Asklepios

»Das war erst der Anfang!«

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»Das war erst der Anfang!«

Im Tarifkonflikt mit der Asklepios Schildautalklinik in Seesen (Niedersachsen) haben am 16. Juli rund 200 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Die Beschäftigten reagieren damit auf die beharrliche Weigerung von Asklepios, Tarifverhandlungen mit ver.di aufzunehmen. Sie fordern den Anschluss an das Tarifniveau des Öffentlichen Dienstes, wie es bereits in den Asklepios-Kliniken in Goslar und Göttingen gilt.

Für Tarifverträge bei Asklepios ver.di Auch die Beschäftigten des Klinikums Stadtroda unterstützen ihre Kolleg*innen in Seesen.

In Seesen sind die Kolleg*innen stinksauer über die Hinhaltetaktik des Asklepios-Konzerns. Sie warten seit zehn Monaten auf ein Einlenken seitens Asklepios, mit den Häusern in denen der TVöD gilt, gleich zu ziehen. Asklepios verweigert jedoch sowohl Tarifverhandlungen als auch akzeptable Angebote.

Oliver Kmiec ist Betriebsratsvorsitzender in der Schildtautalklinik. Mit dem ersten Streiktag zeigt er sich sehr zufrieden: »Die Beteiligung war klasse. Das war aber erst der Anfang! Wir laufen uns gerade warm.« Für viele Beschäftigte sei dies der erste Streik ihres Lebens gewesen. »Und wenn Asklepios nicht umgehend einlenkt, werden wir die Streiks ausweiten.«

Auf einer Kundgebung vor dem Klinikum forderte der zuständige ver.di Vertreter Jens Havemann den Konzern auf, seine Blockadehaltung aufzugeben: »Die Leute leisten gute Arbeit unter extrem stressigen Bedingungen. Das bisherige Verhalten der Konzernverantwortlichen ist deshalb eine schallende Ohrfeige für die Beschäftigten.«

Erst im Mai dieses Jahres hatte der Konzern schließlich ein Angebot unterbreitet: allerdings an den Betriebsrat. Dieser sieht sich aber als nicht zuständig an. Zwischen Betriebsrat und ver.di herrscht Einigkeit, dass nur die Gewerkschaft Tarifverträge verhandeln kann. Auch seien die Inhalte des Angebots inakzeptabel aus Sicht der Beschäftigten: »Das Angebot ist meilenweit weg vom TVöD. Eine neu eingestellte Gesundheits- und Krankenpflegerin im Akut-Krankenhaus soll demnach fünf Prozent weniger bekommen, in der Reha sind es elf Prozent weniger. Bei den therapeutischen Berufen sind es sogar 20 Prozent weniger als im TVöD.« rechnet Martin Kupferschmidt, Mitglied im Betriebsrat vor. »Und das allein nur bei den Monatsgehältern. Wenn wir Zuschläge, Urlaub, Zusatzurlaub und zusätzliche Altersversorgung betrachten, kommt nochmal richtig was dazu!« so Kupferschmidt weiter.

Auch im Hinblick auf konkurrierende Konzerne in der Krankenhauslandschaft ist das Vorgehen von Asklepios sehr ungewöhnlich. ver.di Sprecher Havemann: »Mit allen relevanten Wettbewerbern gibt es quasi flächendeckend Tarifverträge. Sowohl bei Helios als auch bei Sana und Rhön sind Tarifverträge absoluter Standard.«

Das bisherige Vergütungsniveau in den Schildautalkliniken führe dazu, dass Asklepios massive Probleme habe, Personal für die Klinik zu gewinnen. Die Arbeitsbedingungen müssten endlich konkurrenzfähig sein, nur so könne Personal neu gewonnen und vorhandenes gehalten werden. Sonst schade der Konzern seinen Patient*innen und Beschäftigten.

Asklepios wurde im Jahr 1985 gegründet und ist heute mit rund 160 Gesundheitseinrichtungen und 47.000 Beschäftigten einer der größten privaten Klinikbetreiber in Deutschland. 2018 hat der Konzern den Umsatz auf 3,4 Milliarden Euro gesteigert, was einem Plus von 4,5 Prozent entspricht.

