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Internationale Solidaritätsbotschaft

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Internationale Solidaritätsbotschaft

ver.di und die internationalen Gewerkschaftsdachverbände PSI und UNI erklären sich solidarisch mit Fresenius-Beschäftigten weltweit. Sie fordern ein Rahmenabkommen zur Sicherung der Gewerkschaftsrechte.

Vom 5. ver.di-Bundeskongress senden Frank Werneke, Sylvia Bühler gemeinsam mit den Generalsekretärinnen der internationalen Dachverbände Public Services International (PSI), Rosa Pavanelli und UNI Global Union, Christy Hoffman eine Solidaritätsbotschaft an die Beschäftigten von Fresenius in Nord- und Südamerika Kay Herrschelmann Von links nach rechts: Rosa Pavanelli (Generalsekretärin PSI), Jan Willem Goudriaan (Generalsekretär EPSU), Christy Hoffman (Generalsekretärin UNI Global Union), Sylvia Bühler (Mitglied im ver.di Bundesvorstand), Frank Werneke (ver.di Bundesvorsitzender), Alke Bössinger (UNI), David Boys (stellvertr. Generalsekretär PSI), Niko Stumpfögger (ver.di und stellvertr. Aufsichtsratsvorsitzender Fresenius SE & Co. KGaA) und Carl Leinonen (Internationaler Sekretär SEIU) senden den Fresenius Beschäftigten in Nord- und Südamerika ihre Solidarität.

Der ver.di-Bundesvorsitzende Frank Werneke und Sylvia Bühler, im ver.di-Bundesvorstand zuständig für das Gesundheitswesen, fordern von Fresenius, unverzüglich Verhandlungen für ein globales Rahmenabkommen mit den Gewerkschaften aufzunehmen. Vom zurzeit stattfindenden ver.di-Bundeskongress senden sie eine Solidaritätsbotschaft an die Beschäftigten von Fresenius Nord- und Südamerika.

Gemeinsam mit den Generalsekretärinnen der internationalen Dachverbände Public Services International (PSI), Rosa Pavanelli und UNI Global Union, Christy Hoffman fordern sie den multinationalen Konzern auf, arbeitnehmer- und gewerkschaftsfeindliche Praktiken in den Tochtergesellschaften Fresenius Medical Care, Quironsalud und Fresenius Kabi sofort einzustellen. 2018 hatte Fresenius eine Erklärung zur Achtung der grundlegenden Arbeitnehmerrechte abgegeben, weicht aber in mehreren Weltregionen erheblich davon ab. Ein globales Rahmenabkommen (Global Framework Agreement) soll nun wirksame Verfahren einführen, wie im Falle von Verstößen gegen Arbeitnehmer*innenrecht in den Konzernunternehmen reagiert wird.

In den USA setzt Fresenius sogenannte Union-Buster ein, um Mitarbeiter*innen in Dialyseeinrichtungen daran zu hindern, sich Gewerkschaften anzuschließen. Da in den USA keine Betriebsräte existieren, sind Tarifverträge dort nicht nur für Löhne bedeutsam. Sie stellen für Arbeitnehmer*innen auch das einzige Instrument dar, um beispielsweise Kündigungsschutz im Krankheitsfall zu erreichen und die unmittelbaren Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz wie etwa die Arbeitszeiten zu regeln. Allein im Jahr 2018 hat das Unternehmen jedoch mehr als 400.000 US-Dollar an „Berater“ gezahlt, um Betriebe „gewerkschaftsfrei“ zu halten und dafür oft fragwürdige Methoden angewendet. Im Mai wurde bekannt, dass in Stellenausschreibungen für das Personalmanagement als Kernaufgaben „Gewerkschaften vermeiden“ und „gewerkschaftsfreie Kommunikation“ genannt werden. Beschäftigte in den USA sehen sich massivem und persönlichem Druck ausgesetzt, wenn sie sich gewerkschaftlich organisieren.

In Peru haben sich Beschäftigte bei staatlichen Behörden über Fresenius Beschwerde eingelegt, da unrechtmäßig befristete Arbeitsverhältnisse nicht in unbefristete umgewandelt werden. Sofia Espinoza, nationale Leiterin der Fresenius-Gewerkschaft in Peru, sagte: „Alles war in Ordnung, bis die Klinik Teil des Fresenius-Konzerns wurde. Danach herrschte Chaos im Krankenhaus. Das Management hat mir persönlich wegen meines gewerkschaftlichen Engagements Konsequenzen angedroht.“

ver.di unterstützt die weltweiten Solidaritätsaktionen, die die Missachtung von Arbeitnehmerrechten durch Fresenius zum Thema machen. „Wir begrüßen es, dass sich Fresenius seit 2018 explizit zur Achtung der grundlegenden Arbeitnehmerrechte bekennt. Kein Arbeitnehmer hat aber etwas davon, wenn es nur auf dem Papier steht, es muss in der Praxis gelebt werden“, sagte Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di Bundesvorstand. Rosa Pavanelli, Generalsekretärin von Public Services International (PSI) ergänzt: „Die Probleme in den USA und in Peru sind nicht isoliert zu betrachten. Sie sind strukturelle Probleme des Unternehmens und müssen auf globaler Ebene im Dialog mit Gewerkschaften angegangen werden. Unser Ziel ist es, dass sich Fresenius überall wie ein verantwortungsbewusster Arbeitgeber verhält.“

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde im Mai 2019 in Frankfurt/Main von mehr als 50 Vertreter*innen von Beschäftigten und Gewerkschaften aus Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Asien eine „Globale Gewerkschaftsallianz Fresenius“ gegründet. Die Allianz wird von den globalen Gewerkschaften IndustriAll, PSI und UNI getragen. Die von den Gewerkschaften angestrebte globale Vereinbarung mit dem Unternehmen würde rund 280.000 Beschäftigte in 100 Ländern erfassen.