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Servicekräfte bleiben dran

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Servicekräfte bleiben dran

drei.72, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Servicegesellschaften, Krankenhaus, Charité, Charité Facility Management, ver.di Februar 2020: Beschäftigte der Charité Facility Management GmbH streiken

Die Beschäftigten der Charité Facility Management GmbH (CFM) streiten entschlossen für einen Tarifvertrag – und mit Augenmaß. Als der erste Patient Anfang März mit Covid-19 (»Corona-Virus«) ins Berliner Uniklinikum eingeliefert wurde, setzten die Servicekräfte ihren Streik bis auf Weiteres aus. »Wir handeln verantwortungsvoll und wollen in den Krankenhausbereichen keine unkontrollierbaren Verbreitungsherde durch das Virus riskieren«, erläuterte ver.di-Verhandlungsführer Marco Pavlik. Unabhängig davon erwarte er von der Arbeitgeberseite, »dass sie das umsichtige Handeln der Streikenden anerkennt und ihnen nun auch mit einem neuen angemessenen Angebot entgegenkommt«.

Bereits Mitte Februar hatten die Berliner Servicekräfte gezeigt, wie stark sie den Klinikbetrieb durch Arbeitsverweigerung beeinträchtigen können. Nach drei Warnstreiktagen konnten die Rettungsstellen der Charité-Standorte Virchow und Benjamin Franklin nach ver.di-Informationen zeitweise nicht mehr angefahren werden, weil Patient*innen von dort nicht zu den Stationen weitertransportiert wurden. Erstmals beteiligten sich auch 130 Reinigungskräfte an dem Ausstand, was zu deutlichen Einschränkungen und zum Ausfall von OPs führte. »Jetzt wird sichtbar, wie wichtig die Servicekräfte für das Funktionieren des Krankenhauses sind«, bilanzierte Pavlik.

Seit Ausgliederung der Dienstleistungsbereiche aus der Charité vor 14 Jahren gilt für die meisten der rund 2.500 Beschäftigten kein Tarifvertrag. Auch mit wochenlangen Streiks war es 2011 nicht gelungen, in der CFM ein vollständiges Tarifwerk zu etablieren. Jetzt wagt die Belegschaft einen neuen Anlauf. Die Bedingungen dafür sind deutlich günstiger als vor neun Jahren. Denn zum einen ist die CFM seit Anfang 2019 wieder vollständig in öffentlichem Besitz, zum anderen hat sich die Zahl der ver.di-Mitglieder binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.

Zudem können sich die Servicekräfte auf den Koalitionsvertrag von SPD, Linke und Grünen berufen, wonach in Tochterunternehmen des Landes der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) gelten soll. Die Beschäftigten forderten beim Warnstreik lautstark, dieses Versprechen endlich umzusetzen. Andernfalls will die Belegschaft wieder »in den Streikmodus« schalten, sobald sich die gesundheitliche Lage entspannt hat.

Daniel Behruzi

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Foto/Grafik: werkzwei Detmold

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