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Wir können gewinnen!

Wir können gewinnen!

drei.72, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, ASKLEPIOS, Personalbemessung, Tarif Krankenhäuser ver.di/ Patrick von Brandt Asklepios-Beschäftigte in Seesen, November 2019

Wie sieht das Gesundheits- und Sozialwesen der Zukunft aus? Das wird auf politischer Ebene entschieden, wo Rahmenbedingungen für Finanzierung und Personalvorgaben gesetzt werden. Und es entscheidet sich in den Betrieben, wo Beschäftigte teils gegen harten Widerstand versuchen, Tarifverträge und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen. Wenn sie solidarisch zusammenstehen, können sie sich durchzusetzen.

drei.72, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Ameos, Personalbemessung, Tarif Krankenhäuser Christian Jungeblodt Ameos Sachsen-Anhalt

Ameos: Verhandlungen erzwungen

Ameos wollte partout nicht mit ver.di über einen Tarifvertrag für seine Kliniken in Sachsen-Anhalt sprechen. Doch nach zweieinhalb Streikwochen lenkte der Schweizer Konzern ein. Seit dem 20. Februar wird nun endlich verhandelt, der Streik wird für vier Wochen ausgesetzt. Unter dem Regionalgeschäftsführer Lars Timm hatte Ameos den Arbeitskampf zuvor mit extrem harten und unlauteren Mitteln geführt. Mindestens 14 Kolleginnen und Kollegen, die sich an Streiks beteiligt hatten, wurden fristlos gekündigt. Das neue Management hat die Rücknahme der Kündigungen zugesagt. Zuvor hatte Ameos den Hardliner Timm in die Wüste geschickt. Das ist wohl auch damit zu erklären, dass sich Beschäftigte im ganzen Land solidarisierten und Politiker*innen sich über die vordemokratischen Praktiken des Konzerns empörten. Mehr Infos hier.

drei.72, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, ASKLEPIOS, Personalbemessung, Tarif Krankenhäuser ver.di Asklepios-Klinik Lindenlohe

Asklepios: Ein Konzern stellt auf stur

Die Beschäftigten der Asklepios-Kliniken im niedersächsischen Seesen und im bayerischen Lindenlohe lassen nicht locker. Sie wollen den Druck weiter erhöhen, damit der kommerzielle Klinikbetreiber endlich über einen Tarifvertrag auf dem Niveau des öffentlichen Dienstes verhandelt. »Die Asklepios-Spitze sollte langsam zur Kenntnis nehmen, wie entschlossen die Kolleginnen und Kollegen sind«, sagt David Matrai, der bei ver.di in Niedersachsen für das Gesundheits- und Sozialwesen zuständig ist. Etliche Male hat die Belegschaft in Seesen bereits die Arbeit niedergelegt. Sie lässt sich auch von einseitigen »Notdienstverpflichtungen«, Streikbrecherprämien und der Ausgliederung von rund 120 Therapeut*innen nicht einschüchtern.
»Das Outsourcing der Therapie GmbH macht eine gute Patientenversorgung schwieriger«, betont Matrai. »Aber das hält die Kolleginnen und Kollegen nicht davon ab, gemeinsam für einen Tarifvertrag zu kämpfen.« Es gehe ihnen vor allem um die Zukunft der renommierten Schildautalkliniken, die wegen der geringen Vergütung zunehmend Probleme haben, Fachkräfte zu gewinnen. »Auch wenn Asklepios weiter auf stur stellt – wir bleiben dran.« Mehr Infos hier.

Inklusiv gGmbH Coburg: Ob Kirche oder nicht – Tarifverträge!

Mit einem Flashmob haben rund 120 Beschäftigte der Coburg Inklusiv gGmbH am 20. Februar für eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) demonstriert. Ihr Arbeitgeber – der vor einem Monat den Dachverband wechselte, vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zum Diakonischen Werk Bayern – bietet ihnen nur eine Vergütung nach den schlechteren, kirchlichen Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) an. Das Unternehmen sei in einer »Nacht-und-Nebel-Aktion« zur Diakonie übergetreten, ohne Kommunikation mit der Belegschaft, kritisiert die Kinderpflegerin Susanne Schmehle. »Auf einmal steht Diakonie vorne drauf, dabei hat sich nichts geändert. Es sind die gleichen Beschäftigten, die sich mit viel Hingabe um die Kinder kümmern. Mit der Kirche hat das eigentlich nichts zu tun.« Dass die Geschäftsführung den TVöD nicht bezahlen will, obwohl die Kostenträger ihn refinanzieren würden, sei ein Skandal. Schon jetzt wanderten Fachkräfte in andere Einrichtungen ab, wo sie mehr verdienen könnten. Deshalb fehle es an Personal. »Die Beschäftigten leiden, die Kinder leiden – deshalb wehren wir uns jetzt.« Mehr Infos hier.

drei.72, Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, Personalbemessung, Tarif Krankenhäuser, UKSH, ver.di Uniklinik Schleswig-Holstein

Uniklinik Schleswig-Holstein: Mehr Personal muss her

Ein deutliches Signal: 97,54 Prozent der ver.di-Mitglieder am Uniklinikum Schleswig-Holstein haben sich in einer Urabstimmung Mitte Februar für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Sie fordern einen Tarifvertrag für mehr Personal und Entlastung, wie es ihn bereits in 16 Großkrankenhäusern gibt. Vor dem für Mitte März geplanten Streikbeginn (nach Redaktionsschluss) sollte die Klinikleitung noch einmal die Gelegenheit bekommen, den Streik durch ein verhandlungsfähiges Angebot abzuwenden. »Niemand will streiken müssen, aber wenn es notwendig ist, ist die Kampfbereitschaft mehr als hoch«, sagt ver.di-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt. Mehr Infos hier.

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