Sana

Standortnachteil wird beseitigt

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Standortnachteil wird beseitigt

Das Hanse-Klinikum Wismar wird in den Sana-Konzerntarifvertrag übergeleitet. Das bringt den Beschäftigten deutliche Lohnerhöhungen und hilft bei der Gewinnung von Fachkräften.
Beschäftigte halten Transparente, auf denen steht "Entlastung jetzt" und "Mehr von uns ist besser für alle" ver.di Beschäftigte des Sana Hanse-Klinikums Wismar in Aktion

Das haben die ver.di-Aktiven des Sana Hanse-Klinikums Wismar viele Jahre vergeblich versucht, am Ende ging es ganz schnell: Bereits in der zweiten Verhandlungsrunde akzeptierte die Geschäftsleitung Anfang November 2020 die Überführung des Haustarifvertrags in den Konzerntarifvertrag der Sana Kliniken AG. Dieser Schritt schafft mehr Einheitlichkeit und bringt insbesondere den Pflegekräften deutliche Verbesserungen.

»Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder gefordert, dass Wismar mit den anderen Sana-Kliniken im Konzerntarifvertrag gleichgestellt wird«, erklärt ver.di-Verhandlungsführer Christian Wölm. Doch immer wieder stand am Ende von Haustarifverhandlungen, dass die lokale Vereinbarung fortgeführt wird. »Dass es diesmal anders war, hat sicher auch mit der aktuellen Debatte über die Bedeutung der Gesundheitsbeschäftigten in der Corona-Pandemie zu tun«, vermutet der Gewerkschafter.

Vor allem aber hatte das Hanse-Klinikum zunehmend Probleme, qualifiziertes Personal zu finden. Sowohl Rostock als auch Lübeck sind weniger als eine Autostunde entfernt und in beiden Städten gibt es Krankenhäuser, die nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes bezahlen. »Der schlechtere Haustarifvertrag war auch ein Standortnachteil beim Wettbewerb um Fachkräfte, das hat die Geschäftsleitung schließlich eingesehen«, sagt Wölm. Zuvor hatten die Beschäftigten mit überwältigender Mehrheit die Übernahme des Konzerntarifvertrags gefordert. Das und die gute Beteiligung an der ver.di-Befragung habe beim Management offenbar Eindruck hinterlassen. Es akzeptierte eine Überleitung in den Konzerntarifvertrag, obwohl der im September erzielte Tarifabschluss den Sprung dorthin noch einmal vergrößert hat. Damit wurde die Bezahlung der Pflegekräfte konzernweit in etwa auf das Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) angehoben.

Durch die Übernahme der konzernweiten Entgelttabellen und Zuschläge zum 1. Januar 2021 erhöht sich beispielsweise das Einstiegsgehalt in der Fachpflege um 370 auf 3.211 Euro im Monat. 2021 wird die Erhöhung allerdings auf 200 Euro gedeckelt. In den Folgejahren erhöht sich das individuelle Einkommen um jeweils 50 Euro, bis es den in den neuen Entgelttabellen hinterlegten Wert erreicht hat. Eine Pflegehelferin mit zehn Jahren Betriebszugehörigkeit profitiert dann mit einem monatlichen Plus von gut 400 Euro, eine Verwaltungsangestellte bekommt rund 200 Euro mehr.

Der konzernweite Manteltarifvertrag gilt für das Hanse-Klinikum ab Anfang 2022. Zu diesem Zeitpunkt wird auch die Wochenarbeitszeit um eine halbe auf 39,5 Stunden abgesenkt. 2024 und 2025 folgen weitere Verkürzungsschritte, so dass wie in kommunalen Kliniken ab 2025 die 38,5-Stunden-Woche erreicht wird. »Wir hätten uns eine schnellere Absenkung der Arbeitszeiten gewünscht, aber das haben wir leider nicht geschafft«, bilanziert Wölm, der die Vereinbarung dennoch insgesamt für ein sehr gutes Ergebnis hält. Ob die ver.di-Mitglieder im Betrieb das genauso sehen, können sie in einer bis zum 12. November 2020 laufenden Abstimmung kundtun.

»Die Beschäftigten in Wismar stehen jetzt nicht mehr allein auf weiter Flur«, weist Wölm auf einen weiteren Aspekt des Abschlusses hin. Sie könnten sich in Zukunft gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der anderen Sana-Häuser für weitere Verbesserungen einsetzen. »Dies stärkt auch den Konzerntarifvertrag und schafft einheitlichere Bedingungen. Das ist eine gute Entwicklung.«

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