drei.71

Kurz und gut

Arbeitszeitbefragung

Kurz und gut

ver.di diskutiert über Arbeitszeitverkürzung und gute Arbeit
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Rund 64.000 Beschäftigte aus dem Gesundheits- und Sozialwesen haben sich an der ver.di-Arbeitszeitbefragung beteiligt. Das enorme Interesse zeigt: Der Plan, die Arbeitszeit wieder verstärkt zum Thema zu machen, ist goldrichtig. Deutlich wird auch: Die Kolleginnen und Kollegen wollen stärker selbst bestimmen, wann und wieviel sie arbeiten. Zwei von drei Befragten würden gerne zwischen Arbeitszeitverkürzung und mehr Geld wählen können. Die Debatte ist eröffnet. Klar ist allerdings: Gerade bei den Arbeitszeiten gibt es Verbesserungen nicht geschenkt – sie müssen erkämpft werden.

Fast 70 Prozent der Beschäftigten in Gesundheits- und Sozialeinrichtungen arbeiten länger als vereinbart. Als Grund nennt die große Mehrheit, insbesondere in Kitas, Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Psychiatrien und in der Altenpflege: zu wenig Personal. Das belegt: Um den ausufernden Arbeitszeiten zu begegnen, braucht es bedarfsorientierte und verbindliche Vorgaben für die Personalausstattung per Gesetz. Dafür streitet ver.di.

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.71, Arbeitszeit, Umfrage, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Gute Arbeit, Personalbemessung, werkzwei, David Bärwald Überstunden wegen Personalmangel

 

Übergriffe auf die Freizeit

96 Prozent der Pflegekräfte in Krankenhäusern werden laut anderen Befragungen regelmäßig aufgefordert, außerhalb des Dienstplans einzuspringen. Über 70 Prozent können gesetzlich vorgeschriebene Pausen nicht nehmen. Auch anderweitig sind Übergriffe auf die Freizeit der Beschäftigten alltäglich. Das schadet der Gesundheit und den sozialen Beziehungen. Die von Arbeitgebern und politisch Verantwortlichen verursachte Personalnot geht auf Kosten der Beschäftigten, aber auch der Patient*innen und Klient*innen. Auch deshalb braucht es gute Personalstandards, die verlässliche Dienstpläne ermöglichen.

Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung und der schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben verkürzen etliche Beschäftigte individuell ihre Arbeitszeit – vor allem Frauen. Sie nehmen dafür Entgelteinbußen und drohende Altersarmut in Kauf. Als Alternative sieht ver.di das Modell einer »kurzen Vollzeit für alle«. Der ver.di-
Bundeskongress im September in Leipzig hat beschlossen, sich weiter für die Verkürzung der durchschnittlichen Arbeitszeit einzusetzen und eine breite Debatte über die Forderung nach einer 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu führen. Zugleich hat der Kongress festgestellt, dass gerade Arbeitszeit und Arbeitsschutz »umkämpfte Felder« sind, »bei denen Verbesserungen für Beschäftigte in den meisten Fällen gegen harte Widerstände erkämpft werden und erreichte Standards immer wieder aufs Neue verteidigt werden müssen«.

 

Gesundheit Soziale Dienste Wohlfahrt und Kirchen, drei.71, Arbeitszeit, Umfrage, Personalbemessung, Gute Arbeit, Matthias Berghahn Entwicklung der durchschnittlichen Wochen- arbeitszeit im Gesundheits- und Sozialwesen

 

Arbeitgeber verweigern sich

Ein Beleg dafür sind die neuen Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschland (AVR.DD) vom August, die eine »Wahlarbeitszeit« beinhalten. Demnach kann die Arbeitszeit von Beschäftigten mit deren Zustimmung von 39 auf 42 Wochenstunden verlängert werden. Zudem können diakonische Arbeitgeber monatlich bis zu drei »Vertretungsbereitschaften« einseitig anordnen. Ausgerechnet bei der Kirche also noch mehr Flexibilität für Unternehmen und Arbeitszeitverlängerung.

Dass für die Verkürzung der Arbeitszeiten harte Auseinandersetzungen nötig sind, zeigt auch die Weigerung der kommunalen Arbeitgeber, Pausen bei Wechselschicht im Krankenhaus zu vergüten. Zwar hatten sie sich in der Tarifrunde 2018 dazu verpflichtet, über diese Gleichbehandlung mit dem restlichen öffentlichen Dienst zu verhandeln. Dies würde den Betroffenen eine Arbeitszeitverkürzung von 2,5 Stunden pro Woche bescheren. Doch bis Redaktionsschluss blockierten die Kommunen eine Einigung. 

Fazit: Die Arbeitszeit steht wieder auf der Agenda. Doch Verbesserungen wird es nur geben, wenn die Beschäftigten dafür aktiv werden. Nun wird in den Betrieben und ver.di-Gremien über Tarifforderungen diskutiert, angefangen mit dem öffentlichen Dienst. Beschlossen werden sie in den gewählten Tarifkommissionen.

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