Asklepios

Ein Jahr Arbeitskampf in Seesen

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Ein Jahr Arbeitskampf in Seesen

Zum Jubiläum und nach coronabedingter Unterbrechung streiken Beschäftigte der Asklepios-Schildautalkliniken drei Tage und protestieren mit Menschenkette für Tarifvertrag.
Menschenkette für einen Tarifvertrag an den Schildautalkliniken ver.di Menschenkette für einen Tarifvertrag an den Schildautalkliniken

Die Beschäftigten der Asklepios-Schildautalkliniken im niedersächsischen Seesen beweisen Ausdauer – und stellen klar, dass sie sich nicht spalten lassen. Vom 14. bis zum 16. Juli 2020 legten sie erneut die Arbeit nieder. Vor genau einem Jahr, am 16. Juli 2019, hatten sie ihren Arbeitskampf für einen Tarifvertrag auf branchenüblichem Niveau begonnen. Die Konzernleitung reagierte mit Einschüchterungsversuchen und der Ausgliederung der Therapieabteilung. Ohne Erfolg. Und auch der aktuelle Spaltungsversuch läuft ins Leere.

Zuletzt sah es so aus, als könnte die Asklepios-Spitze ihre Totalblockade aufgeben. Der Vorstandsvorsitzende Kai Hankeln unterbereitete ver.di ein vages Gesprächsangebot, wohl auch als Reaktion auf Druck durch die Politik. Die Beschäftigten wären darauf gerne eingegangen. Sie waren auch bereit, nur für einen Teilbereich, die Akutversorgung, Sondierungsgespräche über einen Tarifvertrag aufzunehmen. Doch der Konzernchef zog das Gesprächsangebot gleich wieder zurück, als die Beschäftigten nicht zusätzlich bereit waren, eine weitere Vorbedingung zu erfüllen: die Tarifforderung für den Reha-Bereich und die Therapeut*innen fallen zu lassen. »Asklepios versucht abermals, uns zu spalten, und setzt damit auch das Renommee unserer Klinik aufs Spiel«, kommentiert die Therapeutin und ver.di-Teamdelegierte Gesa Hegerhorst. »Denn wir arbeiten alle Hand in Hand. Nur wenn alle faire Tariflöhne und gute Arbeitsbedingungen haben, können wir die Patientenversorgung verbessern und Personal für unser Haus gewinnen.«

Asklepios-Beschäftigte in Seesen demonstrieren am 14. Juli 2020 für einen Tarifvertrag. ver.di Asklepios-Beschäftigte in Seesen demonstrieren am 14. Juli 2020 für einen Tarifvertrag.

Um das zu unterstreichen, beteiligten sich zum Streikauftakt am Dienstag (14. Juli 2020) rund 200 Beschäftigte und Unterstützer*innen an einer Menschenkette. ver.di zeigte sich mit der Beteiligung von täglich mehr als 100 Streikenden sehr zufrieden. Als sich der Coronavirus Mitte März exponentiell verbreitete, hatte die Gewerkschaft die Streiks vorübergehend ausgesetzt. Angesichts der aktuell niedrigen Infektionszahlen konnte der Ausstand zum Jahrestag nun wieder aufgenommen werden. Sensible Bereiche und die Zentrale Notaufnahme wurden allerdings nicht bestreikt, die Versorgung von Notfällen und der Betrieb von Corona-relevanten Stationen wurde nicht beeinträchtig. »Darüber hinaus haben wir an unserem Aktionstag auf das Abstandhalten geachtet und uns unter freiem Himmel zu einer Menschenkette getroffen«, erläutert der Betriebsratsvorsitzende Oliver Kmiec, der auch der ver.di-Streikleitung angehört.

