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Reform der Hebammenausbildung

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Reform der Hebammenausbildung

Anlässlich der Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages am 26.06.2019 nimmt ver.di Stellung zur Reform der Hebammenausbildung.

Die veränderte EU-Berufsanerkennungsrichtlinie erfordert eine Neuregelung des Gesetzes über den Beruf der Hebamme und des Entbindungspflegers bis zum 18. Januar 2020. Die im Gesetzentwurf der Fraktionen der CDU/CSU und SPD ausgeführte Begründung, dass die Hebammenausbildung nur noch an Hochschulen stattfinden soll, kann nicht überzeugen. Gleichwohl begrüßt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), dass die Einheit des Berufsbildes erhalten bleiben soll, indem die Ausbildung – von einer Übergangsregelung abgesehen – nicht auf unterschiedlichen Ausbildungsniveaus angesiedelt ist. Folgerichtig ist auch, dass Hebammen mit einer herkömmlichen Ausbildung die gleichen Rechte und Pflichten wie Hebammen mit einer hochschulischen Ausbildung haben und ebenso die vorbehaltenen Tätigkeiten nach diesem Gesetz ausüben dürfen.

Für ausdrücklich richtig hält ver.di die Entscheidung für ein duales Studium, indem der berufspraktische Teil der Ausbildung durch vertragliche Bindung an einen Ausbildungsbetrieb (Krankenhaus) geregelt ist – mit der damit verbundenen ausbildungsrechtlichen und sozialen Absicherung der Studierenden. ver.di teilt daher die grundsätzliche Zielsetzung des Gesetzentwurfs, das Studium als duales Studium auszugestalten. Im Detail regen wir an einigen Stellen eine Weiterentwicklung an.

Entscheidend ist, dass das duale Studium attraktiv und qualitativ gut ausgestaltet wird. ver.di begrüßt ausdrücklich, dass die studierende Person einen Anspruch auf eine angemessene monatliche Vergütung hat. Dies steigert die Attraktivität des Studiums für die Studierenden und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Im Gesetzentwurf ist jedoch klarzustellen, dass der Anspruch auf eine angemessene Vergütung für die gesamte Dauer des Studiums besteht.

Auch braucht es verlässliche, klar geregelte Kooperationsbeziehungen zwischen den Vertragspartnern. ver.di begrüßt daher, dass die berufspraktischen Einsätze und die theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen inhaltlich und zeitlich eng miteinander verzahnt und aufeinander abgestimmt erfolgen müssen. Entsprechend müssen das von der Hochschule zu erstellende Curriculum und der von der verantwortlichen Praxiseinrichtung für jede studierende Person zu erstellende Praxisplan in einem wechselseitigen Prozess aufeinander abgestimmt werden.

Die Vorgabe, dass zwischen der verantwortlichen Praxiseinrichtung und der studierenden Person ein schriftlicher Vertrag zur akademischen Hebammenausbildung zu schließen ist, begrüßt ver.di ausdrücklich. Dies entspricht den vorgeschriebenen Mindestinhalten des Vertrags und sichert die Rechte der Studierenden als zur Ausbildung Beschäftigte, gewährleistet Arbeitnehmerrechte im ausbildenden Betrieb und sorgt für eine soziale Absicherung während des dualen Studiums. Nachbesserungsbedarf besteht hinsichtlich des Umfangs des berufspraktischen Teils, der überwiegen muss.

Für eine qualitativ hochwertige berufspraktische Ausbildung ist eine gute Praxisanleitung wesentlich. Es ist daher wichtig, dass die Praxisanleitung nachhaltig gestärkt wird. Klarzustellen ist, dass es sich bei der einheitlichen Mindestvorgabe zum Umfang um eine geplante und strukturierte Praxisanleitung handelt, die auf der Grundlage des vereinbarten Praxisplans stattfindet. Entsprechend der vorgesehenen Definition von Praxisanleitung ist die Anleitung von Studierenden eine ständige Aufgabe, die in alltäglichen Lernsituationen durch ständige Anwesenheit einer angemessenen Zahl qualifizierten Fachpersonals sicherzustellen ist. Gegen die Regelung, dass die Länder bis 2030 von dieser Mindestvorgabe abweichen können, spricht sich ver.di ausdrücklich aus.

Positiv ist die Vorgabe zur Praxisbegleitung, deren Aufgaben jedoch weiter zu konkretisieren sind. Die Beurteilung in der Praxis gehört allerdings ausdrücklich nicht zu den Aufgaben einer Praxisbegleitung.

Für Lehrende im wissenschaftlich-theoretischen Unterricht ist mit einer angemessenen Übergangsfrist ein wissenschaftlicher Hochschulabschluss auf Masterniveau vorzuschreiben. Die Übergangszeiträume für die Hebammenschulen weisen in die richtige Richtung. In der weiteren Umsetzung ist es jedoch wichtig, dass für bisherige Lehrende die Möglichkeit eines erleichterten Zugangs zum Studium unter Anrechnung ihrer beruflichen Kompetenzen besteht.

Hinsichtlich der Finanzierung der Ausbildungskosten ist es sachgerecht, dass die Kosten der Hochschulen den Ländern obliegen, während die Kosten für den berufspraktischen Teil inkl. der Vergütung der Hebammenstudierenden nach den Vorschriften des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG) finanziert werden. Erforderlich ist jedoch eine Klarstellung, dass zu den Kosten der berufspraktischen Ausbildung insbesondere auch die Kosten der Praxisanleitung gehören. Damit die Übergangsregelungen zur Kooperation zwischen der Hochschule und der Hebammenschule in der Praxis zum Tragen kommen, muss die Finanzierung nach den Regelungen des § 17a KHG weiterhin gewährleistet sein.

ver.di setzt sich für ein gebührenfreies Studium ein. An privaten Hochschulen können jedoch Gebühren für die Studierenden entstehen. ver.di erwartet, dass etwaige Gebühren in voller Höhe von den verantwortlichen Praxiseinrichtungen zu übernehmen sind. Eine entsprechende Vorgabe ist in den Pflichten der verantwortlichen Praxiseinrichtung zu verankern.

Die vollständige Stellungnahme ist hier nachzulesen:

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