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Wellenbrecher

Ganz vorn

Wellenbrecher

Da kommt Welle auf Welle. Wir brauchen Wellenbrecher. Sonst packt das Gesundheitssystem das nicht. Egal ob dort oder in anderen sogenannten systemrelevanten Bereichen – erwartet wird Außergewöhnliches. Die Wissenschaft sucht nach Strategien und diskutiert Vorgehen. Die Regierung erlässt Anordnungen. Die Arbeitgeber sind überrascht, dass Personal fehlt. Und wir sind mittendrin.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.68, Michael Quetting, ver.di Michael Quetting

Das macht keinen Spaß. Diese Wellen brechen über uns und wir drohen zu ertrinken. Aber das ist unser Beruf. Wohlgemerkt: erlernter Beruf, nicht Berufung. Und da wir unseren Beruf können, könnten wir selbstverständlich den Wellen Widerstand leisten. Es braucht nur mehr von uns. Nun, das haben wir schon vor Corona gesagt. Mal lauter, mal leiser.

Meine Kollegin Monika sagt immer, ver.di soll lauter schreien. Die Pflegedirektorin vom Krankenhaus meint, nein, bitte leiser, sonst bekommen wir keine Auszubildenden mehr. Und die Ministerin lässt einen schnurrigen Film produzieren, der alles andere als witzig ist. Aber ändern tun sie nichts. Die Arbeitsbedingungen werden nicht besser. PPR 2.0 nicht eingeführt, die Servicebereiche sind weiter ausgegliedert. Und Monika ist immer noch nicht in ver.di.

Ja, wir drohen zu ertrinken und einige von uns haben auch schon aufgegeben, haben ihre Posten als Wellenbrecher verlassen. Was tun? Wie können wir das ändern? Wir können noch eine Petition an Spahn schreiben. Es wird nichts nützen. Wir können unserem Arbeitgeber vorschlagen, endlich genug Personal einzusetzen. Er wird sagen, das geht nicht, das DRG-System zwinge ihn nun mal dazu. Und die Pflegedirektorin wird vielleicht sagen, ja eigentlich hätten wir Recht. Sie habe ja auch schon mal was von ganzheitlicher Pflege gehört, aber was soll sie nur machen?

Keine Lösung? Doch. Wir sind die Lösung. Wir werden die Wellen nicht brechen, indem wir uns immer weiter der Tretmühle unterordnen. Das ist anstrengend. Weil die Ausübung unseres Berufes so anstrengend ist. Aber dieser Beruf verlangt auch nach politischer Aktivität. Dazu brauchen wir Monika. Die müssen wir überzeugen. Mehr von uns ist besser für alle. Nie war diese Erkenntnis richtiger als heute. Das sollten wir uns vornehmen für das neue Jahr, meint euer

Michael Quetting

Michael Quetting ist der ver.di-Pflegebeauftragte im Südwesten

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