Öffentlicher Dienst

»Her mit der bezahlten Pause!«

»Her mit der bezahlten Pause!«

Mit der Einigung in der Tarifrunde im öffentlichen Dienst im April 2018 hatten sich die kommunalen Arbeitgeber zu Verhandlungen über die Einrechnung der Pausen in die Arbeitszeit bei Wechselschicht und die Erhöhung des Zeitzuschlags für Samstagsarbeit auf 20 Prozent verpflichtet. Der Verhandlungstermin mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) steht nach langem Zögern seitens der Arbeitgeberseite nun fest: Es ist der 24. Juni 2019.

ver.di erwartet von den Arbeitgebern nun eine schnelle Einigung über bessere Bedingungen, denn Pflegekräfte müssen behandelt werden wie Beschäftigte in anderen kommunalen Betrieben, die Wechselschicht arbeiten. Dort werden die Pausen seit eh und je in die Wechselschicht-Arbeitszeit eingerechnet. Ausgerechnet die hochbelasteten Beschäftigten im Krankenhaus sind davon bislang ausgenommen.

Weil sie sich nicht länger vertrösten lassen wollen, haben am 29. Mai 2019 Pflegekräfte bundesweit in Kliniken, in denen der TVöD gilt, bereits deutlich gemacht: »Her mit der bezahlten Pause!«

Beschäftigte fordern eine bezahlte Pause ein ver.di Die Pflegenden des Uniklinikums Augsburg machen deutlich: Her mit der bezahlten Pause!

In Bayern waren Pflegekräfte am Uniklinikum Augsburg, am Klinikum Bamberg und am Kreisklinikum Günzburg unterwegs, sie organisierten gegenseitige Stationsbesuche und verteilten Flugblätter an ihre Kolleg*innen. Diese zeigten sich am Thema sehr interessiert, wie Helga Springer-Gloning, Personalratsvorsitzende am Kreisklinikum Günzburg erlebte: »Das Thema ist vielen ganz wichtig. Viele können ja gar keine richtige Pause nehmen, man ist ja dennoch auf Station und macht nebenher alles Mögliche, läuft zu Patient*innen, die geklingelt haben.«

Die ausgebildete Krankenschwester hatte sich am frühen Nachmittag, zum Zeitpunkt wenn sich Früh- und Spätschicht abwechseln, mit Flugblättern ausgestattet vor den zentralen Umkleideräumen des Klinikums postiert. Im Vorraum treffe sie insbesondere die Kolleginnen und Kollegen, die Dienstkleidung tragen und die das Thema Pausen in der Wechselschicht besonders angehe: »Sie waren alle ganz heiß drauf zu wissen, wann das verhandelt wird. Viele haben direkt umgerechnet: Eine halbe Stunde am Tag, das macht zweieinhalb Stunden in der Woche, und das sind nach vier Wochen schon zehn Stunden zusätzliche Freizeit!«

Aktiv waren auch die Kolleg*innen am ehemals kirchlichen Klinikum Vincentinum in Augsburg. Nach dem Verkauf des Hauses an den privaten Träger Artemed gelten dort nach Arbeitsvertrag der Kolleg*innen noch immer die Richtlinien für Arbeitsverträge (AVR) in den Einrichtungen des Deutschen Caritasverbandes. Da der TVöD für sie Leitwährung ist, an der sich die AVR der Caritas orientiert, haben sie sich mit einer Solidaritätsaktion am Aktionstag beteiligt.

Ica Fritz arbeitet als Krankenpflegerin im Klinikum Vincentinum und ist außerdem Betriebsrätin: »Ich habe heute Flugblätter auf den Stationen verteilt, die sind mir zwischendurch sogar ausgegangen, so groß war das Interesse. Die Leute waren sehr zufrieden, es ist immerhin schon ein halbes Jahr seit der Tarifeinigung vergangen. Wir planen jetzt eine Aktion in der zweiten Juniwoche, in der wir Pausenbrote verteilen wollen, auf den Stationen.«

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Pausenaktion, Wechselschicht, Krankenhaus, Klinik, TVÖD, ver.di Die Beschäftigten am Klinikum Bamberg haben kein Verständnis für die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber.

Sehr gut kam die Idee auch am Klinikum Bamberg an, hier besetzten die Personalräte nach einem Schichtplan 24 Stunden lang das Personalratsbüro. Da aber nicht alle Beschäftigten - wegen fehlender Ablösung - zum Personalrat kommen konnten, wurden auch Nachtdienstleistende an ihren Arbeitsplätzen aufgesucht. Der Personalratsvorsitzende Felix Holland stellt fest: »Die Beschäftigten haben kein Verständnis mehr für die durchsichtige Verzögerungstaktik der Arbeitgeber. Mittlerweile ist es schon ein halbes Jahr her, dass das Pflegepersonalstärkungsgesetz verabschiedet wurde und die Beschäftigten der Kliniken wollen endlich Gleichbehandlung und Wertschätzung für die Arbeit im Wechselschichtrhythmus.«

Beschäftigte vor dem Klinikum Saarbrücken fordern bezahlte Pausen bei Wechselschicht ein. ver.di Saar Trier Auch die Kolleg*innen am Klinikum Saarbücken möchten nicht länger schlechter behandelt werden als andere kommunal Angestellte.

Im Saarland waren die Kolleg*innen am Krankenhaus St. Ingbert, am Klinikum Saarbrücken sowie am Knappschaftsklinikum Püttlingen im Einsatz für bezahlte Pausen und machten deutlich: Es darf nicht mehrere Verhandlungsrunden geben, sondern wir erwarten eine schnelle Einigung! Die Arbeitgeber müssen jetzt zügig am Verhandlungstisch mit ver.di zu einem Ergebnis kommen.

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