Öffentlicher Dienst

So wird es was

TRöD 2020

So wird es was

Was bei den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes herauskommt, hängt maßgeblich vom Engagement der Beschäftigten ab. Dabei setzt ver.di auf neue Methoden. Systematische Ansprache und Beteiligung sollen viele aktivieren. Bei der Befragung zur Tarifforderung hat das schon gut funktioniert. So können wir etwas erreichen – für das Gesundheitswesen und alle anderen.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Öffentlicher Dienst, ÖD 2020, troed2020, Unverzichtbar, werkzwei Bedingungen für einen eigenen Verhandlungstisch

 

Hier berichten ver.di-Aktive, wie sie ihre Kolleg*innen systematisch für die Tarifrunde im öffentlichen Dienst mobilisieren und sie an der Forderungsdiskussion beteiligt haben.

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Öffentlicher Dienst, ÖD 2020, troed2020, Unverzichtbar, privat Heike Vater aus Mannheim ist als Tarifbotschafterin aktiv

 

Heike Vater, Stroke Nurse in der Neurologie des Mannheimer Uniklinikums

»Ganz wichtig finde ich bei der anstehenden Tarifrunde des öffentlichen Dienstes, dass die Beschäftigten gut informiert sind. Informationen sind der erste Schritt, um Interesse zu wecken und die Menschen zu mobilisieren. Das habe ich an mir selbst gemerkt.

Ich bin schon lange ver.di-Mitglied, aber bei einem Treffen war ich nie. Dann wurde ich angerufen und über die Tarifrunde informiert. Bei einem Treffen erklärten mir zwei ver.di-Kollegen, wie der Gesprächsleitfaden eingesetzt wird und was ich als »Tarifbotschafterin« tun kann. Mich hat die Aktion überzeugt. Ich denke, dass wir auf diesem Weg etwas erreichen können. Dass sich etwas ändern muss, ist mir in der Corona-Pandemie noch einmal drastisch klar geworden. Vor allem die mangelnde Schutzausrüstung hat mich gestört. Es kann doch nicht sein, dass ich in meinem Beruf meine Gesundheit und die meiner Familie aufs Spiel setze – und dafür noch nicht einmal eine Prämie bekomme.

Natürlich war es am Anfang komisch, die Kolleginnen und Kollegen offensiv anzusprechen. Aber die ersten positiven Rückmeldungen haben mich motiviert weiterzumachen. Inzwischen ist das quasi ein Selbstläufer. Je mehr mitmachen, desto mehr Gespräche finden auch untereinander statt. Die Tarifauseinandersetzung ist auf unserer Station richtig zum Thema geworden, da gibt es enorm viel Gesprächsbedarf. Ein Großteil des Teams meiner Stroke Unit hat den Fragebogen schon ausgefüllt. Überrascht hat mich, wie viele meiner Kolleg*innen ver.di-Mitglied sind. Ich arbeite schon lange mit ihnen zusammen, aber von vielen wusste ich das gar nicht. Zwei Leute sind im Zuge der Aktion eingetreten. Und auch die Streikbereitschaft ist erstaunlich hoch. Dabei sind die miesen Arbeitsbedingungen das entscheidende Thema. Wir brauchen endlich mehr Personal und eine bessere Bezahlung!

Toll ist auch, dass drei, vier andere aus meinem Team ebenfalls bereit sind, stärker aktiv zu werden. Als Tarifbotschafter*innen werden wir immer zeitnah über den Stand der Tarifverhandlungen informiert. Und diese Informationen geben wir dann ans Team weiter. Dass ist die Voraussetzung dafür, dass sich viele an Aktionen beteiligen. So machen wir Druck für ein gutes Tarifergebnis. Bist du auch schon dabei?«

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Öffentlicher Dienst, ÖD 2020, troed2020, Unverzichtbar, Tarifbotschafter/-in, privat Achim Craney, Tarifbotschafter und Fachkrankenpfleger für Anästhesie am Uniklinikum Augsburg

 

Achim Craney, Fachkrankenpfleger für Anästhesie am Uniklinikum Augsburg

»Die Befragung zur Tarifforderung war nicht nur wichtig, um herauszufinden, was die Kolleginnen und Kollegen wollen. Sie war auch schon der erste Schritt zur Vorbereitung von Streiks. Denn jetzt wissen wir ziemlich genau, wer bereit ist, sich am Streik zu beteiligen. Bei denen, die ich befragt habe, waren das neun von zehn. Darunter auch viele, die noch nicht bei ver.di Mitglied sind.

