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Kein Nachtdienst für Ältere

Rettungsdienst

Kein Nachtdienst für Ältere

Betriebsrat beim DRK-Rettungsdienst Rhein-Mosel-Eifel GmbH hat eine Vereinbarung geschlossen, die den schrittweisen Ausstieg älterer Beschäftigter aus dem Nachtdienst vorsieht.
Frank Fuchs privat Frank Fuchs  – Frank Fuchs ist Betriebsratsvorsitzender beim DRK-Rettungsdienst Rhein-Mosel-Eifel GmbH.


drei: Ihr habt eine Betriebsvereinbarung geschlossen, die den schrittweisen Ausstieg älterer Beschäftigter aus dem Nachtdienst vorsieht. Dafür erhaltet ihr den diesjährigen »DGB-Innovationspreis Mitbestimmung«, der Mitte Dezember (nach Redaktionsschluss) verliehen wird. Was konkret habt ihr vereinbart und warum ist das preiswürdig?

Rettungsdienst mit Schichtarbeit ist generell belastend. Mit steigendem Alter wird besonders die Belastung im Nachtdienst als sehr stark empfunden. Dies wird auch durch wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt. Deshalb haben wir per Betriebsvereinbarung festgelegt, dass Beschäftigte ab 50 Jahren beantragen können, die Nachtschichten um die Hälfte und ab 53 Jahren um Dreiviertel zu reduzieren. Wer 55 ist, kann komplett aus dem Nachtdienst aussteigen.

Wie habt ihr das erreicht?

Eine unserer insgesamt zwölf Rettungswachen hatte das schon länger praktiziert, allerdings ohne schriftliche Vereinbarung. Wir wollten das rechtssicher machen und auf alle Rettungswachen ausweiten. Schnell war klar, dass das nur über eine Betriebsvereinbarung geht. Nach 18 Monaten und mehr als 20 Verhandlungsrunden waren wir am Ziel.

Warum ist es für die älteren Kolleg*innen im Rettungsdienst so wichtig, weniger nachts zu arbeiten?

Sie haben zum Teil noch mit einer 54-Stunden-Woche angefangen. Mittlerweile stehen 45 Wochenstunden im DRK-Reformtarifvertrag. Diese langen Arbeitszeiten – und insbesondere die Nachtdienste – werden gerade mit steigendem Lebensalter als sehr belastend erlebt. Dieses Problem wollten wir angehen.

Was sagen die jüngeren Kolleg*innen dazu, die ja wahrscheinlich mehr Nachtdienste machen müssen?

Sie finden das grundsätzlich gut. Im Moment macht es ihnen zumeist nichts aus, mehr Nachtdienste zu machen und damit die entsprechenden Zuschläge zu erhalten. Und sie wissen, dass sie die Perspektive haben, die Nachtschichten zu reduzieren, wenn sie älter sind. Davon profitieren alle.

Interview: Bernd Gräf

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