Asklepios

Tarifblockade bei Asklepios

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Tarifblockade bei Asklepios

Belegschaften kämpfen für Tarifverträge

Denn Asklepios hat offensichtlich nichts verstanden

Die Beschäftigten des privaten Asklepios-Konzerns verdienen mancherorts bis zu 1.000 Euro weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in öffentlichen Krankenhäusern. Schluss damit!

Wir halten zusammen für ordentliche Tarife bei Asklepios werkzwei Wir halten zusammen für ordentliche Tarife bei Asklepios

Ginge es nach dem Arbeitgeber, so soll in den Schildautal-Kliniken im niedersächsischen Seesen ab dem 1. Januar 2020 ein Physiotherapeut mit schwierigen Tätigkeiten, etwa in der Neurologie, nach zehn Jahren nur 2.887,47 Euro verdienen – in einem kommunalen Haus wären es 3.843,43 Euro. Und auch in anderen Berufsgruppen liegt die Bezahlung oft mehrere hundert Euro unter dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TvöD).

Arbeitskampf in Seesen

In einigen Kliniken machen sich die Belegschaften nun auf, Tarifverträge durchzusetzen. Sie nehmen nicht länger hin, dass sie finanziell abgehängt sind. Sie wollen genauso viel verdienen wie ihre Kolleg*innen in kommunalen Krankenhäusern. Doch noch stellt die Konzernleitung auf Durchzug. Dort scheint noch nicht angekommen zu sein, dass sich Beschäftigte im Gesundheitswesen ihren Arbeitgeber inzwischen oftmals aussuchen können. In der Schildautal-Klinik in Seesen, einer Akut- und Reha-Klinik in der Nähe von Göttingen, gab es bereits drei Warnstreiks. Mehr als 200 Beschäftigte legten am 16. Juli dieses Jahres die Arbeit nieder. Rund einen Monat später waren es 220. Am 6. und 9. September legten die Kolleg*innen noch eine Schippe drauf und streikten zwei Tage lang. Sie wollen einen Tarifvertrag auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes durchsetzen. Dabei können sie auf die breite Unterstützung ihrer Kolleg*innen in weiteren Häusern des Konzerns zählen. Überwältigend viele Solidaritätsbotschaften und -fotos erreichten die Streikenden. Auch die Politik hat Unterstützung signalisiert. So nahm der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) den Klinikkonzern bei einem Treffen mit der Streikleitung in die Pflicht: »Ich erwarte, dass Asklepios mit der Gewerkschaft ver.di redet.«

Zurzeit gibt es in Seesen eine sogenannte Arbeits- und Sozialordnung, in der der Arbeitgeber einseitig die Lohnhöhe festgelegt hat. Als klar wurde, dass die Beschäftigten einen Tarifvertrag wollen, hat das Management schnell Änderungen vorgeschlagen. Doch diese sehen für den Reha-Bereich sogar noch Verschlechterungen vor. Damit will der Arbeitgeber die Belegschaft spalten. Das lassen die Kolleg*innen in Seesen nicht mit sich machen und bleiben bei ihrer Tarifforderung. Oliver Kmiec, Mitglied der ver.di-Streikleitung und Betriebsratsvorsitzender, betont: »Wir wollen nicht wie vom Arbeitgeber gefordert nur als Betriebsrat über die Struktur der Gehälter verhandeln. Wir wollen als Gewerkschaft auf Augenhöhe über einen umfassenden Tarifvertrag verhandeln, insbesondere über die Höhe der Gehälter. Diesen Weg gehen wir jetzt – geschlossen organisiert in ver.di.«

Sein Kollege Martin Kupferschmidt, der ebenfalls in der ver.di-Streikleitung aktiv ist, ergänzt: »Wir müssen den Druck erhöhen, auch wenn wir uns viel lieber um unseren eigentlichen Job, die bestmögliche Versorgung der Patienten, kümmern würden.« Auch die Drohung des Arbeitgebers, sämtliche Therapiebereiche auszugliedern, hält die Kolleginnen und Kollegen nicht davon ab, für einen guten Tarifvertrag zu
kämpfen.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Krankenhaus, Asklepios, ver.di Klare Mehrheit für Tarifvertrag – die Beschäftigten der Seesener Klinik präsentieren 635 Unterschriften.

Lindenlohe – 14 Jahre Stillstand

Ähnlich sieht es in der bayerischen Asklepios-Klinik Lindenlohe in Schwandorf aus. Das ver.di-Mitglied Anton Hösl, der in der Verwaltung des Standorts arbeitet, klagt: »Wir haben seit 14 Jahren Stillstand bei den Löhnen.«

Für einen großen Teil der Beschäftigten gibt es einen uralten Tarifvertrag der wirtschaftsfreundlichen »Gewerkschaft« DHV. Ob der DHV überhaupt tarifmächtig ist und Tarifverträge abschließen kann, wird derzeit vor Gericht geprüft. Weil sich endlich etwas bewegen soll, nahm im Juli fast die Hälfte der Beschäftigten an einer aktiven Mittagspause teil. Zwischenzeitlich wurde auch hier der Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Die falsche Behauptung, man könne wegen des DHV-»Tarifvertrags« nicht mit ver.di verhandeln, zieht bei den Kolleginnen und Kollegen nicht. Sie wissen es besser. Margit Berkmann, Betriebsratsvorsitzende und aktiv in der ver.di-Betriebsgruppe, bekräftigt: »Wir fordern einen gerechten Lohn für unsere Arbeit.«

In Lindenlohe droht der Arbeitgeber ebenfalls mit der Ausgliederung der Therapiebereiche.

