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Drohungen steigern Streikbereitschaft

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Drohungen steigern Streikbereitschaft

Über 500 Beschäftigte in vier Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt legen ganztägig die Arbeit nieder. Einschüchterungsversuche und Pseudo-Angebote haben sie davon nicht abgehalten.

Über 500 Beschäftigte in vier Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt legen ganztägig die Arbeit nieder. ver.di Über 500 Beschäftigte in vier Ameos-Kliniken in Sachsen-Anhalt legen ganztägig die Arbeit nieder.

»Das ist die richtige Antwort auf die Drohungen des Arbeitgebers«, erklärt Bernd Becker, der bei ver.di in Sachsen-Anhalt für das Gesundheitswesen zuständig ist, am Freitagmorgen (8. November 2019). Mehr als 500 Beschäftigte der Ameos-Kliniken Aschersleben-Staßfurt, Schönebeck, Haldensleben und Bernburg sind dem Aufruf der Gewerkschaft zu einem ganztägigen Warnstreik gefolgt. Ihr Ziel: So bezahlt zu werden, wie es in den Akutkrankenhäusern der Region sonst üblich ist. Anders als diese sind die Standorte des für seinen ruppigen Umgang mit Beschäftigtenrechten bekannten Schweizer Konzerns nicht tarifgebunden. Die Kolleginnen und Kollegen sind entschlossen, das zu ändern – und lassen sich davon auch nicht durch Einschüchterungsversuche und Pseudo-Angebote abbringen.

Bereits im Juli hatte ver.di die vier betroffenen Kliniken zu Tarifverhandlungen aufgefordert. Doch keine Reaktion. Der Warnstreik sei die logische Folge, so ver.di-Verhandlungsführer Becker. In einer Mail an die Beschäftigten bestreitet das Management diese Darstellung. Man habe die Ankündigungen der Gewerkschaft nicht ignoriert, sondern darauf reagiert, heißt es in dem Schreiben. Die »Reaktion« bestand allerdings lediglich darin, einseitige Gehaltserhöhungen anzukündigen, und das erst für 2020. »Die Kolleginnen und Kollegen sagen, dass sie solche Ankündigungen schon oft gehört haben«, berichtet Becker. »Doch das hat sich stets als heiße Luft herausgestellt.«

Warnstreik bei vier AMEOS-Kliniken ver.di Warnstreik bei vier AMEOS-Kliniken

Seit Übernahme der einst kommunalen Kliniken durch Ameos 2012 sind die Einkommen eingefroren. Dadurch sinken die Reallöhne von Jahr zu Jahr. Mittlerweile liegen sie deutlich unter dem, was in vergleichbaren Krankenhäusern der Region bezahlt wird. So verdienen Krankenpfleger*innen nach ver.di-Berechnungen durchschnittlich 500 Euro monatlich weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Häusern. »Das ist nicht nur für die Betroffenen ein Problem«, betont Becker. »Mit der schlechteren Bezahlung wird es den Kliniken auf Dauer nicht gelingen, genügend Fachkräfte zu gewinnen und zu halten – es geht also auch um die Zukunft der Standorte und die Versorgungsqualität.« Um die Bezahlung auf das Niveau anderer Krankenhäuser anzuheben, fordert ver.di den Abschluss eines Anwendungstarifvertrags zum Flächentarif TVöD.

Gemeinsam für gute Löhne und Arbeitsbedingungen. ver.di Gemeinsam für gute Löhne und Arbeitsbedingungen.

Doch statt auf die Beschäftigten zuzugehen und in Tarifverhandlungen mit ver.di einzusteigen, setzt die Ameos-Spitze auf Drohungen. In dem genannten Rundschreiben heißt es, die Forderungen von ver.di und der Streik würden »massive Auswirkungen auf die Sicherheit der Arbeitsplätze an den Klinikstandorten haben«. Die »Schließung von Abteilungen« sei dann »nicht mehr ausgeschlossen«. Der Gewerkschafter Becker weist diesen Einschüchterungsversuch zurück. Zwischen möglichen Abteilungsschließungen und dem Streik bestehe keinerlei Zusammenhang. »Das ist ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die jeden Tag mit viel Hingabe in den Kliniken dafür sorgen, dass die Patientinnen und Patienten gut versorgt werden – und die nicht mehr verlangen als eine angemessene Bezahlung per Tarifvertrag.« Sie täten das sehr verantwortungsvoll, betont Becker. Mehrfach habe ver.di dem Arbeitgeber den Abschluss einer Notdienstvereinbarung angeboten, doch auch darüber wollte der Konzern nicht verhandeln, weshalb die Beschäftigten diese im Streik einseitig umsetzten.

Genutzt haben die Drohungen dem Klinikbetreiber nicht, die Kolleginnen und Kollegen ließen sie sich dadurch nicht von einer Streikteilnahme abbringen. »Der Arbeitgeber hat genau das Gegenteil dessen erreicht, was er wollte: Die Leute sind jetzt noch entschlossener, sich für ihre Rechte einzusetzen«, bilanziert Becker. »Ich hoffe, dass diese Botschaft bei Ameos ankommt und der Konzern endlich Tarifverhandlungen mit ver.di führt, damit wir gemeinsam für gute Löhne und Arbeitsbedingungen sorgen können. Andernfalls machen wir weiter Druck.«

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