Ergebnisse der Arbeitszeitumfrage

Das Votum der befragten Beschäftigten aus dem Gesundheits- und Sozialwesen ist eindeutig: 65% der Kolleginnen und Kollegen wollen selbst entscheiden, ob sie eine (tarifliche) Gehaltserhöhung in freie Zeit eintauschen oder nicht. Wenn sie die Wahl bereits hätten, würde mehr als die Hälfte der Befragten ihre Arbeitszeit verkürzen.

Dies sind die zentralen Botschaften aus der großen ver.di-Arbeitszeitumfrage, an der sich bis Ende Juni 2019 fast 65.000 Beschäftigte der Branche – aus dem öffentlichen Dienst, den Wohlfahrtsverbänden, von kirchlichen Einrichtungen und privaten Trägern - beteiligten.

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Die Rahmenbedingungen

Bei den erfragten Arbeitszeitmodellen kommt feste Arbeitszeit (42%) am häufigsten vor, gefolgt von Wechselschicht- oder Schichtarbeit (38%), Gleitzeit (18,2%) liegt an dritter Stelle. In der Altenpflege wird am häufigsten Wechselschicht- oder Schichtarbeit (67,8%) geleistet. In Krankenhäusern, Psychiatrien oder Reha-Einrichtungen liegt der Anteil bei 60,2%, im Rettungsdienst sogar bei 90,7%. Bereitschaftsdienste gibt es bei 17% der Befragten.

Grafik: Gründe für Mehrarbeit
Foto/Grafik: ver.di

Mehrarbeit bestimmt den Arbeitstag

Insgesamt leisten 70% der Beschäftigten regelmäßig mehr Stunden, als arbeitsvertraglich vereinbart. Die zwei wesentlichen Gründe liegen hierfür in zu wenig Personal (62%) oder die Arbeit ist in der vereinbarten Arbeitszeit nicht leistbar (52%). Angeordnete Überstunden ist bei 22% der Grund.

Beschäftigte in Kindertagesstätten (71,3%), in der Altenpflege (70,5%) und in Krankenhäusern, Psychiatrien oder Reha-Einrichtungen (70,1%) gaben an, dass der Grund für Mehrarbeit zu wenig Personal ist.

Kurze Wochenarbeitszeit? Mehr Stunden!

Auffallend ist: Die meisten Überstunden leisten Beschäftigte mit einer vereinbarten Wochenarbeitszeit von weniger als 20 Stunden.

Überwiegend Freizeitausgleich

Geleistete Mehrstunden werden in der Regel durch Freizeit abgegolten (78%). Nur im Rettungsdienst (43%) liegt der Freizeitausgleich deutlich unter dem Durchschnitt.

Grafik: Modelle der Arbeitszeitverkürzung
Foto/Grafik: ver.di

Das „Wahlmodell Arbeitszeit“

Hätten sie die Wahl, würden 65% der Befragten eine Gehaltssteigerung gegen mehr freie Zeit eintauschen – und das, bis auf wenige Ausnahmen, in allen Arbeitsfeldern im Gesundheits- und Sozialwesen und unabhängig davon, welches Arbeitszeitsystem zur Anwendung kommt.

Von diesen Kolleginnen und Kollegen würden mehr als die Hälfte (52%) die zusätzliche freie Zeit für freie Tage verwenden. Eine Umsetzung der freien Zeit für die Verkürzung ihrer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit würden 41% bevorzugen. Ein gutes Drittel der Befürworter*innen des Wahlmodells würde die zusätzliche freie Zeit auf einem Arbeitszeitkonto bzw. einem Lebensarbeitszeitkonto ansparen, um z.B. früher in Rente gehen zu können.

Angleichung der Arbeitszeit Ost

Für die sofortige Angleichung der Arbeitszeit im Tarifgebiet Ost an das Niveau im Tarifgebiet West würden sich 61% aller Teilnehmer*innen engagieren. Die Angleichung der Arbeitszeit unter der Bedingung einer Übergangsfrist befürworte hingegen nur 23 % der Befragten. 16% würden sich im Moment nicht für eine Angleichung der Arbeitszeit einsetzen.

Statistik: Die Teilnehmer*innen

An der ver.di-Arbeitszeitumfrage haben sich mehr Frauen (72,2%) als Männer (27,8%) beteiligt. An der Befragung konnten auch Nicht-Mitglieder teilnehmen – ihr Anteil beläuft sich auf 24,1%.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden beträgt 42,2 Jahre, die größte Beteiligung an der Umfrage gab es bei der Altersspanne 51 - 60 Jahre (30%), gefolgt von 31 - 40 Jahre (25%) und 41 - 50 Jahre (23%).

Gemessen am Bruttoeinkommen haben sich Beschäftigte mit einem Entgelt zwischen 2.501 Euro – 3.500 Euro am stärksten an der Umfrage beteiligt (41,3%).

Jetzt: Diskutieren und umsetzen!

Die Ergebnisse der ver.di-Arbeitszeitumfrage werden Eingang in die Forderungsdiskussionen finden. Jede Tarifkommission entscheidet, welche konkreten Forderungen sich für ihre Tarifverhandlungen aus der Befragung und weiteren Debatten mit den von der jeweiligen Tarifrunde betroffenen ver.di-Mitgliedern ergeben. Der Arbeitskreis „Tarifpolitik“ des Fachbereichs „Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen“ wird über konkrete Umsetzungsschritte beraten. Fest steht: Um Arbeitszeitthemen erfolgreich durchzusetzen, braucht es gewerkschaftlich gut organisierte Belegschaften.

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