DRK

Countdown zur Schlichtung

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Countdown zur Schlichtung

Kolleginnen und Kollegen beim Deutschen Roten Kreuz machen klar, was sie von den am 27. Januar 2021 beginnenden Schlichtungsgesprächen im Rahmen der DRK-Tarifrunde erwarten.


Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung,
ver.di Statement von Mike Kairies zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Für mich als Notfallsanitäter ist natürlich die Forderung nach einer Anhebung der Tabellenwerte auf das Niveau der Entgeltgruppe 9 sehr wichtig. Als Mitglied der ver.di-Tarifkommission vertrete ich aber alle Berufsgruppen. Entscheidend ist, dass wir solidarisch sind und Verbesserungen für alle durchsetzen. Unsere gemeinsame Forderung ist die Lohnerhöhung von 5,5 Prozent, mindestens aber 150 Euro. Die soziale Komponente liegt mir besonders am Herzen. Denn mit dem Sockelbetrag sorgen wir dafür, dass die Einkommensschere in den Belegschaften nicht noch weiter auseinandergeht. Bei reinen Prozenterhöhungen kommt für die oberen Entgeltgruppen in Euro mehr raus als für die unteren. Dabei kostet das Brötchen für alle gleich viel. Ein großer Teil unserer Kolleginnen und Kollegen hat eine niedrige Eingruppierung. Das sind oft auch diejenigen, die sich an Streiks und Aktionen beteiligen. Sie müssen von ihrer Arbeit leben können – und auch in der Rente ein Auskommen haben. Das ist im Moment allzu oft nicht garantiert.«

Mike Kairies ist Notfallsanitäter beim DRK-Kreisverband Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Er ist Mitglied der Bundestarifkommission und nimmt für ver.di am Schlichtungsverfahren teil, das am 27. Januar 2021 beginnt.


Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung,
ver.di Statement von Elke Emmert zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Ich war lange als Rettungsassistentin und Disponentin im Rettungsdienst tätig. Wegen der Schichtarbeit und des stetig steigenden Drucks brauchte ich irgendwann eine Veränderung und bin zum Blutspendedienst gegangen. Schon deshalb unterstütze ich die Forderungen nach einer angemessenen Eingruppierung und kürzeren Arbeitszeiten im Rettungsdienst aus vollem Herzen. Doch die Arbeit im Blutspendedienst ist ebenfalls härter als man denkt – auch körperlich. Die meisten von uns sind in der „mobilen Entnahme“ eingesetzt und fahren mit dem Lkw durchs Land. Das in Dauer-Spätschicht, also ab mittags bis in die späten Abendstunden. Besonders wichtig ist uns daher, dass Zuschlag und Freizeitausgleich bei Nachtarbeit ab 20 Uhr und von der ersten Stunde an fällig werden, nicht erst ab 21 Uhr und nach länger als zwei Stunden. Wenn wir jetzt bis 22.59 Uhr arbeiten, gehen wir leer aus. Dabei muss man als Punktionskraft nicht nur gut mit Menschen umgehen, sondern zum Beispiel auch bei Notfällen helfen, Labormessungen vornehmen, Lkw fahren und die EDV bedienen können. In Ruhe Pause zu machen, ist oft nicht möglich. Als Ausgleich brauchen wir mehr Freizeit. Auch, weil wir sonst nicht genug Nachwuchs finden.«

Elke Emmert hat viele Jahre im Rettungsdienst gearbeitet und ist jetzt Punktionskraft und Betriebsrätin beim DRK-Blutspendedienst Rheinland Pfalz und Saarland. Sie ist Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Ludwig Bertram zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Als ich 1980 angefangen habe, gab es im Rettungsdienst noch die 60-Stunden-Woche und sieben Nachdienste am Stück. Verglichen damit hat sich einiges verbessert, aber nur scheibchenweise. Jetzt ist es an der Zeit, einen entscheidenden Schritt zu gehen. Wir brauchen unbedingt eine Perspektive, wie wir von den überlangen Arbeitszeiten runterkommen und die Bezahlung verbessern. Das heißt nicht, dass wir alles in einer einzigen Tarifrunde lösen. Aber jetzt braucht es das Signal, dass sich etwas bewegt. Sonst laufen uns die Leute weg. Wir bilden viel aus, aber damit können wir kaum diejenigen ersetzen, die den Beruf wechseln oder krank werden. Das kann auch nicht im Interesse des Arbeitgebers sein. In dieser Tarifrunde sind sehr viele Kolleg*innen aktiv und Gewerkschaftsmitglied geworden. Das gibt uns die Chance, ist aber auch eine Verpflichtung, bei den Verhandlungen etwas herauszuholen. Wenn uns das für den Rettungsdienst gelingt, können wir in der Folge auch in anderen Bereichen Verbesserungen erreichen – zum Beispiel in der ambulanten Pflege, wo das ebenfalls dringend nötig ist.«