»Wir fordern einen gerechten Lohn für unsere Arbeit.«

Margit Berkmann, Betriebsratsvorsitzende und aktiv in der ver.di-Betriebsgruppe

Lich – Wachsender Druck zeigt erste Wirkung

Auch im hessischen Lich wollen die Beschäftigten schon seit langem einen Tarifvertrag auf TVöD-Niveau. Eine vom Arbeitgeber angebotene neue Arbeits- und Sozialordnung haben die Kolleginnen und Kollegen im vergangenen Jahr mit großer Mehrheit abgelehnt, obwohl diese eine Gehaltserhöhung gebracht hätte. Die Beschäftigten wollen eine verlässliche Regelung und lassen sich nicht mehr billig abspeisen. Sie fordern einen Tarifvertrag. An mehreren Aktionstagen haben jeweils mehr als 130 Beschäftigte unter dem Motto »Wir sind es wert!« vor dem Klinikeingang für die Aufnahme von Tarifverhandlungen protestiert. Über 300 der rund 500 Klinikbeschäftigten haben sich an einer Unterschriftenaktion beteiligt. Auf den wachsenden Druck hat der Arbeitgeber mit einer widerrufbaren Gehaltserhöhung für die Pflege reagiert. Saskia Teepe, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di-Mittelhessen: »Das ist ein erster Teilerfolg. Aber alle Kolleginnen und Kollegen in der Klinik haben gute Löhne und einen Tarifvertrag verdient. Deshalb geben wir keine Ruhe.«

Sylt – Entgeltordnung per Zwang

In der Asklepios-Nordseeklinik Sylt haben die Ärztinnen und Ärzte einen Tarifvertrag. Für die nicht-ärztlichen Beschäftigten hat der Arbeitgeber den Betriebsrat per Gericht und Einigungsstelle zur Verhandlung über Entlohnungsgrundsätze gezwungen. Auch auf Sylt will der Arbeitgeber  also einseitig festlegen, was die nicht-ärztlichen Beschäftigten verdienen. Nach Ansicht des ver.di-Betriebsgruppensprechers Jörg von Böhlen und seiner Kolleg*innen wird es der Nordseeklinik erst dann gelingen, dringend benötigtes neues Personal auf die Insel zu bekommen, »wenn es endlich, wie in anderen Kliniken üblich, einen Tarifvertrag gibt«.

Beispiele, wie wenig man bei Asklepios verdient

Im niedersächsischen Seesen käme laut aktuellem Arbeitgeberangebot eine Intensivpflegekraft nach zehn Jahren Betriebszugehörigkeit auf 3.333,59 Euro. Ein paar Kilometer weiter, im Städtischen Klinikum Wolfenbüttel, würde sie 3.509,06 Euro und ab dem 1. März 2020 dann 3.545,70 Euro verdienen. Im TVöD kommen eine Jahressonderzahlung, ein Krankengeldzuschuss bei längerer Erkrankung und Weiteres hinzu.

Im bayerischen Lindenlohe erhält eine seit 20 Jahren tätige Gesundheits- und Krankenpflegerin bei einer 40-Stunden-Woche mit jährlich 29 Urlaubstagen 3.178,43 Euro. Im nahegelegenen Kreiskrankenhaus Parsberg würde sie 3.502,98 Euro bei einer 38,5-Stunden-Woche mit 30 Tagen Urlaub erhalten. Ab dem 1. März 2020 wären es 3.539,56 Euro.

Im hessischen Lich verdient eine Hebamme nach zehn Jahren 2.802,04 Euro brutto. Wäre sie im benachbarten Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim tätig, würde sie nach vergleichbarer Zeit 3.367,37 Euro bekommen.

Beschäftigte bei Asklepios verdienen vielerorts schlecht, weil ihr Arbeitgeber hohe Gewinne machen will. Seit 2016 wurden dem Krankenhausbetrieb 300 Millionen Euro entnommen, um unter anderem Luxushotels in Hamburg und am Genfer See zu kaufen.

Nicht überall verweigert Asklepios Tarifverträge, rund ein Drittel der Beschäftigten hat den Schutz eines Tarifvertrages. Und immer mehr Beschäftigte, die keinen Tarifvertrag haben, warten nicht länger, bis ihr Arbeitgeber die Zeichen der Zeit verstanden hat. Sie organisieren sich in ver.di, schließen sich zusammen und machen sich stark für gute Arbeitsbedingungen und bessere Löhne. Abgesichert über einen Tarifvertrag.

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