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»Das macht den Beruf unattraktiv«

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»Das macht den Beruf unattraktiv«

ver.di fordert eine dreijährige Ausbildung für Pharmazeutisch-Technische Assistent*innen – mit durchgehender Vergütung. Zudem muss das Schulgeld überall abgeschafft werden.
Portrait junger Mann privat Martin Seipt

Interview mit Martin Seipt, Pharmazeutisch-Technischer Assistent (PTA) in einer großen Dresdner Krankenhausapotheke. Er ist bei ver.di aktiv und hat die Online-Petition »PTA: Attraktive dreijährige Ausbildung und berufliche Weiterentwicklung« gestartet, die in kurzer Zeit 2.460 Menschen unterzeichnet haben.

Die Ausbildung zum/zur Pharmazeutisch-Technischen Assistent*in (PTA) soll reformiert werden. Fangen wir mit dem Positiven an: Was ist an den Plänen der Bundesregierung begrüßenswert?

Erstmal ist es gut, dass die Regierung das Thema jetzt anpacken will. Das Berufsgesetz stammt aus dem Jahr 1968 und wurde seither erst ein Mal, 1997, leicht angepasst. Dabei haben sich die Verhältnisse in dieser Zeit stark verändert. Ursprünglich war PTA ein reiner Assistenzberuf fürs Labor und die Arzneimittelherstellung. Insbesondere in den vergangenen zehn Jahren hat sich das Aufgabenspektrum deutlich gewandelt und erweitert. In den meisten Fällen sind es heute PTA, die Patient*innen und Kund*innen in den öffentlichen Apotheken beraten. Es hat sich also viel verändert. Höchste Zeit, das Gesetz zu reformieren.

ver.di fordert, die Dauer der PTA-Ausbildung auf drei statt auf zweieinhalb Jahre festzulegen. Was spricht aus deiner Sicht dafür?

PTA ist einer der letzten unter den Gesundheitsfachberufen, der eine solch kurze Ausbildungsdauer hat. Keiner versteht, warum das bei einem Beruf so ist, der für die sichere Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln eine so wichtige Rolle spielt. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die nötigen Inhalte in einer zweieinhalbjährigen Ausbildung kaum zu vermitteln sind. Bei mir war es zum Beispiel so, dass für den Komplex Hals-Nasen-Ohren schlicht keine Zeit mehr war. Das musste ich mir nach der Ausbildung selbst aneignen.

Wie sollte das Verhältnis von Theorie und Praxis ausgestaltet sein?

Theorie und Praxis sollten verzahnt sein – wie im dualen System der Berufsausbildung. Zurzeit sind beide Bereiche getrennt: Erst zwei Jahre Theorie, dann ein halbes Jahr Praxis. Die Ausbildungsvergütung wird nur für dieses letzte halbe Jahr gezahlt – und das auch nur in tarifgebundenen Betrieben. Wenn PTA-Auszubildende schon im ersten Ausbildungsjahr in die Apotheken gehen würden, würde das die Bindung an den Betrieb erhöhen. Und es wäre klar, dass ab dem ersten Tag eine Ausbildungsvergütung gezahlt werden muss. Und das ist eine zentrale Forderung von ver.di.

Zum Teil wird an den PTA-Schulen sogar noch Schulgeld erhoben. Wie groß ist das Problem und was bedeutet das für den Beruf?

Von den knapp 100 PTA-Schulen sind über die Hälfte in sogenannter freier, also privater Trägerschaft. Die staatlichen Schulen sind in der Regel schulgeldfrei, während die privaten Schulgeld in unterschiedlicher Höhe verlangen. 2014 habe ich eine Erhebung gemacht, da waren es zwischen 40 und 400 Euro im Monat. Das macht den Beruf unattraktiv. Man erhält während der Ausbildung die meiste Zeit keine Vergütung und muss sogar noch Geld mitbringen. Im Gehalt, das man als ausgebildete PTA zu erwarten hat, schlägt sich das jedoch nicht nieder. Es ist dennoch ziemlich gering.

Ist nicht die Abschaffung des Schulgelds geplant?

Die Gesundheitsfachberufe sollen in einem Gesamtkonzept neu geordnet und gestärkt werden. So steht es zumindest im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll Ende 2019 Eckpunkte vorlegen. Ein wichtiges Thema in diesem Rahmen wird die Schulgeldfreiheit in den Gesundheitsfachberufen sein – ein längst überfälliger Schritt, der jetzt schon im PTA-Reformgesetz vollzogen werden sollte.

Wenn die Gesundheitsfachberufe ohnehin insgesamt neu geordnet werden sollen, warum gibt es dann vorab ein spezielles Gesetz zur Pharmazeutisch-Technischen Assistenz?

Das könnte unter anderem mit der Struktur des Bundesgesundheitsministeriums zu tun haben, in dem die PTA einem anderen Referat zugeordnet sind als die anderen Gesundheitsfachberufe. Das könnte man im Zuge einer Modernisierung der Verwaltungsstrukturen schnell ändern, die Minister Jens Spahn (CDU) angekündigt hat. Es wäre in der Tat sinnvoll, das zu bündeln und ein Gesamtkonzept zu entwickeln, statt jeden Ausbildungsberuf einzeln zu reformieren, wie es aktuell auch im Bereich der Anästhesie- und Operations-Technischen Assistenz geschieht. Ein solches Gesamtkonzept könnte die Gesundheitsfachberufe deutlich stärken.

Welche Chancen siehst du, den PTA-Gesetzentwurf noch grundlegend zu verbessern? Immerhin hat der Bundesrat eine Stellungnahme abgegeben, die viele der Kritikpunkte aufgreift.

Das Gesetz ist im Bundesrat zustimmungspflichtig. Ich hoffe, dass die Länderkammer konsequent bleibt und den vorliegenden Gesetzentwurf ablehnt. Der Bundesrat sollte auf seinen Positionen bestehen, und zwar nicht nur in Bezug auf die dreijährige Ausbildung, sondern auch auf die Verzahnung von Theorie und Praxis und die durchgehende Ausbildungsvergütung. Sonst besteht die Gefahr, dass an das bisherige Modell einfach ein weitere halbes Jahr Praxis drangehängt wird. Also erst zwei Jahre theoretische und dann ein Jahr praktische Ausbildung. Das würde nur dazu führen, dass die Apotheken ein ganzes Jahr billige Arbeitskräfte zur Verfügung hätten. Für die Auszubildenden hätte das keinen Mehrwert. Der Bundesrat hat auch in einem anderen Punkt recht: Er wendet sich dagegen, dass die Bundesapothekerkammer laut Gesetzentwurf die Inhalte der praktischen Ausbildung der PTA regeln soll. Dieser Passus muss gestrichen werden. Der Gesetzgeber selbst steht in der Verantwortung, Vorgaben für die praktische Ausbildung zu machen.

Was muss sich sonst noch ändern?

Besonders wichtig ist mir, dass sich PTA auch nach der Ausbildung im Beruf weiterentwickeln können. Der Bundesrat hat gefordert, Regelungen zur Weiterbildung festzulegen. Das wäre sehr sinnvoll, ist nach der derzeitigen Aufgabenverteilung allerdings die Aufgabe der Länder selbst. Nötig ist ein schlüssiges Gesamtkonzept, mit dem die Voraussetzungen geschaffen werden, dass PTA eigenverantwortlich bestimmte pharmazeutische Tätigkeiten durchführen können. Zudem muss es Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten geben, um die PTA-Ausbildung langfristig attraktiv zu machen.

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