Ludwig Bertram war beim DRK als Rettungsassistent und in der Sozialarbeit tätig und ist jetzt Betriebsratsvorsitzender des DRK-Kreisverbands Schwäbisch-Gmünd. Er ist Mitglied der ver.di-Tarifkommission und der Schlichtungskommission.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Laura Sonntag zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Bei den Tarifverhandlungen reden wir an einem eigenen Tisch über die Belange der Auszubildenden. Zum Beispiel darüber, wie denjenigen, die schon länger als Rettungsassistent*innen oder Rettungssanitäter*innen arbeiten, eine Ausbildung ermöglicht werden kann. Sie haben oft Familie und können es sich nicht leisten, allein von der Ausbildungsvergütung zu leben. Theoretisch gibt es die Möglichkeit einer fünfjährigen, berufsbegleitenden Ausbildung. Aber zumindest bei uns in Rheinland-Pfalz wird diese nicht angeboten, weil dem Arbeitgeber das wohl zu aufwändig ist. Ein weiterer Punkt ist die Bezahlung der Fahrtkosten zur Schule, die oft weit vom Wohnort entfernt liegt. Hier brauchen wir eine klare Regelung im Tarifvertrag, im Moment handhaben die DRK-Gliederungen das ganz unterschiedlich. Wichtig ist zudem die Steigerung der Ausbildungsqualität, zum Beispiel durch einheitliche Ausbildungspläne. Und Azubis sollten immer die dritte Kraft im Rettungswagen sein, damit sie nicht nur fahren, sondern auch etwas lernen. Das DRK muss für eine gute Ausbildung sorgen. Wo sollen die Fachkräfte sonst herkommen?«

Laura Sonntag hat 2018 ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin abgeschlossen und arbeitet im DRK-Kreisverband Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Sie ist dort in der Jugend- und Auszubildendenvertretung aktiv und vertritt die Jugend in der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Ricarda Schmidt zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Im Juni hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Verweigerung einer Corona-Prämie im Rettungsdienst damit begründet, dass die Zahl der Einsätze während der Pandemie zurückgegangen ist. Was Herr Spahn dabei nicht bedacht hat, ist die großen körperliche und psychischen Belastungen, denen wir ausgesetzt sind und die uns alle und unsere Familien maximal fordern. Zu Beginn der Pandemie sind die Einsatzzahlen leicht gesunken, jedoch ist die Einsatzdauer deutlich gestiegen. Was nicht ansatzweise zu einer Entlastung geführt hat. Bei den Tarifverhandlungen eine Corona-Prämie zu vereinbaren, wäre daher mehr als gerechtfertigt. Vor allem aber braucht es dauerhaft bessere Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung, die unserer Leistung und Verantwortung entspricht. Die Bereitschaft unter den Kolleginnen und Kollegen, sich dafür einzusetzen, wächst von Tag zu Tag. Mit einem Streik würden wir endlich einmal gesellschaftlich wahrgenommen werden. Für viele ist das schon Motivation genug.«

Ricarda Schmidt ist Notfallsanitäterin beim DRK Rettungsdienst Mittelhessen und Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Hartwig Straub zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Ob im Rettungsdienst, im Krankenhaus oder in anderen Einrichtungen – die Kolleginnen und Kollegen im DRK stehen zusammen. Dass die Klinikbeschäftigten am Limit sind, ist spätestens seit Ausbruch der Corona-Pandemie allgemein bekannt. Von Aufwertung der Pflege wurde viel geredet – jetzt muss der Arbeitgeber endlich handeln. Deshalb fordern wir eine Pflegezulage von 300 Euro im Monat. Und auch die Corona-Prämie muss in der Schlichtung nochmal Thema sein. Selbst Lidl und Co. honorieren die besonderen Leistungen und Belastungen ihrer Beschäftigten während der Pandemie. Und unsere Kolleg*innen, von denen einige rund um die Uhr am Bett stehen, sollen leer ausgehen? Eine Aufwertung der Berufe ist auch deshalb dringend notwendig, weil diese wichtige Arbeit sonst keiner mehr machen will. Wer soll die Leute ersetzen, die in den nächsten Jahren in Rente gehen? Wir brauchen Perspektiven – der Arbeitgeber ist gefordert.«

Hartwig Straub ist Betriebsratsvorsitzender der DRK-Tagesklinik Worms und Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Ulrike Wagner zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Unter den Beschäftigten im Generalsekretariat wird die Tarifrunde aufmerksam verfolgt. Zum einen sind wir solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen in der Pflege, im Rettungsdienst und in den anderen Bereichen. Die sozialen Berufe brauchen dringend Aufwertung und Entlastung, das ist in der Corona-Pandemie sehr deutlich geworden. Zum anderen sehe ich die Tarifverhandlungen als gute Gelegenheit, mit den Kolleg*innen im Generalsekretariat darüber ins Gespräch zu kommen, wie wichtig gewerkschaftliches Engagement ist. Dass nach Tarifvertrag bezahlt wird, ist auch und gerade beim DRK längst nicht überall selbstverständlich. Das war auch mir selbst lange gar nicht bewusst. In Berlin und Brandenburg gilt der Reform-Tarifvertrag außer bei uns nur noch in einer weiteren Gliederung. Ich finde, überall muss nach dem Flächentarif bezahlt und für alle Einrichtungen sollte die entsprechende Refinanzierung garantiert werden. Dafür setzen wir uns mit ver.di ein.«

