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Fürsorge gerecht aufteilen

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Fürsorge gerecht aufteilen

drei.72, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Reinlesen, Equal Pay, Equal Care Day, Sorgearbeit, Gleichberechtigung, werkzwei Almut Schnerring/Sascha Verlan: Equal Care, Berlin 2020, Verbrecher Verlag 160 Seiten, 16 Euro, ISBN: 978-3-95732-427-6

Von »Equal Pay« weit entfernt: In Deutschland verdienen Frauen konstant etwa 21 Prozent weniger als Männer. Almut Schnerring und Sascha Verlan beschäftigen sich mit einem Thema, das damit in engem Zusammenhang steht: »Equal Care«. Sie prangern an, dass auch Kindererziehung und Pflege zwischen den Geschlechtern sehr ungleich verteilt sind. Und das gilt sowohl für die professionelle als auch für unbezahlte Sorgearbeit.
Sie argumentieren, dies liege in den Geschlechterstereotypen begründet, die schon von Kindern erlernt werden: »Emotionale Arbeit, das Sich-Kümmern und -Sorgen gilt als ›natürliche‹ Eigenschaft von Frauen, also nicht als besondere Qualifikation oder Kompetenz, die entsprechend entlohnt werden müsste.« Dabei sei »Care-Arbeit die Grundlage und Voraussetzung von Leben und Gemeinschaft«. Dennoch würden diejenigen, die kranke und alte Menschen pflegen, Kinder erziehen und behinderte Menschen unterstützen, finanziell abgestraft. »Diese Ungerechtigkeit ist prägend für unsere Gesellschaft.«
Die Autor*innen plädieren für eine »fürsorgliche Demokratie«, in der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern und auch international gerecht aufgeteilt ist. Um das zu erreichen, müssten sich nicht nur individuelle Verhaltensweisen ändern, sondern auch die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. »Solange der Staat Betroffene, also Familien und Privathaushalte genauso wie die Fachkräfte für Erziehung, Pflege und Betreuung weiterhin überfordert und mit der aktuellen Care-Krise derart alleine lässt,
kann auch ein Rollenwechsel nicht gelingen.«

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Titelseite drei.72
Foto/Grafik: werkzwei Detmold

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