Celenus

Als Ausbeuter bekannt

Celenus

Als Ausbeuter bekannt

Reha-Betreiber: Verstöße gegen grundlegende Beschäftigtenrechte in mehreren Ländern
Frauen mit Warnwesten, Schildern und Trillerpfeifen Renate Koßmann Protestaktion vor dem Bundesverband Deutscher Privatkliniken: Streikende der Celenus-Klinik in Bad-Langensalza

In der Celenus Reha-Klinik im thüringischen Bad Langensalza fordern die Beschäftigten seit Monaten mehr Lohn und einen Tarifvertrag. Dazu haben sie wiederholt gestreikt. Die Unternehmens­spitze reagiert mit brutaler Härte und setzt die Existenzen von Beschäftigten aufs Spiel. Zwei fristlos gekündigte Kolleginnen, die gewerkschaftlich aktiv waren, fünf ausgesperrte Beschäftigte in der Physiotherapie und die Ausgliederung des Hauswirtschaftsbereichs, um 12 Reinigungskräfte loszuwerden, das ist die bittere Bilanz.

Celenus gehört zur Orpea-Gruppe mit Sitz in Frankreich, die allein in Deutschland 166 Einrichtungen betreiben. Die ­Gruppe ist international tätig und mit einer operativen Umsatzrendite von 27 Prozent in Deutschland hochprofitabel. Doch die Bezahlung der Beschäftigten liegt nach ver.di-Berechnungen um bis zu 42 Prozent niedriger als in ­Kliniken der Deutschen Rentenversicherung.

Negativschlagzeilen

Negativschlagzeilen macht der Konzern aber nicht nur hierzulande. Den Gewerkschaften lägen etliche Berichte aus verschiedenen Ländern vor, sagt Adrian Durtschi, Leiter des Fachbereichs Sozialversicherungen und privates Gesundheitswesen UNICARE im internationalen Gewerkschaftsverband UNI Global Union, dem auch ver.di angeschlossen ist. Der Konzern schrecke nicht davor zurück, gegen grundlegende Beschäftigtenrechte zu verstoßen.

So gab es in Frankreich 2014 einen Skandal, als Orpea bezahlte Beobachter einsetzte, um Informationen über die Beschäftigten zu sammeln und an das Management weiterzugeben. Immer wieder kommt es zu Streiks wegen Personalmangels und unzulässiger Entlassungen; zuletzt gegenüber zwei Beschäftigten in Paris, die einen unzulässigen Dienstplan zurück­gewiesen haben.

In der Schweiz ist die Orpea-Tochter Senevita ebenfalls auf­fällig – wegen schlechter Pflegequalität durch zu wenig Personal. In Polen haben 59 Prozent der Beschäftigten einen unsicheren befristeten ­Arbeitsvertrag. In Spanien hält das Unternehmen gesetzliche Arbeitszeiten und Tarifverträge nicht ein, was immer wieder zu Konflikten mit den Gewerkschaften führt. Und in Belgien kam es zu einer Demonstration vor der belgischen Orpea-Zentrale in Uccle bei Brüssel, weil sich das Management weigerte mit den Beschäftigten zu sprechen. Dort konnten letztlich aber bessere Arbeitsbedingungen durchgesetzt werden.

Da die Celenus-Spitze in Bad Langensalza sämtliche Vermittlungsversuche und Gespräche ablehnte, demonstrierte ver.di Ende September zusammen mit der EPSU sowie französischen Gewerkschaftern vor der Geschäftsstelle des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken in Berlin. Dabei forderten sie die Wiedereinstellung der beiden Frauen und die Aufnahme von Tarifverhandlungen in Thüringen.

Erfolg vor Gericht

Am 17. Oktober entschied nun das Arbeitsgericht Nordhausen in Thüringen: Carmen Laue und Heike Schmidt haben ihre Arbeit wieder, die Kündigungen waren unwirksam.

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der ver.di Publik.

Kontakt

  • Bernd Becker

    Lan­des­fach­be­reichs­lei­ter Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thü­rin­gen

    0341 / 52 901-230

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