Helios

»Ein vergiftetes Angebot«

»Ein vergiftetes Angebot«

Warum die Gewerkschaft den Vorstoß des Krankenhauskonzerns Helios für einen separaten »Pflegetarifvertrag« ablehnt. Interview mit ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Sylvia Bühler, Bundesfachbereichsleiterin Die Hoffotografen Sylvia Bühler, Bundesfachbereichsleiterin  – Mitglied im ver.di-Bundesvorstand

Der Klinikkonzern Helios will einen eigenen »Pflegetarifvertrag« mit ver.di schließen, der eine »attraktive und marktgerechte Vergütung« schaffen soll. Warum macht ver.di da nicht mit?

Weil es ein vergiftetes Angebot ist. Es geht Helios nicht darum, die Situation der Pflegekräfte zu verbessern, sondern sie von der restlichen Belegschaft abzuspalten. Wenn der Konzern der Forderung von ver.di nach Aufwertung der Pflege nachkommen wollte, könnten wir das problemlos innerhalb des Konzerntarifvertrags umsetzen. Mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder hat ver.di gerade eine beachtliche Lohnerhöhung vereinbart, dazu bekommen Pflegekräfte monatlich noch 120 Euro extra und es gilt künftig die Pflegetabelle und die Entgeltordnung der kommunalen Klinken. Ein separater Pflegetarifvertrag war dafür nicht nötig.

Helios hat erklärt, man »verliere keine Berufsgruppe aus den Augen«.

Wenn Helios von einer »marktgerechten Vergütung« spricht, ist vor allem die Abwertung derjenigen Tätigkeiten gemeint, bei denen derzeit auf dem Arbeitsmarkt eine hohe Konkurrenz unter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern herrscht. Hier will Helios ganz offensichtlich die Löhne drücken, sonst macht das Ganze keinen Sinn. Tarifverträge sind aber nicht nur dafür da, die Marktlage abzubilden. Sie haben eine soziale Schutzfunktion für die Beschäftigten.

Würde den Pflegekräften ein separater Tarifvertrag helfen?

Eine Aufspaltung der Beschäftigten schwächt alle. Wir setzen gute Tarifverträge durch, wenn wir zusammenhalten. In diesem Rahmen können wir die Aufwertung einzelner Beschäftigtengruppen zum Thema machen – so, wie zuletzt bei den Erzieherinnen in den Kitas  und aktuell in der Pflege. Wir bieten Helios an, das gemeinsam mit uns im Konzerntarifvertrag umzusetzen. Schon lange gibt Helios das Geld, das der Konzern für Personalkosten bekommt, nicht an die Beschäftigten weiter. Das ist nicht akzeptabel. Nun gibt es auch noch den klaren politischen Willen der Bundesregierung, die Pflege von der Bezahlung her attraktiver zu machen. Um dies zu erreichen, haben die Beschäftigten zusammen mit ihrer Gewerkschaft ver.di viel bewegt. Wenn Helios das in der Tarifrunde nicht umsetzen will, zeigt das: Es geht dem Unternehmen nicht um die Aufwertung der Pflege, sondern um Ideologie.

Helios argumentiert, der »Pflegetarifvertrag« bringe »die Pflege an den Verhandlungstisch«.

Da sitzt sie bereits. Etliche Mitglieder unserer ver.di-Tarifkommission sind Pflegekräfte. Selbstverständlich sind auch andere Berufsgruppen repräsentiert. Aus allen Kliniken, in denen der Helios-Konzerntarifvertrag gilt, bestimmen die ver.di-Mitglieder demokratisch ihre Vertreterinnen und Vertreter in der Tarifkommission. Über deren Zusammensetzung entscheidet zum Glück nicht der Arbeitgeber.

Helios betreibt einen großen Aufwand, um in den Belegschaften und in der Öffentlichkeit für einen »Pflegetarifvertrag« zu werben.

Ja, es hat sogar eine Telefonkonferenz mit den Pflegedienstleitungen gegeben, die den Beschäftigten klarmachen sollen, dass ein spezieller Tarifvertrag für die Pflege doch wirklich gut sei. Und man sollte am besten dafür sorgen, dass ver.di zornige Briefe und Mails bekommt. Es ist schon extrem, wenn man die Hierarchie in Gang zu setzen versucht, damit die Beschäftigten endlich wissen, was sie wollen sollen. Unstrittig ist, dass das Unternehmen ein Problem hat: Um Beschäftigte zu gewinnen und zu halten, muss es deutlich attraktivere Arbeitsbedingungen bieten, vor allem in der Pflege. Mit dem »Pflegetarifvertrag« will Helios den Anschein erwecken, etwas für die Pflege zu tun. Doch die Beschäftigten lassen sich von einer Mogelpackung nicht beeindrucken, sondern schauen auf den Inhalt.

Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren, müsste Helios für mehr Personal, verlässliche Dienstpläne, gesunde Arbeitsbedingungen sorgen. Und für eine gute Bezahlung. Doch hierzu gibt es keinerlei Angebote. Es ist sicher kein Zufall, dass über den »Pflegetarifvertrag« erst nach Abschluss der regulären Verhandlungen gesprochen werden soll – unter Bedingungen der Friedenspflicht, wenn Streiks nicht möglich sind. Das ist ein sehr durchschaubares Manöver.

Das heißt, Helios will die Pflegekräfte für dumm verkaufen?

Pflegekräfte sind jeden Tag mit schwierigen und unvorhersehbaren Situationen konfrontiert. Auf solch billige Tricks werden sie sicher nicht reinfallen.

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