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Kein Tarifvertrag – keine Ruhe

Behindertenhilfe

Kein Tarifvertrag – keine Ruhe

Beschäftigte des Frankfurter Assistenzbetriebs CeBeeF streiten für gute Bedingungen.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Behindertenhilfe, Sozial- und Erziehgunsdienst, ver.di Demonstration von CeBeeF-Beschäftigten am 13. August in Frankfurt am Main

Als der insolvente »Club Behinderter und ihrer Freunde (CeBeeF)« in Frankfurt am Main vergangenes Jahr vom Berliner »Pflegewerk« übernommen wurde, waren viele Beschäftigte voller Hoffnung. Die Manager aus der Hauptstadt versprachen viel – unter anderem, den seit 2012 geltenden Tarifvertrag zu respektieren. Wenige Monate später wollen sie davon nichts mehr wissen. Die von ver.di bereits im Januar übermittelte Aufforderung zu Tarifverhandlungen lehnen sie rundweg ab. Deshalb gehen die Beschäftigten – die in getrennten Tochtergesellschaften in der Persönlichen Assistenz, der Schulassistenz und der Verwaltung arbeiten – jetzt auf die Straße.

»Wir haben den Tarifvertrag vor acht Jahren erkämpft, und wir lassen ihn uns nicht mehr nehmen«, erklärt die Betriebsratsvorsitzende des »CeBeeF – Inklusion und Schule«, Sandra Auth. Zwar gelten die Tarifbedingungen für sie und die meisten ihrer insgesamt gut 500 Kolleg*innen durch eine Bezugnahme im Arbeitsvertrag weiter. Doch neue Beschäftigte sollen nur noch zu schlechteren Konditionen eingestellt werden. »Das lehnen wir ab, für dieselbe Arbeit müssen dieselben, tariflich abgesicherten Bedingungen gelten«, betont Auth. Der Betriebsrat hat Neueinstellungen in der Schulassistenz deshalb konsequent widersprochen. Doch das Unternehmen umgeht den Einspruch der Interessenvertretung, indem es immer mehr Aufträge an seine tarif- und betriebsratslose Tochter »Teamwerk GmbH« überträgt. Empörend ist dieses Vorgehen auch deshalb, weil die Tariflöhne voll refinanziert werden. »Es stellt sich die Frage, warum das Unternehmen auf Teufel komm raus die Löhne drücken will, wenn sie von der Stadt Frankfurt doch bezahlt werden«, kritisiert Auth. 

Die Tarifflucht sei indes nicht das einzige gebrochen Versprechen. »Das Arbeitsklima hat sich massiv verschlechtert, alles wird auf Effizienz getrimmt«, berichtet die Förderschulpädagogin. So würden Beschäftigte unter Druck gesetzt, ihre vertragliche Arbeitszeit abzusenken, wenn das Auftragsvolumen zu gering ist. Gerade in einem Bereich, in dem es auf Menschlichkeit und Fürsorge ankomme, seien solche Praktiken nicht tolerabel.

Mitte August machten Beschäftigte ihrem Unmut mit einer Kundgebung vor der Frankfurter CeBeeF-Zentrale Luft. »Das war der Auftakt. Es wird erst wieder Ruhe einkehren, wenn das Unternehmen ernsthafte Tarifverhandlungen mit ver.di aufnimmt«, betont Auth. »Wir brauchen in der Schulassistenz und der Betreuung behinderter Menschen endlich verlässliche und gute Arbeitsbedingungen. Bis wir das erreicht haben, lassen wir nicht locker.«      

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