Helios

Helios-Beschäftigte wehren sich

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Helios-Beschäftigte wehren sich

Kolleginnen und Kollegen machen mit Aktionen Druck für ein gutes Tarifergebnis. Der Spaltung der Belegschaft durch einen separaten Pflege-Tarifvertrag erteilen sie eine Absage.

Aktive Mittagspause bei Helios in Krefeld ver.di Aktive Mittagspause bei Helios in Krefeld

»Wir lassen uns nicht spalten, denn das Krankenhaus sind wir alle.« So brachte der ver.di-Vertrauensleutesprecher Wahed Tofik die Stimmung der mehr als 200 Beschäftigten des Helios-Klinikums Wuppertal auf den Punkt, die am 18. Februar 2019 auf die Straße gegangen sind. Sie wehren sich gegen den Vorstoß ihres Arbeitgebers, einen separaten Tarifvertrag für Pflegekräfte zu vereinbaren. Auch an anderen Standorten des größten privaten Klinikbetreibers werden Aktionen geplant oder wurden bereits durchgeführt.

In Wuppertal gingen nicht nur die Beschäftigten für ihre Tarifforderungen nach acht Prozent mehr Geld sowie der zusätzlichen Erhöhung der Pflege-Tabelle um 300 Euro monatlich auf die Straße. Auch die betrieblich-schulischen Auszubildenden beteiligten sich an der Aktion. Sie wollen endlich auch eine Vergütung. Wie zum Beispiel angehende Medizinisch-Technische Labor- und Radiologie- Assistent*innen in öffentlichen Krankenhäusern wollen auch sie nicht länger Geld zur Ausbildung mitbringen, sondern angemessen vergütetet werden. »Sonst kommt ja auch keiner mehr an unsere MTA-Schule, wenn anderswo etwas bezahlt wird und man bei uns noch Schulgeld mitbringen muss«, meinte Evdokia Tsoukni, die bei Helios in Wuppertal zur Medizinisch-Technischen Radiologie Assistentin (MTRA) ausgebildet wird.

Betrieblich-schulische Azubis bei Helios in Krefeld fordern eine Ausbildungsvergütung. ver.di Betrieblich-schulische Azubis bei Helios in Krefeld fordern eine Ausbildungsvergütung.

Mit etwa 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ähnlich gut besucht war kurz darauf eine Aktion am Helios-Klinikum Krefeld. Auch hier beteiligten sich viele junge Kolleginnen und Kollegen am Protest. Am Helios-Klinikum Erfurt ist die laufende Tarifauseinandersetzung am 11. März bei einer Betriebsversammlung Thema. Hier wollen die ver.di-Aktiven in den kommenden Tagen zudem über die Stationen laufen, um die Kolleginnen und Kollegen über die Situation zu informieren. »Schon jetzt ist spürbar, dass die Berufsgruppen auseinandergetrieben werden. Das wollen wir nicht zulassen«, sagt die Krankenpflegerin Yvonne Antoni, die auch Mitglied der Konzerntarifkommission bei Helios ist.

Sie ist davon überzeugt, dass ein »Pflegetarifvertrag« die Lage der Pflegekräfte nicht verbessern würde – zumal dieser laut Helios erst nach einem Tarifabschluss verhandelt werden soll. »Das hieße, dass die Pflege weiter auf die Aufwertung warten müsste. Sie muss aber jetzt kommen, nicht irgendwann«, betont die Krankenschwester. Sie weist zudem darauf hin, dass nach einem Tarifabschluss die Friedenspflicht gelten würde, ver.di könnte also nicht mit Streiks für ein gutes Ergebnis Druck machen. »Für die Pflege muss sich sofort etwas verbessern – nicht nur beim Gehalt, auch bei den Arbeitsbedingungen«, fordert Antoni. Während Helios bei externen Bewerbungen flexible Arbeitszeitmodelle anbiete, werde gegenüber den jetzigen Beschäftigten wenig Rücksicht genommen, berichtet sie. »Das Unternehmen kann sehr viel tun, um Pflegekräfte im Beruf zu halten. Leider kommt da sehr wenig. Deshalb halte ich die Diskussion um den Pflegetarifvertrag auch für ein Ablenkungsmanöver.«

