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Kritik am kirchlichen Sonderweg

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Kritik am kirchlichen Sonderweg

Seit 100 Jahren gibt es in Deutschland Tarifverträge und eine gesetzlich verbriefte Mitbestimmung. Aus diesem Anlass hat sich Mario Gembus, bei ver.di für kirchliche Betriebe zuständig, mit der Sonderstellung beschäftigt, die die christlichen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände in beiden Fragen für sich reklamieren. Die erste »Streitschrift« zeigt auf, dass die kircheninterne Mitbestimmung nicht an die im Betriebsverfassungsgesetz festgelegten Standards heranreicht. In der zweiten argumentiert Gembus, dass Tarifverhandlungen auch in Kirchen, Diakonie und Caritas zur Normalität werden sollten. Denn auch hier gebe es den Interessengegensatz und eine strukturelle Machtasymmetrie zwischen Arbeitgebern und Beschäftigten. Dass die kircheninterne Festsetzung der Löhne und Arbeitsbedingungen dem nicht gerecht wird, belegt der Gewerkschafter eingehend.

Intensiv befasst er sich dabei mit den Begrifflichkeiten, die im kirchlichen Arbeitsrecht verwendet werden und dessen Legitimation sichern sollen. So zum Beispiel mit der »Dienstgemeinschaft«, die Interessengegensätze kaschieren soll und sich auch gegen die angeblich betriebsfremde Gewerkschaft richtet. Vom »Konsensprinzip«, das die Kirchenoberen in Sachen Arbeitsrecht stets vor sich hertragen, bleibt nach der kritischen Lektüre ebenfalls nicht viel übrig. Denn Gembus legt anschaulich dar, was im kircheninternen Schlichtungsverfahren vom vermeintlichen Konsens am Ende bleibt: Zwang.

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