Während der Pandemie hätten die Beschäftigten der Krankenhäuser viel öffentliche Anerkennung erfahren. Das müsse sich in einer angemessenen, tariflich gesicherten Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen niederschlagen, so der Tenor. »Die größte Anerkennung der Geschäftsführung für die Leistungen der Asklepios-Beschäftigten in der Corona-Krise wäre es, an den Verhandlungstisch zu kommen und mit ver.di einen fairen Tarifvertrag für alle Beschäftigten des Hauses zu verhandeln«, betont Kmiec. Dennoch lehnt das Management reguläre Tarifverhandlungen weiterhin kategorisch ab und erklärt gegenüber den Medien, man führe stattdessen Gespräche mit dem Betriebsrat.

Das Betriebsratsmitglied Martin Kupferschmidt von der ver.di-Streikleitung nennt das »eine Missachtung unserer demokratischen Grundrechte«. Die Unternehmensleitung wisse genau, dass Betriebsräte keine Tarifverträge aushandeln dürften. Vor der sogenannten Einigungsstelle gehe es ausschließlich um Grundsätze zur Vergütungsstruktur, nicht um die Höhe der Bezahlung. Das Beharren der Asklepios-Manager auf Verhandlungen mit dem Betriebsrat »ist und bleibt Blendwerk«.

Der ver.di-Sekretär Patrick von Brandt nannte es skandalös, dass die Forderungen der als »systemrelevante Helden des Alltags« gefeierten Klinikbeschäftigten jetzt ignoriert würden. »Asklepios muss endlich seinen Beschäftigten Respekt erweisen und an den Verhandlungstisch kommen.« Dass sie den Mut und die Ausdauer haben, dafür weiter Druck zu machen, haben die Beschäftigten der Seesener Klinik schon hinlänglich bewiesen.

120 Beschäftigte auf Streikkonferenz – Auftakt für insgesamt 5 Tage Streik

Pressemitteilung, Seesen, 30.07.2020. Seit über einem Jahr kämpfen die Beschäftigten der Asklepios Schildautal Klinik in Seesen für eine Angleichung an den TVöD. Am Donnerstag kamen die Kollegen nach langer Corona-Pause erstmals wieder zu einer Streikkonferenz zusammen. Mitten in den Sommerferien versammelten sich 120 Beschäftigte im Steinway-Park. Das zentrale Thema: Die Streikplanung für die nächsten Wochen.

Gewerkschaftssekretär Jens Havemann: „Weil der Asklepioskonzern weiter blockiert, müssen die Beschäftigten den Streikeffekt erhöhen. Streiken im Krankenhaus ist schwer. Die Streiks sollen den Arbeitgeber unter wirtschaftlichen Druck setzen, gleichzeitig wollen die Kolleg*innen ihre Patienten natürlich auf keinen Fall gefährden. Deshalb dosieren wir den Streik sehr vorsichtig und setzen einen Notdienst ein. Die Ausweitung der Streiks muss also sehr zielgerichtet geplant werden.

Auch bei diesem Streik hatte die Geschäftsführung mit Streikbruchprämien, Drohungen und Dienstverpflichtungen versucht die Rechte der Beschäftigten zu beschneiden. Zudem wurden in der Therapie-Gmbh Beschäftigte aus Bad Salzungen als „Streikbrecher“ eingesetzt.

Martin Kupferschmidt, Mitglied der Tarifkommission, erklärt dazu: „Wir lassen uns nicht einschüchtern und auch auf den kurzfristige Einsatz von Fremdpersonal werden wir klare Antworten geben. Um die Zukunft der Klinik zu sichern, brauchen wir dringend mehr Personal für Seesen. Das bekommen wir nur mit guten Arbeitsbedingungen und dem konkurrenzfähigen Tarifvertrag TVöD. Alles andere schadet den Patienten, den Beschäftigten und der Klinik. Deshalb sind wir so entschlossen.“

Am kommenden Montag (3. August 2020) treffen sich die Beschäftigten erneut zu einer Kundgebung und Menschenkette in der Seesener Innenstadt. Die Menschenkette startet gegen 10:30 Uhr, die Kundgebung findet gegen 11 Uhr auf dem Jacobsonplatz statt.

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