Klinikpersonal entlasten

Letzte Warnung in Jena

Tarifvertrag Entlastung

Letzte Warnung in Jena

Beschäftigte der Thüringer Uniklinik machen mit ganztägigem Warnstreik klar: Es gibt diese Woche ein Tarifergebnis zur Entlastung oder größere Streiks noch vor der Landtagswahl.
Menschen mit Transparenten ver.di Streik an der Uniklinik Jena am 14. Oktober 2019

»Wir haben viel zu lange zugesehen, wie die Arbeitsbedingungen in der Pflege, wie die Ausbildung und die Patientenversorgung immer schlechter wurden «, sagt Ellen Ost, die seit 32 Jahren als Fachkrankenschwester in der Nephrologie am Uniklinikum Jena arbeitet. Ihr und ihren Kolleginnen und Kollegen reicht es jetzt – sie wehren sich. Seit knapp einem Monat verhandelt ver.di an dem Thüringer Universitätsklinikum über einen Tarifvertrag zur Entlastung. »Mit zunehmender Dauer hatte ich das Gefühl, dass die Klinikleitung nur versucht, Zeit zu schinden«, berichtet Ellen Ost, die als Delegierte ihres Teams bei allen drei Verhandlungsrunden dabei war. Nachdem das Management am vergangenen Donnerstag auch nach 18 Verhandlungsstunden substanzielle Zugeständnisse verweigerte, beschlossen die ver.di-Tarifkommission und die 129 anwesenden Teamdelegierten einstimmig, am Montag in den Warnstreik zu treten.

»Heute haben über 350 Streikende klar gemacht: Wenn bei den für Donnerstag und Freitag angesetzten Verhandlungen nichts herauskommt, dann gibt es noch vor der Landtagswahl richtig Krach«, betont der ver.di-Sekretär Philipp Motzke am Montagmittag (14. Oktober 2019). Für diesen Fall haben etliche Pflegekräfte des landeseigenen Krankenhauses ihre Bereitschaft bekundet, die untragbaren Zustände auf den Stationen in Öffentlichkeit und Medien darzustellen. Das könnte sich durchaus auf den Ausgang der Landtagswahl am 27. Oktober auswirken. Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) sowie Vertreter*innen der gemeinsam mit der Linkspartei regierenden Fraktionen von SPD und Grünen wollten am Montagnachmittag mit den Streikenden sprechen. Journalist*innen sollten von dem Gespräch dieses Mal noch ausgeschlossen werden.

»Wir machen von unten Druck, damit die Politik endlich Einsicht hat und für bessere Bedingungen sorgt«, erklärt die Krankenpflegerin Ellen Ost. Bereits am Freitag hatte eine Delegation aus der Uniklinik dem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) eine Foto-Petition übergeben, mit der eine überwältigende Mehrheit der rund 1.800 Pflegekräfte einen Entlastungs-Tarifvertrag einfordert. »Der Ministerpräsident hat betont, dass er es gut findet, dass wir auf die Straße gehen«, berichtet Ellen Ost. Doch sie und ihre Kolleg*innen wollen nicht mehr nur ermutigende und wertschätzende Worte hören – sie wollen Taten sehen.

Menschen hinter Transparent mit vielen Portraits ver.di Delegation aus der Uniklinik Jena übergibt dem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) eine Foto-Petition

»Der Warnstreik ist ein ganz klares Zeichen an den Vorstand, dass wir ein positives Ergebnis noch in dieser Woche erwarten«, sagt Ellen Ost. Andernfalls könnte eine Urabstimmung über einen unbefristeten Arbeitskampf eingeleitet werden. Anders als beim Warnstreik würden dann sicher auch Betten und ganze Stationen geschlossen. In ihrem Team sei bereits verabredet, dass sich die gesamte nephrologische Station in diesem Fall zur Schließung anmelden werde, berichtet die 51-Jährige.

Als Teamdelegierte die Verhandlungen zu begleiten, ist für sie »eine tolle Erfahrung«. An der letzten Verhandlungsrunde waren insgesamt 129 Delegierte der Teams stundenlang im Nebenraum präsent und wurden von der Verhandlungs- und Tarifkommission in allen entscheidenden Fragen einbezogen. »Das ist unglaublich demokratisch«, findet die Fachkrankenpflegerin, die erst bei den Warnstreiks zur Länder-Tarifrunde im Februar dieses Jahres ver.di-Mitglied wurde. Aus ihrer Sicht wäre ein Entlastungsvertrag »nur der Anfang«. Darüber hinaus müsse sich Grundsätzliches ändern. »Statt um betriebswirtschaftliche Zahlen muss es in den Krankenhäusern wieder in erster Linie um die Menschen gehen. Dafür streiten wir.«

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