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Kieler Servicekräfte bald mit TVöD

Servicegesellschaft

Kieler Servicekräfte bald mit TVöD

Ab 2024 gilt in Klinik-Servicegesellschaft der Flächentarifvertrag.


Sie haben demonstriert und gestreikt. Sie haben sich vernetzt und gewerkschaftlich organisiert. Sie haben viele, viele Gespräche mit Politiker*innen aller Parteien, außer der rechtspopulistischen AfD, geführt. Jetzt sind sie fast am Ziel: Die Servicekräfte am Städtischen Krankenhaus Kiel sollen ab 2024 den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bekommen. Das hat die Ratsversammlung Ende Oktober mit überwältigender Mehrheit beschlossen.

Die Servicekräfte des Städtischen Krankenhauses Kiel zeigen Flagge für den Tarifvertrag. ver.di Die Servicekräfte des Städtischen Krankenhauses Kiel zeigen Flagge für den Tarifvertrag.

Auf dem Weg zum Flächentarif sollen laut Ratsbeschluss »kurzfristig adäquate Verbesserungen der Einkommenssituation« in der hundertprozentigen Tochter des Städtischen Krankenhauses vereinbart werden. Hier hakt es noch. Die Geschäftsleitung verweigert kurzfristige Gehaltserhöhungen, solange die Stadt deren Finanzierung nicht verbindlich zusagt. Deshalb hat die ver.di-Tarifkommission beschlossen, die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik einzuleiten, falls sich in den kommenden Wochen nichts bewegt.

»Der erste und wichtigste Schritt war, dass sich die Servicekräfte zusammengeschlossen haben«, betont der ver.di-Vertrauensleutesprecher des Klinikums, Helmut Oeverdieck. Zu Beginn der Auseinandersetzung habe ver.di in der Servicegesellschaft nur eine Handvoll Mitglieder gehabt. Jetzt ist über die Hälfte der 200-köpfigen Belegschaft gewerkschaftlich organisiert. »Beim Streik haben sie gemerkt: Das bringt was und macht auch noch Spaß«, berichtet Oeverdieck. Physiotherapeut*innen machten eine Spendensammlung, um die Streikenden mit Kaffee zu versorgen. Auch viele andere Kolleg*innen aus der Klinik und in der Bevölkerung zeigten sich solidarisch.

Immer wieder machten die Beschäftigten mit öffentlichen Protesten darauf aufmerksam, dass sie bis zu 800 Euro monatlich weniger verdienen als nach dem TvöD. Das wirkte. Der Stadtrat beschloss nicht nur die Einführung und Refinanzierung des TVöD ab 2024. Er machte auch die Wiedereingliederung der Servicegesellschaft zum »erklärten Ziel«, dessen Umsetzung die Stadtverwaltung nun prüft. »Die Rückkehr ins Krankenhaus wäre absolut richtig«, ist Oeverdieck überzeugt. »Denn für eine gute Versorgung werden alle gebraucht – auch der Service.«

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