Sana

Rituale trotz Corona

Sana

Rituale trotz Corona

Verhandlungsauftakt der Sana-Tarifrunde 2020: Trotz Corona kein Angebot der Arbeitgeber
Sana-Beschäftigte zeigen Gesicht für ihre Forderungen. ver.di Sana-Beschäftigte zeigen Gesicht für ihre Forderungen.

In Zeiten von Corona hätte man erwartet, dass Sana auf Rituale verzichtet und bereits in der ersten Verhandlungsrunde am 13. Juli 2020 in Ismaning ein Angebot vorgelegt. Doch weit gefehlt, stattdessen erklärten die Arbeitgeber, was alles nicht geht, wie schwierig die Marktsituation sei und dass es immer anstrengender werde, im Gesundheitswesen Gewinne zu erwirtschaften.

Dass die bisherigen Gewinne vor allem daraus resultieren, dass zu wenig Personal eingesetzt wird, Arbeitsbereiche in Tochtergesellschaften ausgegliedert wurden und viele Beschäftigte bei Sana weniger verdienen, als in kommunalen Kliniken, obwohl der TVöD für die Refinanzierung der Krankenhäuser maßgeblich ist, von all dem haben die Arbeitgeber nicht gesprochen.

Die Corona-Pandemie hat den Blick auf das Gesundheitswesen verändert. Nun haben endlich alle erkannt, die Beschäftigten im Gesundheitswesen sind systemrelevant. In den vergangenen Wochen wurde ihre Leistung hoch gelobt und öffentlich gewürdigt. Das hat gutgetan, doch das reicht nicht. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat unterstrichen: „Diese Menschen haben nicht nur warme Worte, sondern langfristig höhere Löhne verdient“. Und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner sagte: „Wertschätzung drücke sich in der deutschen Gesellschaft auch durch eine angemessene Bezahlung aus.“

Solche Aussagen unterstützen unsere Forderungen, doch durchsetzen müssen wir sie in der Tarifrunde alleine. Was es braucht, um die Arbeitsbedingungen deutlich zu verbessern, haben wir gemeinsam diskutiert, daraus unsere Forderungen abgeleitet.

Unsere Forderungen im Überblick

  • eine Erhöhung der Entgelte auf das Niveau des TVöD, mindestens jedoch eine Erhöhung für alle Beschäftigten von 8%,
  • die Anhebung der Ausbildungsentgelte auf das Niveau des TVAöD Besonderer Teil BBiG und Besonderer Teil Pflege,
  • die Ablösung der Ergebnisabhängigen Vergütung (EAV) – durch eine Jahressonderzahlung in Höhe eines 13. Monatsentgelts,
  • eine Zulage in Höhe von 200 Euro monatlich für Beschäftigte der M-Tabelle,
  • drei freie Tage pro Jahr für alle Beschäftigten und Auszubildenden, die ver.di-Mitglied sind (Mitgliedervorteilsregelung),
  • keine abweichenden Regelungen für die Rehakliniken,
  • eine Verpflichtung zur Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit dem Ziel, die Entgeltordnung und die Zulagensystematik zu überprüfen und zu überarbeiten,
  • eine Laufzeit von 12 Monaten

Zusätzlich erwarten wir vom Arbeitgeber:

  • die Leistung langjährig Beschäftigter besser anzuerkennen oder Maßnahmen zur Personalhaltearbeit und zur Personalgewinnung sowie
  • verbesserte Regelungen zur Entstehung und Bezahlung von Überstunden, Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaft sowie die Einführung situationsbedingter Regelungen (Zulage für regionale Besonderheiten; Infektionszulage o. ä.

 

Den Arbeitgebern haben wir unser Forderung im Vorfeld der Verhandlungen übermittelt. Sie hatten also ausreichend Gelegenheit, sich damit eingehend zu befassen. Leider hat Sana die Chance verspielt, bereits in der ersten Runde mit uns konstruktiv in die Verhandlungen einzusteigen und damit ein Signal an die Beschäftigten zu senden.

„1000 Gesichter - Eine Botschaft! - Gutes Personal gibt es nur mit guten Arbeitsbedingungen!“, so die klare Aussage von 1000 Kolleg*innen der Sana Kliniken AG, die sich an der Fotoaktion beteiligt hatten. Unseren Forderungen haben wir damit Nachdruck verliehen und gezeigt, dass wir auch in Corona-Zeiten aktionsfähig sind. Das Foto-Transpatent haben wir der Arbeitgeberseite zum Start der Verhandlungen präsentiert.

Die Arbeitgeber haben angezweifelt, ob die Fotos tatsächlich alle von Beschäftigten ihres Unternehmens sind. Das kann zweierlei bedeuten: Entweder weiß Sana nicht, wie die Stimmungslage unter dem Beschäftigten tatsächlich ist oder der Arbeitgeber kennt seine Mitarbeiter*innen nicht. Das lässt sich ändern. Ben Brusniak, ver.di-Verhandlungsführer: „Wenn es Sana darauf anlegt, wird der Konzern die Kolleg*innen von einer ganz neuen Seite kennen lernen.“

Nach dem ersten Verhandlungstag ist klar, der Applaus von gestern wird uns bei der Durchsetzung unserer Forderungen wenig nutzen. Gemeinsam müssen wir uns Respekt verschaffen und unsere Interessen durchsetzen. In der letzten Tarifrunde haben wir gezeigt, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Ein einheitlicher Tarifvertrag für Alle – auch für die Rehakliniken und ein Ende der Ungleichbehandlung zwischen Kolleg*innen in Ost und West, das ist euer Erfolg. Darauf wollen wir aufbauen und gemeinsam die Arbeitsbedingungen bei Sana noch weiter verbessern.

Sei dabei: Mach mit und schließe dich unserer Solidarbewegung an.

Schnelle Infos zur Tarifrunde

Du möchtest die neuesten Informationen der Sana-Tarifrunde direkt bekommen? Kein Problem: Suche in der Messenger-App Telegram nach @TarifrundeSana und trete dem Kanal bei.

Die Verhandlungen werden am 12. August 2020 in Leipzig fortgesetzt.

  • 1 / 3

Weiterlesen