Celenus

Keine Ruhe für Celenus

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Keine Ruhe für Celenus

Wo auch immer die Chefin des Reha-Konzerns auftreten will, protestieren streikende Beschäftigte aus dem thüringischen Bad Langensalza gegen Schikanen und für Tarifverträge.

Beschäftigte aus dem thüringischen Bad Langensalza protestieren gegen Schikanen und für Tarifverträge Renate Koßmann Beschäftigte aus dem thüringischen Bad Langensalza protestieren gegen Schikanen und für Tarifverträge

Vielleicht war Susanne Leciejewski kurzfristig erkrankt. Vielleicht wollte die Vorstandsvorsitzende des Reha-Betreibers Celenus sich aber auch nicht der Kritik protestierender Beschäftigter aus der konzerneigenen Klinik in Bad Langensalza stellen. Denn diese nahmen einen geplanten Auftritt Leciejewskis beim »Reha-Wirtschaftstag« am Dienstag (11. Dezember 2018) in Berlin zum Anlass, aus Thüringen in die Bundeshauptstadt zu reisen, um ihren Unmut kundzutun. Seit Monaten streiken sie für einen Entgelt-Tarifvertrag. Doch der Arbeitgeber ließ in den vergangenen Wochen nicht nur sämtliche Verhandlungs- und Vermittlungsangebote unbeantwortet. Er ging auch mit Aussperrungen und fristlosen Kündigungen gegen Beschäftigte vor. Letztere hat das Arbeitsgericht mittlerweile kassiert.

»Das war eine tolle Aktion, mit der wir auf unsere Anliegen aufmerksam gemacht haben«, sagte die Diätassistentin Christiane Meyfarth nach der Kundgebung. Gemeinsam mit 21 ihrer Kolleginnen und Kollegen war sie nach Berlin gefahren, um beim Treffen der Reha-Branche gegen das Vorgehen von Celenus zu protestieren. »Die sollten alle mitkriegen, dass man so mit seinen Beschäftigten nicht umgehen kann – das ist uns gelungen«, freute sich die 35-Jährige. »Es war ein tolles Gefühl, mitten durch Berlin zu demonstrieren. Das hat schon Aufsehen erregt.«

Unterstützung bekamen die Beschäftigten aus Bad Langensalza von ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH (CPPZ) Renate Koßmann Unterstützung bekamen die Beschäftigten aus Bad Langensalza von ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH (CPPZ)

Unterstützung bekamen die Beschäftigten aus Bad Langensalza von ihren Kolleginnen und Kollegen bei der Charité Physiotherapie- und Präventionszentrum GmbH (CPPZ), so dass insgesamt über 100 Menschen vor dem Tagungshotel demonstrierten. Die Therapeut/innen und Anmeldekräfte des Tochterunternehmens der Berliner Universitätsklinik streiken für eine Angleichung ihrer Gehälter und Bedingungen an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). »Diese Solidarität ist überwältigend«, findet Meyfarth. »Wenn man erlebt, wie wir zusammenhalten – totale Gänsehaut.« Auch wegen solcher Erfahrungen sei der Wille der Streikenden in Bad Langensalza trotz der monatelangen Auseinandersetzung ungebrochen.

»Wir wollten beim Reha-Wirtschaftstag klarmachen, dass das Image der gesamten Branche unter dem Vorgehen von Celenus in Thüringen leidet«, erklärte Marion Leonhardt von der ver.di-Bundesverwaltung den Ort des Protests. Um die Rolle des Konzerns darzustellen, hatten die Demonstrant/innen extra ein selbst gebautes »Schwarzes Schaf« mitgebracht. »Die Reha-Branche täte gut daran, auf Celenus einzuwirken, damit dieser Konflikt endlich durch einen Kompromiss am Verhandlungstisch beendet werden kann. ver.di ist dazu jederzeit bereit.« Die Streikenden forderten nichts Utopisches, sondern lediglich angemessene Löhne für ihre qualifizierte und herausfordernde Arbeit. Aktuell erhalten Fachkräfte in Bad Langensalza bis zu 42 Prozent weniger Geld als beispielsweise ihre Kolleginnen und Kollegen in Kliniken der Deutschen Rentenversicherung.

»Wenn Celenus weiterhin den Dialog mit den Beschäftigten verweigert, werden sie immer wieder laut- und sichtbar auf ihre Lage aufmerksam machen«, kündigte Leonhardt an. Auch international sei die Orpea-Gruppe, zu der Celenus gehört, bekannt für ihren rigorosen Umgang mit Beschäftigtenrechten. »Das nehmen wir nicht hin. Hierzulande hat man sich an Gesetze und sozialpartnerschaftliche Gepflogenheiten zu halten. Bis das der Fall ist, geben wir keine Ruhe.«

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