Ihre Kollegin Elke Nitz von den Helios-Kliniken Schwerin sieht das genauso. »Wir wollen nicht, dass die Pflege abgekoppelt wird und andere Berufsgruppen hinten runter fallen«, betont die Betriebsrätin. Deshalb plant die ver.di-Gruppe in dem Klinikum eine »Aktive Mittagspause« vor dem Haupteingang, der an einer viel befahrenen Verkehrsstraße liegt. Auf diese Weise soll auch die Öffentlichkeit auf das Vorgehen der Helios-Spitze aufmerksam gemacht werden. »Es ist wichtig, jetzt Druck zu machen«, erklärt Nitz. »Schließlich hat der Arbeitgeber in zwei Verhandlungsrunden überhaupt kein Angebot vorgelegt.«

An der Helios Albert-Schweitzer-Klinik Northeim ist für den 14. März eine Protestaktion geplant. Der vom Konzern angebotene »Pflege-Tarifvertrag« ist hier ebenfalls ein großes Thema. Der Betriebsratsvorsitzende Rolf Pflugmacher sieht diesen als Versuch, »die anderen Berufsgruppen noch weiter nach unten zu drücken«. Offenbar wolle der Konzern die zusätzlichen Aufwendungen, die er wegen des öffentlichen Drucks in der Pflege leisten muss, an anderen Stellen wieder reinholen. »Am liebsten hätte Helios wohl nur noch Ärzte und Pflegekräfte im Tarifvertrag. Alle anderen – ob Therapeuten, Servicekräfte oder Verwaltungsangestellte – würden in die Röhre gucken.« Doch auch die Pflegekräfte hätten davon nichts, ist Pflugmacher überzeugt. »Das ist alles ein großer Trick, um die Kosten zu senken und die Profite zu erhöhen. Darauf fallen wir nicht herein.«

Unterstützung bekommen die Kolleginnen und Kollegen von Helios mit dieser Position vom Vorstand des ver.di-Bundesfachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen. Dieser stellt in einer Resolution klar: »Helios ist in der Branche bekannt für maximale Zersplitterung der Belegschaften in bis zu 14 Tochtergesellschaften pro Krankenhaus. Wir unterstützen die Tarifkommission Helios darin, im Konzerntarifvertrag Helios den Zusammenhalt der Belegschaft zu fördern.« ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler nannte das Vorgehen des Konzerns in einem Interview ein »sehr durchschaubares Manöver«. Um sich als attraktiver Arbeitgeber zu profilieren, müsste das Unternehmen für mehr Personal, verlässliche Dienstpläne, gesunde Arbeitsbedingungen sowie für gute Bezahlung sorgen, so die Gewerkschafterin. Doch zu all dem gebe es keinerlei Angebote. »Mit dem "Pflegetarifvertrag" will Helios den Anschein erwecken, etwas für die Pflege zu tun. Doch die Beschäftigten lassen sich von einer Mogelpackung nicht beeindrucken, sondern schauen auf den Inhalt.«

Bernd Behlert privat Bernd Behlert

Statement

»Ich sehe den Vorschlag eines separaten Pflege-Tarifvertrags als Versuch, die Belegschaft zu spalten. Es ist falsch, eine einzelne Berufsgruppe herauszuheben. Denn alle Beschäftigten sind daran beteiligt, gute Ergebnisse zu erzielen und die Menschen gut zu versorgen. Und alle leiden unter dem Mangel an Personal. Wir brauchen gesetzliche Personalvorgaben, die für alle Berufsgruppen im Krankenhaus gelten. Das müssen wir gemeinsam durchsetzen. Ebenso wie gute Tarifverträge. Mit einem eigenen Tarifvertrag wäre die Pflege nicht stärker – im Gegenteil. Das würde uns alle schwächen. Deshalb sagen wir laut und deutlich Nein.«

Bernd Behlert aus dem Helios Vogtland-Klinikum im sächsischen Plauen ist Vorsitzender des Konzernbetriebsrats von Helios.

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