drei.74

Kinderkliniken ohne DRG?

Pro/Contra

Kinderkliniken ohne DRG?

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Manuela Schwesig SPD, Gesundheitspolitik, Pro/ Contra, Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende SPD-Vorsitzende

Debatte über das System der Fallpauschalen

Pro

»Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Ihre Behandlung braucht mehr Zeit. Die meisten Kinder kommen wegen Notfällen in die Kliniken. Dort muss man auch auf schwerste Fälle vorbereitet sein und durchgehend qualifiziertes Personal und Material vorhalten. Das gilt auch für Geburts- und Neugeborenen-Stationen. Jeder Fall, jede Geburt ist anders.

Die Fallpauschalen decken aber die Bandbreite der Fälle nicht ab. Die Krankenhäuser arbeiten deshalb in diesen Bereichen nicht kostendeckend. Die Folge ist, dass die Kliniken im ländlichen Raum die entsprechenden Stationen schließen und auch die großen Kliniken in den Städten unterfinanziert sind. Das geht auf Kosten der Patientinnen und Patienten und der Menschen, die in den Kliniken arbeiten.

Die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern hat sich deshalb entschlossen, einen Antrag in den Bundesrat einzubringen, in dem wir die Abschaffung der Fallpauschalen im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin fordern. Es muss überall in Deutschland, in den Städten und auch im ländlichen Raum, eine erstklassige medizinische Versorgung von Kindern und werdenden Müttern geben. Dazu brauchen wir ein besseres Versorgungs- und Finanzierungssystem für die Geburtshilfe und für die Kinder- und Jugendmedizin!«

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und stellvertretende SPD-Vorsitzende

 


Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.74, Grit Genster, Gesundheitspolitik, Pro/ Contra, ver.di Grit Genster, Leiterin des Bereichs Gesundheitspolitik beim ver.di-Bundesvorstand

Contra

»Der von Mecklenburg-Vorpommern in den Bundesrat eingebrachte Antrag zur Abschaffung der Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRG) in den Kinder- und Geburtskliniken ist uneingeschränkt zu begrüßen. Die Fehlanreize des DRG-Systems sind hier besonders offensichtlich. Doch sie wirken auch in allen anderen Bereichen. In der Pandemie hat sich das zum Beispiel darin ausgedrückt, dass die Krankenhäuser nicht genügend Schutzmaterial hatten – weil sich die Bevorratung im DRG-System nicht rechnet. Gleiches gilt für das Vorhalten von Kapazitäten, die aktuell so dringend gebraucht werden.

Der Vorstoß kann daher nur ein erster Schritt sein. Weil das DRG-System keine gute Versorgung sichert, wurden bereits die Pflegepersonalkosten aus den Fallpauschalen herausgelöst. Zu Recht hat es die Bundesregierung in der Pandemie mit Freihaltepauschalen teilweise außer Kraft gesetzt. Das DRG-System ist angebohrt. Es gehört ganz abgeschafft. Wir brauchen eine Krankenhausversorgung, die sich nach dem Bedarf richtet und bei wirtschaftlicher Betriebsführung vollständig refinanziert wird. Dass das DRG-System zunehmend in Frage gestellt wird, ist ein Erfolg der Proteste von Krankenhausbeschäftigten und ihrer Gewerkschaft ver.di. Wir sind auf dem richtigen Weg. Weiter so!«

Grit Genster, Leiterin des Bereichs Gesundheitspolitik beim ver.di-Bundesvorstand

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