Asklepios

Asklepios-Beschäftigte geben nicht auf

Streik

Asklepios-Beschäftigte geben nicht auf

Erneut streiken gut 180 Beschäftigte im niedersächsischen Seesen. ver.di-Mitglieder im bayerischen Lindenlohe lehnen Betriebsvereinbarung ab und beharren auf Tarifvertrag.
Streikende in Warnwesten, Gruppenbild ver.di Streik an der Asklepios-Klinik in Seesen, Februar 2020

Die Beschäftigten des privaten Klinikbetreibers Asklepios geben keine Ruhe. Sie wollen Tarifverträge und lassen sich weder durch angebotene Betriebsvereinbarungen ködern noch durch Outsourcing einschüchtern. Am Dienstag (18. Februar 2020) legten erneut gut 180 Beschäftigte der Schildautalkliniken im niedersächsischen Seesen ganztägig die Arbeit nieder. Auf einer Streikkonferenz debattierten sie die nächsten Schritte in dem seit Monaten andauernden Tarifkonflikt. Auch im bayerischen Lindenlohe wollen die Kolleginnen und Kollegen nicht aufgeben. Die ver.di-Mitglieder lehnten das Angebot einer Betriebsvereinbarung zum Entgelt mit großer Mehrheit ab. Sie fordern weiterhin einen Tarifvertrag auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes.

»Unser Ziel bleibt die Angleichung der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen an den branchenüblichen Tarifvertrag«, betonte die Krankenpflegehelferin Sandra Grundmann am Dienstag in Seesen. »Nur so können wir dringend benötigtes Personal gewinnen und die Schildautalklinik retten.« Martin Kupferschmidt von der ver.di-Streikleitung verwies darauf, dass die renommierte Klinik seit Jahrzehnten hohe Gewinne abwirft – »und zwar auf Kosten der Beschäftigten und zu Lasten der Patienten«. Nur mit guten Arbeitsbedingungen und einer Bezahlung auf dem Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD) könne genug qualifiziertes Personal gewonnen werden.

Wie bei den vorangegangenen Arbeitsniederlegungen weigerte sich das Asklepios-Management, eine Notdienstvereinbarung zu unterschreiben. Daraufhin organisierten die Streikenden eigenständig einen Notdienst, um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu gewährleisten. »Wir organisieren den Streik so, dass wir Asklepios treffen, die absolut notwendige Patientenversorgung aber nicht gefährden«, erläuterte Kupferschmidt.

Wieder mit von der Partie waren am Dienstag die Therapeutinnen und Therapeuten, die zum 1. Januar in die Asklepios Therapie GmbH ausgegliedert worden waren. ver.di hat auch diese Gesellschaft zu Tarifverhandlungen aufgefordert und ihre Beschäftigten zum Streik aufgerufen. Einer von ihnen, der Physiotherapeut Gabor Wuttke, warnte, die Zerschlagung gut integrierter Teams durch die Ausgliederung könne die Qualität der Patientenversorgung massiv gefährden. Insgesamt setze der Sparkurs des kommerziellen Betreibers die Zukunft der Schildautalkliniken aufs Spiel. »Deshalb muss Asklepios jetzt an den Verhandlungstisch kommen. Erfolgt das nicht, werden wir mehr Druck aufbauen: Wir werden länger und härter streiken.«

Weiter eskalieren könnte die Tarifauseinandersetzung auch in Lindenlohe. Als Reaktion auf Streiks hatte das Unternehmen dort eine Betriebsvereinbarung angeboten, die zwar einige Verbesserungen enthält, aber immer noch deutlich unter dem Niveau des TVöD liegt. Zudem versucht der Konzern, mit dem Angebot einen Keil zwischen Pflegekräfte und andere Beschäftigte zu treiben. Die Bezahlung der Ersteren soll laut Offerte auf 97 Prozent des TVöD-Niveaus angehoben werden, für Beschäftigte außerhalb der Pflege aber nur auf 92 Prozent. Zudem ist eine Betriebsvereinbarung anders als ein Tarifvertrag nicht individuell einklagbar. Aus diesen Gründen hat sich die große Mehrheit der ver.di-Mitglieder in Lindenlohe in einer Abstimmung für weitere Aktionen ausgesprochen und die Offerte abgelehnt. Ihr Ziel bleibt ein verbindlicher Tarifvertrag – mit Bedingungen wie im TVöD.

  • 1 / 3

Weiterlesen

Kontakt

  • Uwe Ostendorff

    Kran­ken­häu­ser, Kon­zern­be­treu­ung

    030/6956-1849

  • David Matrai

    Lan­des­fach­be­reichs­lei­ter Nie­der­sach­sen-Bre­men

    0511 / 12 400 250