Diakonie

»Wir machen motiviert weiter«

Diakonie Baden

»Wir machen motiviert weiter«

Trotz vieler Proteste und gegen den Willen aller Beschäftigtenvertreter hat die Synode der evangelischen Landeskirche in Baden beschlossen, am »Dritten Weg« festzuhalten. Interview mit Daniel Wenk, Sprecher der ver.di-Betriebsgruppe im Evangelischen Sozialwerk Müllheim und Mitglied im Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Portrait Mann mit Megaphon Helmut Roos Daniel Wenk

Beschäftigte der Diakonie Baden haben zuletzt mehrfach für den Abschluss kirchengemäßer Tarifverträge protestiert. Dennoch hat die Synode der evangelischen Landeskirche in Baden am 20. Mai 2018 in Bad Herrenalb beschlossen, am »Dritten Weg« kircheninterner Festsetzung von Arbeitsbedingungen festzuhalten. Enttäuscht?

Natürlich. Ich hätte mir gewünscht, dass die Synode endlich den Weg dafür frei macht, dass Löhne und Arbeitsbedingungen auch in der Diakonie Baden auf Augenhöhe mit den Gewerkschaften ausgehandelt werden. So, wie es zum Beispiel in der Diakonie in Niedersachsen, aber auch in der Evangelischen Stadtmission Heidelberg bereits der Fall ist. Die Beispiele zeigen: Auch in kirchlichen Einrichtungen stürzt der Himmel nicht ein, wenn Tarifverträge abgeschlossen werden. Im Gegenteil: die Beschäftigten sind zufriedener.

Warum ist die Öffnung für Tarifverträge so wichtig?

Entscheidend ist: Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung müssen sich verbessern. Die Beschäftigten brauchen Transparenz, Sicherheit und Gleichbehandlung. Der »Dritte Weg« ist nicht in der Lage, das zu gewährleisten. In Baden haben sich die Arbeitgeber durch selbst erteilte Ausnahmegenehmigungen und Wahlmöglichkeiten acht verschiedene Tarife geschaffen. Die von der Arbeitsrechtlichen Kommission festgelegten Bedingungen gelten nur für die Hälfte der rund 22.000 Beschäftigten. Dieselbe Arbeit wird also ganz unterschiedlich bezahlt. Das darf nicht sein.

Sind eure Argumente in der Synode gehört worden?

Wir haben eine Menge Wirbel gemacht. Mit Unterschriftensammlungen und Infoständen in den Einrichtungen, einer Kundgebung in der Karlsruher Innenstadt und bunten Aktionen bei der Synode in Bad Herrenalb haben wir für eine intensive Debatte gesorgt. Sämtliche Beschäftigtenvertreter – von der Delegiertenversammlung und dem Gesamtausschuss der Mitarbeitervertretungen bis hin zur Dienstnehmerseite in der Arbeitsrechtlichen Kommission – haben sich für Tarifverträge ausgesprochen. Das hat etliche Synodale überzeugt. Bei der Debatte waren die kritischen Stimmen eindeutig in der Mehrheit. Dennoch hat die Synode den Antrag zur Beibehaltung des »Dritten Wegs« letztlich doch mehrheitlich unterstützt.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir sind keinesfalls geknickt, sondern machen motiviert weiter. Denn wir haben gemerkt, dass wir die Debatte in der Landessynode inhaltlich beeinflussen können. Wir haben von Synodalen, vor allem aber von Beschäftigten und in der Öffentlichkeit viel Solidarität und Anerkennung erfahren. Jetzt muss es darum gehen, die betriebliche Basis weiter zu stärken. Das geht vor allem über die Inhalte: Bessere Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung sind nur zu erreichen, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft ver.di für ihre Belange einsetzen. Wenn es uns gelingt, das klarzumachen, wird sich die Diakonie über kurz oder lang für Tarifverträge öffnen müssen. Über die konkreten nächsten Schritte wollen wir bei einer Aktiven- und Planungskonferenz am 28. Juni 2018 (10 bis 17 Uhr im ver.di-Haus Karlsruhe) diskutieren.

  • 1 / 3

Weiterlesen