Innerhalb des Konzerns gibt es für die Beschäftigten in Seesen eine breite Unterstützung durch Kolleg*innen anderer Klinikstandorte. Aus ganz Deutschland trudelten in Seesen Solidaritätsfotos und Unterstützungserklärungen ein, die wir an dieser Stelle dokumentieren.

»Hiermit wollen wir Euch unseren tiefen Respekt ausdrücken. Die viele Geduld die Ihr hattet ist vom Arbeitgeber nicht respektiert und anerkannt worden. Lohnverzicht durch Tariflosigkeit ist nicht akzeptabel und muss, notfalls durch Streik, ans Licht gezogen werden« schrieb den Kolleg*innen die ver.di Betriebsgruppe der Asklepios Klinik in Lindau am Bodensee.

Auch aus den Schwalm-Eder-Kliniken wurde den Streikenden viel Unterstützung zugesprochen, denn dort kennt man die Situation selbst allzu gut: »Wir wissen, was es heißt, mit schlechten Löhnen abgespeist zu werden, denn auch hier bei uns in Nordhessen verweigert die Geschäftsführung den Beschäftigten einen Tarifvertrag auf dem Niveau des TVöD. Andere Kliniken in der Region zahlen auf diesem Niveau – oder besser. Deshalb sehen sich auch bei uns immer wieder Kolleg*innen gezwungen, den Asklepios Konzern zu verlassen, um angemessen entlohnt zu werden, um sich eine bessere Altersversorgung zu sichern.«

In der Asklepios Klinik Lindenlohe in Bayern ließen die Kolleg*innen über 200 Luftballons steigen: »Wir haben heute 224 Luftballons in den Himmel gesendet um gemeinsam in den Tarifhimmel zu kommen. Gemeinsam haben wir jetzt die Chance und deshalb lasst uns mutig für unsere Forderungen einstehen.«

Aus dem hohen Norden meldeten sich die Kolleg*innen aus Hamburg, die bereits den Schutz eines Tarifvertrags genießen: »Euer Kampf für eine gerechte Lohngestaltung, also einen Tarifvertrag unterstützen wir ausdrücklich und das auch gerade, weil unsere Arbeit hier in Hamburg nach einem guten, auch erkämpften Tarifvertrag bezahlt wird.« Ähnlich äußerten sich auch die Kolleg*innen des Asklepios Westklinikum in Hamburg: »Wir werden euch unterstützen, mag es auch lange dauern!«

»Die Weigerung von Asklepios, mit der Gewerkschaft ver.di Tarifverhandlungen zu führen, empfinden wir als Skandal. Der Druck von Asklepios auf Betriebsräte, unter Friedenspflicht Arbeitsbedingungen auf der Betriebsebene zu verhandeln, muss beendet werden!« forderte der Betriebsrat am Asklepios Fachklinikum in Stadtroda in Thüringen in seiner Solidaritätsbotschaft. 

Und auch der Betriebsrat der Asklepios Neurologischen Klinik Falkenstein unterstützt die Seesener Kolleg*innen im Kampf für einen Tarifvertrag: »Wir bedanken uns bei allen Beschäftigten eurer Klinik, dass sie den Mut und die Entschlossenheit haben, für dieses Ziel zu streiken und wünschen euch viel Durchhaltevermögen!«

Die ver.di Betriebsgruppe der Asklepios Klinik in Langen steht ebenso hinter den Forderungen der Streikenden in Seesen: »Ihr braucht ein gutes Tarifniveau, deshalb fordert ihr den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes in der Fassung der Krankenhäuser – ja, was denn auch sonst!« Auch die Kolleg*innen der Asklepios Klinik in Lich unterstützten die Streikenden, sie organisierten eine öffentliche Mahnwache auf dem Gehweg vor ihrer Klinik.

Nicht zuletzt erklärten sich in Seesen selbst die Beschäftigten der Service Technik GmbH von Asklepios mit dem aktuellen und zukünftigen Streiktagen solidarisch. Sie hatten eine halbstündige »Aktive Mittagspause« vor dem Haupteingang abgehalten, »um auch unseren Unmut über die momentane Lage unserer Klinik zum Ausdruck zu bringen« hieß es in ihrer Unterstützungsbotschaft.

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