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Wagner arbeitet als Projektleiterin im DRK-Generalsekretariat und ist Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Arne Sommerlad zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Ein Knackpunkt bei den Tarifverhandlungen ist für mich die Anhebung der Tabellenwerte für Notfallsanitäter*innen auf das Niveau der Entgeltgruppe 9. Gerade für langjährige Beschäftigte besteht ein deutlicher Unterschied zur aktuellen Bezahlung in der EG 9c. Angesichts der hohen Verantwortung in unserem Job ist die Anhebung absolut gerechtfertigt. Wir müssen im Einsatz oft innerhalb weniger Sekunden entscheiden, wie wir den Patient*innen helfen. Wenn kein Notarzt vor Ort ist, führen wir bereits jetzt invasive Maßnahmen durch. Die gesetzliche Öffnung der Heilkunde für Notfallsanitäter*innen unter bestimmten Auflagen soll zeitnah kommen. Dafür sind wir qualifiziert. Mit einer besseren Bezahlung könnten es sich Notfallsanitäter*innen im Alter eher leisten, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Gerade bei älteren Kollegen*innen ist das oft zwingend erforderlich, damit sie ihren Job angesichts steigender Belastungen überhaupt noch ausüben können. Alternative und Realität ist aktuell meist die Altersarmut.«

Arne Sommerlad ist Notfallsanitäter und Konzernbetriebsratsvorsitzender beim DRK Rettungsdienst Mittelhessen. Er ist Mitglied der Bundestarifkommission und nimmt für ver.di am Schlichtungsverfahren teil, das am 27. Januar 2021 beginnt.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Heike Wewer zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Alle Berufsgruppen im Gesundheits- und Sozialwesen müssen aufgewertet werden. Das gilt auch für den Sozial- und Erziehungsdienst. Gerade in der Jugendhilfe haben wir es mit einer schwierigen Klientel zu tun, immer wieder kommt es zu Übergriffen. Die psychische Belastung ist daher sehr hoch. Mit der Corona-Pandemie hat sich die Situation noch weiter verschärft, hinzu kommt das Ansteckungsrisiko. Die Arbeitszeiten sind sehr flexibel und wenig familienfreundlich. Und vor allem macht uns die Personalnot zu schaffen. Vor diesem Hintergrund finde ich die von ver.di formulierte Erwartung von 32 Urlaubstagen im Jahr sehr wichtig. Wer bei der Arbeit derart gefordert ist, braucht einfach mehr Zeit, sich zu erholen. Mehr Freizeit wäre eine ganz wichtige Entlastung. Insgesamt wollen wir Anschluss halten an die Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst. Wir stehen mit zahlreichen anderen Trägern in direkter Konkurrenz. Wenn das DRK schlechtere Bedingungen bietet, gehen die Bewerber*innen woanders hin. Dabei brauchen wir dringend mehr junge Kolleg*innen.«

Heike Wewer hat viele Jahre in verschiedenen Jugendhilfemaßnahmen gearbeitet und ist seit 2018 freigestellte Betriebsrätin im DRK-Kreisverband Bremen. Sie ist Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), DRK, Tarif DRK; Tarif  Rettungsdienst, Tarif Sozial- und Erziehungsdienst, Schlichtung, ver.di Statement von Mira Hug zur anstehenden Schlichtung in der DRK-Tarifrunde

»Auch in dieser Tarifrunde machen wir die überlangen Arbeitszeiten im Rettungsdienst zum Thema. Wir arbeiten 45 Stunden pro Woche, werden de facto aber nur für 38,5 Stunden bezahlt. Das ist total ungerecht. Wo sonst muss man arbeiten, ohne dafür bezahlt zu werden? Klar: Man ist auf der Rettungswache nicht pausenlos im Einsatz. Zum einen sitzt man aber auch außerhalb der Einsätze nicht nur herum, sondern muss den Rettungswagen oder die Wache putzen, die Wäsche waschen etc. Zum anderen müssen wir jederzeit innerhalb von zwei Minuten im Wagen sein. Großartig entspannen lässt es sich da nicht. Vor einigen Jahren haben wir eine Arbeitszeitverkürzung von 48 auf 45 Stunden erreicht – durch Streiks und Aktionen. In Säckingen sind wir dazu auch jetzt wieder bereit. Sehr ärgerlich finde ich, dass der Arbeitgeber immer wieder auf Einschüchterung setzt. Es ist unser gutes Recht, uns in ver.di zu organisieren und in Tarifkonflikten auch zu streiken, wenn sich anders nichts bewegt. Das lassen wir uns nicht nehmen.«

Mira Hug ist Notfallsanitäterin beim DRK-Kreisverband Säckingen in Südbaden und Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission beim Deutschen Roten Kreuz.

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