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Lavendelgate

Ganz vorn

Lavendelgate

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen (ver.di), drei.68, Michael Quetting, ver.di Michael Quetting

Der Hashtag #Lavendelgate hat Furore gemacht. 578 Meldungen zeigt Google. Hunderte Kommentare, über tausend Mal auf Facebook geteilt, bei Twitter wurde er zum Renner.

Im Sommerinterview wurde die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz dazu befragt. Was war geschehen? Staatssekretär Denis Alt (SPD) wollte im Namen der Landesregierung etwas Gutes für die Bienen tun und sich bei den Beschäftigten der Unimedizin Mainz für den Einsatz in der Corona-Krise bedanken. Als Zeichen brachte er einen klitzekleinen Lavendel-Busch vorbei. Und die Presse war natürlich auch da.

Zu Beginn der Pandemie hatten die Einrichtungen noch nicht mal genug Schutzkittel. Personaluntergrenzen und Arbeitsschutzgesetze, selbst Teile des Finanzierungssystems der Fallpauschalen (DRG) wurden außer Kraft gesetzt, damit wir uns auf einen Notstand vorbereiten konnten. Und nun musste die Leitung der Uniklinik dabeistehen und einen Blumentopf in Empfang nehmen. Mancher meinte noch, es wäre Parodie. Die Realität ist die peinliche Satire.
Nachdem landauf und landab geklatscht wurde und es hier und da Nivea-Creme oder Schokolade gab, platzte den ver.di-Aktiven der Kragen. Sie buddelten den Strauch aus und gruben ihn vor der Mainzer Staatskanzlei wieder ein – und drehten dazu ein viel geteiltes Video.

Wir brauchen endlich echte Wertschätzung und Aufwertung. Nette Worte, Blumen und Süßigkeiten lehnen wir nicht ab, aber damit könnt ihr uns nicht mehr beeindrucken. Ihr könnt uns mal. Jetzt braucht es Taten statt Worte. Wir verlangen eine Personalbemessung. Das DRG-System hat sich überlebt. Es ist an der Zeit, die ausgegliederten Bereiche wieder zurück in die Krankenhäuser zu holen.

Lavendel soll beruhigen. Die Mainzer hat es auf die Palme gebracht und sie wurden so laut, dass man sie in der Bundesrepublik hörte. Jetzt hat in Rheinland-Pfalz ein Bündnis zum Pflegeaufstand aufgerufen. Hören wir auf, nur zuzuschauen und zu kommentieren und zu meinen, ein höheres Wesen könnte uns retten. Jetzt nehmen wir uns die Aufforderung von Erich Kästner zu Herzen: »Was immer auch geschieht, nie sollt ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!« In diesem Sinne wünscht uns einen heißen Herbst, euer

Michael Quetting

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