AMEOS

Ameos: Blockade gebrochen

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Ameos: Blockade gebrochen

Nach zweieinhalb Streikwochen ist das Unternehmen endlich bereit, für seine Kliniken in Sachsen-Anhalt Tarifverhandlungen aufzunehmen. ver.di setzt Streik für vier Wochen aus.
Menschen mit Warnwesten Christian Jungeblodt Streik der Ameos-Beschäftigten in Sachsen-Anhalt. Aschersleben, 29. Januar 2020

In den Tarifkonflikt bei den Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt kommt Bewegung. Am späten Dienstagnachmittag (12. Februar 2020) stimmte das Unternehmen in einem dreistündigen Sondierungsgespräch erstmals zu, Tarifverhandlungen mit ver.di aufzunehmen. Diese sollen am kommenden Donnerstag (20. Februar 2020) beginnen. ver.di hat den Ausstand daraufhin für die Dauer von vier Wochen ausgesetzt. »Die Kolleginnen und Kollegen sind erleichtert, dass nun endlich konstruktive Verhandlungen geführt werden sollen«, erklärt Thomas Mühlenberg, der im ver.di-Landesfachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen für Tarifpolitik zuständig ist. »Sie haben aber auch klargemacht: Wenn der Arbeitgeber nicht schnell verhandlungsfähige Angebote macht, sind sie bereit, wieder in Aktion zu treten.« Zudem erwartet die Gewerkschaft, dass Ameos die mindestens 14 Kündigungen von Beschäftigten zurücknimmt, die sich an Streiks beteiligt hatten.

Der erhebliche und anhaltende Druck aus Politik und Öffentlichkeit habe beim Management ein Umdenken bewirkt, vermutet Mühlenberg. »Der Imageschaden hat Ameos empfindlich getroffen.« Nicht nur bei einer großen Demonstration durch Magdeburg am 5. Februar hatten etliche Bundes- und Landespolitiker*innen verschiedener Parteien ihre Unterstützung für die Beschäftigten bekundet. Womöglich hat die öffentliche Debatte auch dazu beigetragen, dass Ameos im Bieterrennen um die Burgenlandkliniken gegenüber der SRH-Gruppe Ende Januar den Kürzeren gezogen hat. Die Verantwortlichen bei Ameos waren in den vergangenen Wochen mit Protestmails aus ganz Deutschland und vielen anderen Ländern geradezu bombardiert worden – allein 6.384 Menschen beteiligten sich an der weltweite Kampagne der gewerkschaftlichen Online-Plattform »LabourStart«.

»Die unglaubliche Solidarität war für die Streikenden ganz wichtig«, betont Mühlenberg. »Das hat mit dazu beigetragen, dass die Streikbereitschaft nie nachgelassen hat.« ver.di-Landesbezirksleiter Oliver Greie nannte die Aufnahme von Tarifverhandlungen und die Aussetzung des Streiks »den richtigen Weg, um den Beschäftigten eine tarifvertraglich geregelte Perspektive aufzuzeigen und die Versorgung der Patienten in gewohntem Maße fortzusetzen«. Die ver.di-Tarifkommission hatte der Streikunterbrechung am Dienstagabend zugestimmt. »Die Kolleginnen und Kollegen wollen nichts anderes, als ihre Patienten bestmöglich zu versorgen – unter guten Arbeitsbedingungen und mit einer angemessenen Bezahlung«, erläutert Mühlenberg. »Das Unternehmen hat es in der Hand, mit einem guten Tarifvertrag dafür zu sorgen, dass endlich wieder Ruhe einkehrt. Das wäre für die Beschäftigten, die Klinikstandorte und die Menschen in der Region das Beste.«

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