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Reform der Hebammenausbildung

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Reform der Hebammenausbildung

Ein im März 2019 veröffentlichter Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums zielt auf die vollständige Akademisierung der Hebammenausbildung. Eine Stellungnahme.
 
Die veränderte EU-Berufsanerkennungsrichtlinie erfordert eine Neuregelung des Gesetzes über den Beruf der Hebamme und des Entbindungspflegers bis zum 18. Januar 2020. Die im Referentenentwurf ausgeführte Begründung, dass die Hebammenausbildung nur noch an Hochschulen stattfinden soll, kann nicht überzeugen. Gleichwohl begrüßt ver.di, dass die Einheit des Berufsbildes erhalten bleiben soll, indem die Ausbildung nicht auf unterschiedlichen Ausbildungsniveaus angesiedelt ist. Für ausdrücklich richtig halten wir die Entscheidung für ein duales Studium, das einen Anspruch der Studierenden auf eine angemessene Vergütung für die gesamte Dauer des Studiums vorsieht. Dies steigert die Attraktivität des Studiums für die Studierenden und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Ausdrücklich begrüßt ver.di die Vorgabe, dass zwischen der verantwortlichen Praxiseinrichtung und der studierenden Person ein schriftlicher Vertrag zur hochschulischen Ausbildung zu schließen ist. Klarzustellen ist, dass es sich hierbei um einen schriftlichen Ausbildungsvertrag handelt. Dies entspricht den vorgeschriebenen Mindestinhalten des Vertrags und sichert die Rechte der Studierenden als zur Ausbildung Beschäftigte, gewährleistet Arbeitnehmerrechte im ausbildenden Betrieb und sorgt für eine soziale Absicherung während des dualen Studiums.

ver.di steht für ein gebührenfreies Studium. An privaten Hochschulen können jedoch Gebühren für die Studierenden entstehen. ver.di erwartet von den verantwortlichen Praxiseinrichtungen, dass sie etwaige Gebühren in voller Höhe übernehmen. Eine entsprechende Vorgabe ist in den Pflichten der verantwortlichen Praxiseinrichtung zu verankern.

Für eine qualitativ hochwertige berufspraktische Ausbildung ist eine gute Praxisanleitung wesentlich. ver.di begrüßt, dass die Praxisanleitung nachhaltig gestärkt werden soll. Klarzustellen ist, dass es sich bei der einheitlichen Mindestvorgabe zum Umfang um eine geplante und strukturierte Praxisanleitung handelt, die auf der Grundlage des vereinbarten Praxisplans stattfindet. Hinzu kommt daher die situative Anleitung, die in alltäglichen Lernsituationen durch ständige Anwesenheit einer angemessenen Zahl qualifizierten Fachpersonals sicherzustellen ist.  Positiv ist auch die Vorgabe zur Praxisbegleitung, deren Aufgaben jedoch weiter zu konkretisieren sind.

Für Lehrende im wissenschaftlich-theoretischen Unterricht ist mit einer angemessenen Übergangsfrist ein wissenschaftlicher Hochschulabschluss auf Masterniveau vorzuschreiben. Die Übergangszeiträume für die Hebammenschulen weisen in die richtige Richtung. In der weiteren Umsetzung ist es jedoch wichtig, dass für bisherige Lehrende die Möglichkeit eines erleichterten Zugangs zum Studium unter Anrechnung ihrer beruflichen Kompetenzen besteht.

Hinsichtlich der Finanzierung der Ausbildungskosten überzeugen die vorgesehenen Regelungen nur zum Teil. Die Kosten für den berufspraktischen Teil inkl. der Vergütung werden nach den Vorschriften des Krankenhausfinanzierungsgesetzes finanziert. Klarzustellen ist an dieser Stelle, dass hierbei auch die Kosten der Praxisanleitung umfasst sind. Die Kosten für die hochschulische Ausbildung sind durch die Länder zu tragen.

Entwicklungstendenzen und Anpassungsbedarf der Berufsbildung in Gesundheitsberufen unterliegen keiner systematischen Beobachtung durch eine staatliche oder unabhängige wissenschaftliche Instanz. Die besondere Bedeutung der Heilberufe für die Sicherstellung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung lässt es geboten erscheinen, der Berufsbildung und ihren Entwicklungen größeres Augenmerk zu schenken. Eine angemessen ausgestattete Abteilung am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ist zu etablieren. Neben der Berufsbildungsforschung, -planung und -berichterstattung gehören auch die Beobachtung der Entwicklungen im Gesundheitswesen zu den zentralen Aufgaben.

Die vollständige Stellungnahme ist hier nachzulesen.

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