Gesundheitspolitik in Europa

Vergleichbare Probleme

Frankreich

Vergleichbare Probleme

Über 10.000 Krankenhausbeschäftigte demonstrieren in Frankreich für mehr Personal und höhere Entgelte. Auch bei unseren Nachbarn ist das Gesundheitssystem unterfinanziert.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Internationales, Europa, Krankenhaus Herbert Beck/ ver.di Paris: Demonstration für mehr Personal und höhere Entgelte

Vereint gegen die Missstände in den öffentlichen Krankenhäusern Frankreichs: 10.000 Krankenhausbeschäftigte demonstrierten am 14. November 2019 in Paris für die Erhöhung ihrer Entgelte und mehr Personal. Auf der Forderungsliste der Demonstranten standen zudem mehr staatliche Investitionen ins Gesundheitssystem und die Wiedereröffnung bereits geschlossener Betten. Auch in vielen weiteren Städten wie Lyon, Nantes, Calais trugen Beschäftigte ihren Unmut auf die Straße. Zu dem landesweiten Streik- und Aktionstag hatten alle französischen Gewerkschaften im Gesundheitswesen sowie zahlreiche zivile Organisationen aufgerufen. Begleitet wurden die Demonstrationen von Streiks an 270 Krankenhäusern, die zum Teil schon seit Monaten andauern. ver.di zeigte sich solidarisch mit den Forderungen der französischen Beschäftigten und nahm mit einer Delegation des Europäischen Gewerkschaftsverbandes des öffentlichen Dienstes (EGÖD) an der Pariser Demonstration teil. Denn eine Entlastung des Klinikpersonals ist auch in Deutschland dringend notwendig.

Hintergrund der franzöischen Proteste ist die Unterfinanzierung des Gesundheitswesens. Auch in Frankreich kämpfen die Beschäftigten in Krankenhäusern und Psychiatrien täglich mit den Folgen einer unzureichenden Personalausstattung. Die daraus folgende Arbeitsverdichtung gefährdet nicht nur die Gesundheit des Personals, sondern auch die Versorgung der Patienten. Besonders in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ist der Arbeitsdruck in Frankreich stark gestiegen. Denn viele Patient*innen erhalten keine Termine bei niedergelassenen Ärzt*innen bzw. müssen dort Zuzahlungen leisten. Dies führt dazu, dass die Patient*innen verstärkt auf die Notaufnahmen ausweichen. Auf den anderen Stationen beklagen die Beschäftigten Bettenschließungen oder gar die Schließung ganzer Einrichtungen. Die Personalsituation in den öffentlichen Krankenhäusern wird zudem noch durch eine unzureichende, unattraktive Bezahlung und fehlende Aufstiegsmöglichkeiten verschärft. Schon seit Jahren haben die Beschäftigten dort keine Gehaltserhöhung mehr erhalten. Viele Beschäftigte wandern aufgrund dieser Arbeitsbedingungen ab, z.B. in Privatkliniken. Genau wie in Deutschland wurde die Krise des Gesundheitswesen auch in Frankreich jahrelang ignoriert. ver.di übt daher nicht nur Druck auf die Politik aus, sondern nimmt auch die Arbeitgeber in die Pflicht: über entsprechende Tarifverträge hat ver.di bislang an 15 Großkrankenhäusern Vereinbarungen für mehr Personal und Entlastung durchgesetzt.

Auch der massive Druck der französischen Beschäftigten zeigt Wirkung: Monatelang hatte die Regierung sich in der Frage der öffentlichen Gesundheitsversorgung nicht bewegt. Nun hat sie Maßnahmen angekündigt. Der französische Präsident Emmanuel Macron wird am Mittwoch, den 20.November 2019 einen Dringlichkeitsplan (»plan d’urgence«) für die Krankenhäuser vorstellen. Und die französische Gesundheitsministerin Agnès Buzyn hat einen Unterstützungsplan (»plan de soutien«) angekündigt, der auf die Verstetigung der Investitionen und eine Aufwertung der Gehälter, insbesondere zum Beginn der beruflichen Karriere, ausgerichtet sein soll.

Kontakt

  • Dietmar Erdmeier

    Ge­sund­heits­po­li­ti­k. The­menschwer­punk­te: EU-­Po­li­ti­k, Be­rufs­ge­nos­sen­schaft Ge­sund­heits­dienst und Wohl­fahrts­pfle­ge

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