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Jetzt sind wir dran!

Öffentlicher Dienst

Jetzt sind wir dran!

Die Beschäftigten der öffentlichen Daseinsvorsorge wurden als »systemrelevant« gefeiert. In der Tarifrunde setzen sie sich gemeinsam dafür ein, dass ihre Leistungen angemessen honoriert werden. Das Ergebnis bestimmt den Rahmen für das gesamte Gesundheits- und Sozialwesen.

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), Öffenlicher Dienst, troed2020, Unverzichtbar, Bund und Kommunen, drei.74 Matthias Berghahn, werkzwei Detmold Die Beschäftigten der öffentlichen Daseinsvorsorge wurden als »systemrelevant« gefeiert. In der Tarifrunde setzen sie sich gemeinsam dafür ein, dass ihre Leistungen angemessen honoriert werden.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wer die Gesellschaft zusammenhält. Es sind nicht die Börsenmakler oder Unternehmensberater, sondern die Beschäftigten der öffentlichen Daseinsvorsorge. Das sollte nicht nur beklatscht, sondern auch angemessen honoriert werden. Die Tarifrunde bei Bund und Kommunen bietet die ­Chance, die »systemrelevanten« Berufe finanziell aufzuwerten und attraktiver zu machen.

Kein Geld da?

Die Arbeitgeber sagen, es gebe keinen Spielraum für Lohnerhöhungen. Wir sagen: Gerade jetzt müssen die Löhne steigen! Die Bundesregierung hat erklärt, nicht »gegen die Krise ansparen« zu wollen. Das muss auch für die Tarifrunde gelten. Was sich der Staat leisten kann, wird politisch bestimmt. Die reichsten zehn Prozent besitzen 67,3 Prozent des Gesamtvermögens. Werden sie angemessen an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligt, ist genug Geld da.

Das geht uns alle an

Von dieser Tarifrunde sind weit mehr Menschen betroffen als die 2,3 Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen. Der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) ist unsere Leitwährung. Ob in den Wohlfahrtsverbänden, bei Kirchen, Diakonie und Caritas oder privaten Trägern – überall streiten Kolleg*innen dafür, auf dem Niveau des Flächentarifvertrags entlohnt zu werden. Ein gutes Tarifergebnis stärkt daher alle. Grund genug, sich mit den Beschäftigten im öffentlichen Dienst solidarisch zu zeigen.

Auf uns kommt es an

Gute Argumente haben wir. Doch sie werden nicht reichen. Die Arbeitgeber setzen auf Konfrontation und wollen einen langfristigen Tarifvertrag ohne substanzielle Lohnerhöhungen diktieren. Das werden wir nur durch massiven Druck in den Betrieben und auf der Straße verhindern. Dabei kommt es auf jede und jeden an. Mit systematischer Ansprache und Mobilisierung können wir viel bewegen.

Pflege geht voran

Eine besondere Rolle in diesem Tarifkonflikt werden die Beschäftigten des Gesundheitswesens spielen, speziell in der Pflege. Für sie soll es einen eigenen Verhandlungstisch geben. Aber es geht nicht um Spaltung, sondern darum, gemeinsam stärker zu werden. Jetzt sind wir dran!

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), Ulla Hedemann, drei.74, Charité, ÖD 2020, Öffentlicher Dienst, Arnim Thomaß Ulla Hedemann ist Kinderkrankenpflegerin am Berliner Uniklinikum Charité und Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst.


»Ich freue mich, dass ein eigener Verhandlungstisch für das Gesundheitswesen eingerichtet wird. Denn Corona-Prämien sind zwar schön, letztlich braucht es aber eine dauerhafte Aufwertung der Pflege und aller weiterer Berufsgruppen, die unser Gesundheitssystem am Laufen halten. Nur so wird es möglich sein, Menschen für diese Berufe zu gewinnen und für Entlastung zu sorgen. Jetzt haben wir die Chance dazu. Alle haben in der Pandemie gesehen, wie wichtig unsere Arbeit ist. Das wollen wir nutzen. Während der Forderungsdiskussion in den Betrieben haben viele gezeigt, dass sie bereit sind, sich zu engagieren. Jetzt kommt es darauf an, das in die Tat umzusetzen. Denn dass uns die Arbeitgeber nichts schenken, haben sie gleich klargemacht. Alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben eine bessere Bezahlung verdient. Zusammen erreichen wir das.«

Ulla Hedemann ist Kinderkrankenpflegerin am Berliner Uniklinikum Charité und Mitglied der ver.di-Bundestarifkommission für den öffentlichen Dienst.

 

Unsere Forderungen

  • 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro monatlich mehr, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten
  • 100 Euro monatlich mehr für Auszubildende, Praktikant*innen und Studierende
  •  Einbeziehung der dual Studierenden in den Tarifvertrag

Zudem erwartet ver.di:

  • Einrichtung eines Verhandlungstisches für das Gesundheitswesen, insbesondere die Pflege, um den besonderen und spezifischen Bedingungen gerecht zu werden und um Restanten (Pausen bei Wechselschicht und Zuschlag bei Samstagsarbeit) zu behandeln.
  • Entlastung der Beschäftigten insbesondere durch zusätzliche freie Tage
  • Arbeitszeitverkürzung in Ostdeutschland um eine Stunde auf die im Westen geltende 38,5/39-Stunden-Woche
  • Verlängerung und Verbesserung der Regelungen zur Altersteilzeit
  • Verlängerung der Übernahmeregelung und Übernahme der Fahrtkosten für Auszubildende

Foto-Demo in Berlin

Text "Gebraucht, beklatscht, aber bestimmt nicht weiter so!" ver.di Protestaktion zur Gesundheitsministerkonferenz 2020

Zur Gesundheitsministerkonferenz am 30. September 2020 in Berlin fordern Beschäftigte aus Krankenhäusern mit einer großen Fotodemonstration verbindliche Vorgaben für genug Personal, eine bedarfsgerechte Finanzierung statt Pauschalen und Schluss mit Outsourcing. Die Altenpflege macht sich unter anderem für eine Solidarische Pflegegarantie stark.

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