KfH

Trostpflaster sind nicht genug

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Trostpflaster sind nicht genug

Beschäftigte in den KfH-Dialysezentren freuen sich über den von ver.di erreichten Corona-Bonus, lehnen geplante Verschlechterungen in der Personalbesetzung aber entschieden ab.
Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.69, Dialysezentrum, Reportage, Pflege, Christian v. Polentz Astrid V. im KfH-Nierenzentrum in Berlin-Neukölln

Lange hatte sich das Management des KfH Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation e.V. geziert. Schließlich unterzeichnete es am 1. Dezember 2020 doch noch einen Tarifvertrag über eine Corona-Sonderprämie. Einmalig 600 Euro erhalten Vollzeitkräfte in diesem Jahr, Teilzeitkräfte anteilig und Auszubildende 200 Euro – steuerfrei. »Es ist gut, dass das KfH am Ende doch noch die Kurve gekriegt hat und die besonderen Leistungen und Belastungen der Beschäftigten während der Pandemie honoriert«, erklärte ver.di-Verhandlungsführer Ben Brusniak.

Zuvor hatte der Vorstand des Unternehmens – das bundesweit mit rund 7.000 Beschäftigten fast 200 Nierenzentren betreibt – die ver.di-Forderung nach einer Sonderzahlung mehrfach abgelehnt. Womöglich sei der Sinneswandel auch darauf zurückzuführen, dass es dem KfH immer schwerer falle, genug Personal zu finden und zu halten, mutmaßte Brusniak. »So sehr wir uns darüber freuen – die Prämie ersetzt nicht, dass sich die Arbeitsbedingungen dringend verbessern müssen«, so der Gewerkschafter. »Doch geplant ist stattdessen eine weitere Arbeitsverdichtung. Die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft ver.di weisen das zurück.«

Das KfH will nach ver.di-Informationen zum einen den bislang in der Regel angewandten Stellenschlüssel von einer Pflegekraft für maximal sechs Patient*innen verschlechtern. Zum anderen sollen die Zentralverwaltung ausgedünnt und Aufgaben auf die Nierenzentren vor Ort übertragen werden. Beides würde die ohnehin stark gestiegene Arbeitsbelastung weiter erhöhen. »Wir sind schon jetzt am Limit. Sowohl physisch als auch psychisch wird die Arbeit immer anstrengender«, berichtete Berenic Ziesak, die seit 25 Jahren als Medizinische Fachangestellte im KfH-Nierenzentrum Berlin-Neukölln arbeitet. »Viele langjährige Kollegen verlassen das Unternehmen, weil sie den Druck nicht mehr aushalten. Ich weiß auch nicht, wie lange ich selbst das noch packe.« Der Aufwand für die Versorgung der Patient*innen, die im Durchschnitt immer älter und kränker würden, nehme stetig zu. Insbesondere in den Stoßzeiten, wenn Patient*innen reihenweise und zimmerübergreifend an die Dialysegeräte an- und abgeschlossen werden müssen, sei die Hetze groß.

»Die gute Versorgung muss im Vordergrund stehen – und dazu gehören Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen und die Kolleginnen nicht aus dem Beruf treiben.«

Marion Leonhardt, Gewerkschaftssekretärin

»Wir arbeiten mit schwer kranken Menschen, die teilweise über viele Jahre bei uns sind. Da ist man immer auch ein wenig Sozialarbeiter und braucht Zeit für Gespräche«, erklärte Ziesak. »Vor allem aber ist dies eine fachlich hoch anspruchsvolle Arbeit, Fehler können wir uns nicht erlauben.« Dennoch soll nach den Plänen des KfH nun verstärkt gering qualifiziertes Personal zum Einsatz kommen. Die Betriebsrätin hält es zwar durchaus für sinnvoll, dass Assistenzkräfte die fachlich geschulten Kolleg*innen durch Hilfstätigkeiten und Zuarbeiten entlasten. »Es wäre aber kontraproduktiv und letztlich gefährlich, wenn Hilfskräfte in der Dialyse selbst eingesetzt würden.«

Die KfH-Sprecherin Ilja Stracke wollte auf Nachfrage keine Details zur geplanten Umstrukturierung nennen, bestätigte aber, dass eine Neuausrichtung geplant ist, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Zugleich stehe das KfH – das rund ein Viertel der etwa 76.000 dialysepflichtigen Patient*innen in Deutschland versorgt – zu seinen Grundsätzen einer hohen Versorgungsqualität. Die Sprecherin kritisierte die seit Jahren stagnierenden Pauschalzahlungen der Krankenkassen, was nun auch »schmerzhafte Einschnitte« erfordere.

Marion Leonhardt, die in der ver.di-Bundesverwaltung für Dialyseeinrichtungen zuständig ist, verwies hingegen auf die hervorragende Bilanz, die das KfH zuletzt im Juni 2020 präsentiert hatte. Der Umsatz stieg 2019 laut Medienberichten um zwei, der Betriebsgewinn um vier Prozent. Nach Steuern hatte das Unternehmen mit einem Plus von 5,2 Millionen Euro rund Zweidrittel mehr in der Kasse als im Vorjahr. »Die gute Versorgung muss im Vordergrund stehen – und dazu gehören Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen und die Kolleginnen nicht aus dem Beruf treiben«, betonte Leonhardt. »Weniger Fachkräfte einzusetzen, wäre der völlig falsche Weg. Wir fordern den Arbeitgeber auf, seine Kürzungspläne zurückzunehmen. Und von den politisch Verantwortlichen fordern wir eine auskömmliche Finanzierung dieser so wichtigen Versorgungsleistungen.« Die Beschäftigten beim KfH wollten nicht nur Trostpflaster, sondern gute Arbeitsbedingungen, die eine gute Patientenversorgung ermöglichen. »Dafür macht sich ver.di gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen weiter stark.«

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