Klar ist: Die Arbeitgeber müssen den Arbeitskampf wirtschaftlich spüren, sonst geben sie uns nichts. Das heißt, dass wir OP-Säle dicht machen, aber auch Betten und ganze Stationen schließen müssen. Dass das geht, haben wir schon 2017 beim Streik für Entlastung bewiesen. Damals haben erst einmal wenige Teams ihre Station komplett zum Streik gemeldet. Nach und nach haben sich immer mehr angeschlossen. Am Ende hätten wir 600 Betten bestreiken können – mehr als jedes dritte. Der Arbeitgeber hat in dieser Situation schnell nachgegeben. Eine solche Dynamik brauchen wir auch dieses Mal.

Meine Erfahrung ist: Je näher der Arbeitskampf rückt, desto mehr machen mit.«

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Öffentlicher Dienst, ÖD 2020, troed2020, Unverzichtbar, Tarifbotschafter/-in, privat Silke Präfke ist Tarifbotschafterin, Krankenschwester und Personalrätin im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz

 

Silke Präfke, Krankenschwester und Personalrätin im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz, am 14. August 2020:

»Jetzt sind es noch acht Tage bis zum 25. August. Dann entscheidet die ver.di-Bundestarifkommission unter anderem darüber, ob bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst ein eigener Verhandlungstisch für die Pflege eingerichtet werden soll. Die Zeit dafür ist günstig. Denn alle wissen, dass wir täglich unsere Gesundheit und die unserer Familien riskieren. Gemeinsam mit allen anderen Kolleg*innen im öffentlichen Dienst halten wir die Gesellschaft am Laufen. Es kann nicht sein, dass wir jetzt wieder in die Röhre gucken sollen. Entsprechend positiv ist die Resonanz auf unsere Befragung. Innerhalb von zwei Wochen haben bei uns 200 Kolleginnen und Kollegen die Fragebögen ausgefüllt. Bei früheren Tarifrunden hatten wir bei Befragungen meist kaum mehr als 20 Rückläufer.

Das ist jetzt ganz anders und das hat auch damit zu tun, wie wir die Leute ansprechen. Ich gehe gerne in die Raucherecken oder zu Übergaben, um mit ihnen über den anstehenden Tarifkonflikt zu reden. »Habt ihr schon gehört, dass die Arbeitgeber von Wertschätzung jetzt nichts mehr wissen wollen? In der Tarifrunde wollen sie eine Nullrunde oder nur den Inflationsausgleich.« So fange ich an. Das sorgt direkt für Empörung und Aufmerksamkeit. Dann gehe ich den Fragebogen durch, fange aber nicht ganz oben mit den Namen an, sondern damit, was die Kolleg*innen in der Tarifrunde erwarten. Bei der Frage, was ihnen wichtig ist, muss man Beispiele geben, sonst fällt ihnen nicht so viel ein.

Nicht wenige sind bereit, selbst Fragebögen mitzunehmen und ihr Team anzusprechen. Einige tragen sich auch als Tarifbotschafter*innen ein. Sie werden zeitnah informiert und vernetzen sich, zum Beispiel über unsere betriebliche Telegram-Gruppe. Am Ende frage ich nach den Namen. »Sonst könnte ich die Zettel ja alleine im Keller ausfüllen«, erkläre ich. Und dass wir damit gegenüber den Arbeitgebern Stärke demonstrieren.

