, Pflege

„Zurzeit oft nur eine Besetzung von zwei Vollkräften im Frühdienst, mit vielen OPs und Überwachungen einfach nicht zu schaffen, dazu oft eingeschobene Patienten, manchmal eine Pflegekraft für 18 Patienten im Frühdienst.“ Kardiologie, Krankenpflege

Am Ende des Personals ist noch viel Monat übrig. Soll-ist-voll-Aktion in Heilbronn Arne Gailing Am Ende des Personals ist noch viel Monat übrig. Soll-ist-voll-Aktion in Crailsheim

Wir haben aktuell 12,5 besetzte Stellen (Pflege). Und wir arbeiten bereits jetzt bei Krankheitsausfällen unterbesetzt und können oft keine Pause machen. Nachtschicht arbeiten wir alleine - obwohl es immer wieder gefährliche Situationen gibt. Ab 1.06.2018 sollen in unserem Bereich noch 1,35 Stellen gekürzt werden! Wir haben seit Sept.2017 einen neuen Vorstand der unser Klinikum "optimieren" will - Das ist das Ergebnis!“ Psychiatrie/Sucht, Pflege

„Derzeit fehlen 2,6 Vollkräfte, die werden über Krankenpflege-Schüler und FSJ-Praktikanten kompensiert. Das Wünschenswerte würde nochmal 3,9 VK erfordern.“ Innere Medizin allgemein, Krankenpflege

„Das ist die gewünschte absolute Untergrenze. Wir arbeiten schon oft mit weniger, weshalb die Notaufnahme immer wieder für den Rettungsdienst abgemeldet werden muss. Viele Mitarbeiter sind krank oder lassen sich versetzten, weil es einen einfach auffrisst.“ Zentrale Notaufnahme, Pflege

„die älteren kolleg*innen flüchten in die teilzeit, die jüngeren verlassen nach wenigen jahren die intensivstation bzw. das krankenhaus, weil die kolleg*innen die krankmachenden arbeitsbedingungen nicht mehr aushalten. neu einzuarbeitende und kranke kolleg*innen sind in der anzahl von 27 mitgezählt. weitere kolleg*innen arbeiten in teilzeit. wir hoffen nur, dass solch eine aktion eine positive seite hat und wir eines tages spürbare verbesserungen der arbeitsbedingungen auf station erfahren.“ Funktionsbereich, Krankenschwester

„Laut Rechner fehlen 3,6 Stellen die Pflegedienstleitung will sich bemühen noch 3 Stellen durchzusetzen jedoch nicht Pflegekräfte, sondern Hilfskräfte. Die auch gute Arbeit leisten, jedoch eine Fachkraft nicht ersetzen können.“ Dialyse, Krankenpflege

„Dieses ist eine sehr gute Aktion, da endlich einmal die Basis gefragt wird, wie viele Fachkräfte auf den einzelnen Stationen arbeiten müssten um gute Pflege mit gutem Gewissen zu leisten ist.“ Psychiatrie und Psychotherapie, Krankenpflege

„Benötigte VKZahl: 10,1, fehlende Stellen: 1,1. häufiges Einspringen (holen aus dem frei) notwendig um überhaupt Stationsbetrieb aufrecht erhalten zu können“ Psychiatrie und Psychotherapie, Pflegedienst

„Die Erhebung ist echt Klasse, so kann man sehen woher die Belastung kommt. Die Situation auf der Station wird transparenter.“ Maßregelvollzug, Pflege

„Danke für die Aktion, die Zahlen machen deutlich, wie es in der Realität aussieht.“ Psychotherapeutische Medizin/Psychosomatik. Pflegekraft

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