Sana

Erst beklatscht, dann gefeuert?

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Erst beklatscht, dann gefeuert?

Sana Kliniken AG will mitten in der Pandemie über 1.000 Beschäftigte auf die Straße setzen

Die Beschäftigten der Sana DGS pro.services GmbH geben alles, um den Krankenhausbetrieb trotz Corona-Pandemie am Laufen zu halten. Sie sorgen nicht nur dafür, dass die Sana-Kliniken gereinigt und desinfiziert werden, sondern arbeiten auch in der Stationsassistenz, im Hol- und Bringedienst, an den Pforten und in den Sicherheitsdiensten. Damit leisten sie wichtige Arbeit im Krankenhaus – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Doch es wird ihnen nicht gedankt. Stattdessen sollen über 1.000 Kolleginnen und Kollegen bis Ende des Jahres auf die Straße gesetzt werden, damit die Konzerngewinne weiter sprudeln. Alle Bereiche außer der Reinigung sollen geschlossen werden.

Statement von Sylvia Bühler

Sylvia Bühler, Bundesfachbereichsleiterin Die Hoffotografen Sylvia Bühler, Bundesfachbereichsleiterin  – Mitglied im ver.di-Bundesvorstand

»Wenn ein Klinikbetreiber mitten in der Pandemie Massenentlassungen ankündigt, zeigt das, was im Gesundheitswesen schiefläuft. Statt guter Patientenversorgung steht offenbar immer öfter die Gewinnerzielung im Vordergrund. Das darf nicht sein. Arbeit im Krankenhaus ist Teamarbeit. Es braucht nicht nur hervorragende Ärzt*innen, Pflegefachpersonen und Therapeut*innen, sondern auch motivierte Kolleginnen und Kollegen in den Servicebereichen. Ohne sie geht nichts! Sie haben Sicherheit und faire Löhne verdient. Wir brauchen endlich gesetzliche Regeln, die der Zersplitterung der Belegschaften Einhalt gebieten. Denn diese schadet sowohl den Beschäftigten als auch der Versorgungsqualität. Dagegen wehren wir uns.«


Egal ob Fremdvergabe an externe Firmen oder Aufspaltung der Belegschaft in weitere Tochtergesellschaften – beides geht zu Lasten der Beschäftigten und der Versorgungsqualität. Die Zusammenarbeit der Berufsgruppen wird weiter erschwert, den Arbeitsbedingungen drohen weitere Verschlechterungen. Die Betroffenen stehen vor einer ungewissen Zukunft.

Hände weg vom Kugelschreiber!

Wir raten allen Kolleginnen und Kollegen: Hände weg vom Kugelschreiber! Unterschreibt ohne Rücksprache keine Aufhebungs- oder Änderungsverträge. ver.di-Mitglieder erhalten Unterstützung und Beratung bei ihrer Gewerkschaft vor Ort. Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein.

ver.di fordert den Vorstand auf, die Pläne zurückzunehmen

Den Sana-Vorstand fordern wir auf, seine Pläne zurückzunehmen. Die Krankenhäuser funktionieren nur, wenn alle Berufsgruppen an einem Strang ziehen. Die Aufspaltung der Belegschaften schadet allen. Es muss wieder gelten: ein Betrieb, eine Belegschaft, ein Tarifvertrag.

Dabei stehen auch die politisch Verantwortlichen in der Pflicht. Sie müssen Ausgliederung und Fremdvergabe Einhalt gebieten und Lohndumping unterbinden. Und sie müssen für eine auskömmliche Finanzierung der Krankenhäuser sorgen, indem das DRG-System der Fallpauschalen abgeschafft und durch eine bedarfsgerechte Finanzierung ersetzt wird. Dafür setzen wir uns ein. Mach mit!

Pressemitteilung vom 27.04.2021

ver.di übt heftige Kritik an angekündigter Massenentlassung der Sana Kliniken AG im Service-Bereich

Pressemitteilung. Berlin, 27.04.2021. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert heftig die Ankündigung einer Massenentlassung der Sana Kliniken AG in der DGS pro.service GmbH. Bis Ende dieses Jahres sollen alle Geschäftsbereiche außer der Reinigung geschlossen und damit mehr als 1.000 Beschäftigte entlassen werden. "Beschäftigten im Gesundheitswesen zu kündigen, ist für sich genommen schon ein Unding.

Das auch noch mitten in der dritten Welle der Corona-Pandemie zu tun, schlägt dem Fass den Boden aus", sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. "Hier sollen Menschen von einem profitablen Klinik-Konzern vor die Tür gesetzt werden, die in den letzten Monaten tatkräftig mitgeholfen haben, den Krankenhausbetrieb am Laufen zu halten. Ein funktionierendes Krankenhaus ist Teamarbeit und besteht aus weit mehr Beschäftigtengruppen als Ärzten und Pflegefachpersonen."

"Mit solchen Maßnahmen verkomme die vielbeschworene Wertschätzung von Beschäftigten im Gesundheitswesen zu einer hohlen Phrase", so Bühler weiter. "Wir fordern den Sana-Vorstand auf, diese Maßnahme sofort zu stoppen."

Die Sana DGS pro.service GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Sana Immobilien Service GmbH und damit Teil der Sana Kliniken AG. Sie ist an allen 53 Standorten der Sana Kliniken AG tätig. Neben der Unterhaltsreinigung der Sana Kliniken gehören auch Stationsassistenz, Hol- und Bringedienste, Pforten und Sicherheitsdienste zum Portfolio. Das Unternehmen hat rund 3.000 Beschäftigte, die Mehrheit davon in Teilzeit. Von der jetzt angekündigten Teilbetriebsschließung, die bis spätesten zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein soll, sind mehr als 1.000 Beschäftigte betroffen. Geschlossen werden sollen alle Bereiche außer der Reinigung.

Die angekündigte Maßnahme der Sana-Kliniken AG zeige den dringenden umfassenden Reformbedarf im Gesundheitswesen, so Bühler. "Es reicht nicht an einzelnen Schräubchen zu drehen, das löst - wie dieser Fall wieder einmal deutlich macht - eine Kettenreaktion aus.

Krankenhauspolitik muss sich an der bestmöglichen Versorgung kranker Menschen ausrichten und nicht an wirtschaftlichen Interessen." ver.di fordere seit langem, dass ein Krankenhaus eine Belegschaft haben müsse. Die immer weitergehende industrielle Zersplitterung schade nicht nur den Beschäftigten, sondern gefährde auch die Patientenversorgung, wenn nicht mehr Hand in Hand gearbeitet werden könne.

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