Man kommt im Gespräch meist ziemlich schnell auf die Frage, warum wir eine starke Gewerkschaft brauchen. Auch ohne, dass es wie eine Werbeveranstaltung wirkt. Wichtig ist, Verbindlichkeit zu schaffen. Ich vereinbare am Ende konkret, wann ich die Fragebögen wieder abhole und wer für was verantwortlich ist. Das funktioniert super. Ich bin schon lange bei ver.di aktiv, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. 30.000 Gespräche und 980 Tarifbotschafter*innen in drei Wochen – das können wir schaffen! Lasst uns den Arbeitgebern zeigen, dass wir es ernst meinen!«

 

Dana mit großem Plakat mit Namen und bunten Punkten privat Die Intensivpflegerin Dana Lützkendorf von der Charité zeigt, wie sie die Kolleg*innen ihres Teams systematisch anspricht.

 

Dana Lützkendorf, Intensivpflegerin und Sprecherin der ver.di-Betriebsgruppe am Berliner Uniklinikum Charité sowie ehrenamtliche Vorsitzende des ver.di-Fachbereichs Gesundheit und Soziale Dienste, am 11. August 2020:

»Wir haben uns vorgenommen, bis zum 25. August insgesamt 30.000 Gespräche über die Tarifrunde des öffentlichen Dienstes zu führen. Das schaffen wir nur, wenn wir diese Herausforderung systematisch angehen.

Ich bin dabei so vorgegangen: Ich habe die Namen aller 65 Kolleginnen und Kollegen meines Teams auf einem großen Zettel notiert, inklusive der Servicekräfte und Physiotherapeut*innen. Dahinter habe ich farbige Punkte geklebt. Wer zur Tarifrunde befragt wurde, bekommt einen grünen Punkt. Wer bei der bundesweiten Foto-Petition ein Bild hochgeladen hat, wird blau markiert. Innerhalb von einer Woche habe ich mit 37 Kolleg*innen schon die Hälfte meiner Intensivstation erreicht. Hinter jedem einzelnen dieser Namen prangt ein roter Punkt: streikbereit!

24 Beschäftigte haben sich als »Tarifbotschafter*innen« gemeldet – lila Punkt. Diese werden stets zeitnah über die Verhandlungen informiert und beteiligen sich an der Mobilisierung und Vorbereitung von Aktionen. Die ver.di-Mitglieder auf der Liste werden neongelb markiert. Diejenigen, die dafür offen sind, leuchten orange. Auf diese Weise habe ich immer im Blick, wo wir stehen und wer noch angesprochen werden muss.

Ich war selbst überrascht, wie gut die systematische Ansprache funktioniert. Es ist das erste Mal, dass die Kollegen so intensiv über die Tarifforderungen nachdenken und diskutieren – das ist echt beeindruckend. Sie haben allesamt realistische und weitblickende Forderungen formuliert, die helfen könnten, die Pflegekräfte im Beruf zu halten. Ich bin mir sicher: Wenn wir die Leute konsequent beteiligen, werden wir eine enorme Durchsetzungskraft entfalten und in der Tarifrunde einiges erreichen können.«

 


Schriftzug "Jetzt seid ihr dran" ver.di Jetzt seid ihr dran! Tarifrunde im öffentlichen Dienst 2020

 

So kannst auch du aktiv werden und mitmachen

Tarifbotschafter*in werden: Schon hunderte Tarifbotschafter*innen sind vor Ort unterwegs, um Informationen aus der Verhandlung und aus der Tarifrunde an die Kolleg*innen im Betrieb weiterzugeben. Umgekehrt unterstützen wir die Tarifbotschafter*innen aktiv und exklusiv: Wir informieren über den aktuellen Stand und diskutieren mit den Tarifbotschafter*innen über das weitere Vorgehen. Jetzt registrieren: https://unverzichtbar.verdi.de/tarifbotschafterin

Fotopetition: Lade dein Foto hoch auf https://unverzichtbar.verdi.de/fotopetition und zeige Gesicht für die Forderungen der Tarifrunde.

Menschen mit Fragebögen Personalrat Stiftungskrankenhaus Nördlingen Beschäftigte des Stiftungskrankenhauses Nördlingen als Tarifbotschafter*innen der Tarifrunde im öffentlichen Dienst: Unterwegs mit Fragebögen im Betrieb
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